Donnerstag, 3. Februar 2011

Helicopter Ben

Wer ist der größte Anleihen-Gläubiger der USA? Die Chinesen? Die Japaner? Knapp daneben! Es ist die US-Notenbank Federal Reserve. Durch weitere Käufe von Staatsanleihen habe die Fed ihren Bestand an Anleihen und Geldmarktpapieren auf 1,108 Billionen Dollar (806 Milliarden Euro) aufgestockt, berichtete gestern die „Financial Times“ unter Berufung auf Daten der New Yorker Fed. China hält derzeit 896 und Japan 877 Milliarden Dollar an US-Anleihen.

Wenn die Notenbank eines Landes die eigenen Staatsanleihen aufkauft, heißt das nichts anders, als dass sie frisches Geld druckt und unters Volk bringt. Genau das bezweckt die Fed auch mit dieser Aktion. Ihr Chef Ben Bernanke hat ja die Spitzennamen Helicopter-Ben, weil er einmal gesagt haben soll, bevor man ein Land in Deflation und Rezession versinken lässt, sei es besser, Geld aus einem Hubschrauber abwerfen zu lassen.

Das macht er jetzt, auch wenn er auf den Hubschrauber verzichtet und quasi den offiziellen Weg über die Banken einschlägt, um mehr als eine Billion Dollar unters Volk zu bringen.

Konsequent ist er, der frühere Herr Professor Bernanke. Denn seine Hubschrauber-These hat er aufgestellt, nachdem er sich akademisch intensiv mit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren beschäftigt hatte. Jetzt darf er seine Theorie in der Praxis umsetzen. Welcher Ökonom erhält so eine Gelegenheit? Und vor allem: Welcher Ökonom traut sich, seine Theorien mit einem derartigen Feldversuch zu verifizieren?

Wir beobachten das Experiment mit Interesse. Falls es scheitert, werden wir aber schnell von Beobachtern zu Betroffenen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir eine Suppe auslöffeln dürfen, die uns die US-Amerikaner eingebrockt haben.

Outlook

Erstens müssen wir unsere Häuser in Ordnung bringen. Arzt, heile dich selbst. Das Wichtigste, das wir für unseren internationalen Einfluss tun können, tun wir zu Hause. Jahrzehntelang haben wir mit einem Fortschrittsparadigma gelebt, laut dem es jeder Generation besser als der vorherigen geht. Jetzt werden wir große Mühe haben, dafür zu sorgen, dass es unseren Kindern nicht schlechter geht, dass sie nicht weniger sicher und frei sind als wir.

Zweitens werden wir unsere Erwartungen an die "gemeinsamen Normen" der liberalen internationalen Ordnung wohl herunterschrauben müssen. Das bedeutet schwierige Entscheidungen. Stellen wir die Erhaltung des Friedens, im Sinne des Ausbleibens größerer Kriege zwischen Staaten, über alles? Oder wollen wir die globale Erwärmung umkehren? Oder die Wege des internationalen Handels und der Finanz offenhalten? Oder uns für grundsätzliche Menschenrechte stark machen?