Samstag, 31. Juli 2010
Mittwoch, 28. Juli 2010
Dienstag, 27. Juli 2010
Sonntag, 25. Juli 2010
www.steuerboykott.org
1) Das Schuldgeld-System an sich und den damit verbundenen Zwang zum unendlichen Wirtschaftswachstum
2) Das staatliche Bonzen- u. Freunderl-System
3) Den sog. Generationenvertrag
Statt sozialem Fortschritt ernten wir daher Burnout und Kinderlosigkeit - weil weite Teile des privaten Rückzugsbereichs auch schon der Gier der Pyramidenspiele geopfert wurden. Natürlich beschleunigt das den Abstieg noch, weil so den Pyramiden noch mehr Nahrung entzogen wird.
Früher oder später wird es gewaltig krachen. Ich hoffe eher früher, weil alles, was bis dahin passieren kann nur eine Leidensverlängerung ist. Besser eine Ende mit Schrecken mit nachfolgendem Neuaufbau, als Schrecken ohne Ende.
2) Das staatliche Bonzen- u. Freunderl-System
3) Den sog. Generationenvertrag
Statt sozialem Fortschritt ernten wir daher Burnout und Kinderlosigkeit - weil weite Teile des privaten Rückzugsbereichs auch schon der Gier der Pyramidenspiele geopfert wurden. Natürlich beschleunigt das den Abstieg noch, weil so den Pyramiden noch mehr Nahrung entzogen wird.
Früher oder später wird es gewaltig krachen. Ich hoffe eher früher, weil alles, was bis dahin passieren kann nur eine Leidensverlängerung ist. Besser eine Ende mit Schrecken mit nachfolgendem Neuaufbau, als Schrecken ohne Ende.
Kusin - aus FALTER
Franz Kusin ist ein mächtiger Betriebsrat. Als Chef der Christgewerkschafter (FCG) bei der Telekom und als stellvertretender Zentralbetriebsratsobmann des Konzerns handelt er nach der Devise „Der Mensch hat Vorrang“. So steht es auf Kusins Homepage, in der die „Überparteilichkeit“ der FCG hervorgehoben wird.
Kusin hat in den vergangenen Jahren viel geleistet. Im Jahr 2008 verhandelte er mit dem Telekom-Vorstand das Projekt „Target 09“, bei dem 1250 Telekom-Mitarbeiter „dienstfreigestellt“ wurden. Kusin begrüßte auch die Pläne der ÖVP-Innenministerin, dass unnütze Telekom-Mitarbeiter fortan bei der Polizei arbeiten.
Der Betriebsrat selbst braucht nicht zu fürchten, auf dem Abstellgleis zu landen. Er verdingt sich als Berater von Karl-Heinz Grassers Ex-Geschäftspartner, dem ehemaligen Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger. Zur Erinnerung: Gemeinsam mit den Grasser-Geschäftsfreunden Walter Meischberger und Ernst Plech wird gegen Hochegger wegen Untreue rund um die Privatisierung der Buwog-Wohnungen ermittelt.
Bei Hausdurchsuchungen in diesem Fall stießen die Ermittler auf jede Menge brisante Dokumente – etwa Honorarnoten von Franz Kusin. So verrechnete er für eine dreimonatige „Beratungstätigkeit in sozialrechtlichen Fragen“ der Hochegger’schen Valora Unternehmensberatung AG 30.000 Euro – das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Telekom-Mitarbeiters.
Als unkündbarer Betriebsrat hat Kusin also ein nettes Nebengeschäft aufgerissen – und zwar bei einem Grasser-Freund und PR-Berater, der für die Chefetage der Telekom arbeitete. Ist das vereinbar? „Ich werde meine privaten Geschäfte nicht kommentieren“, sagt Kusin im Gespräch mit dem Falter. Er sei eben nicht nur Betriebsrat, sondern auch „Managementberater“ und habe Nebengeschäfte gemeldet.
Markus Hinker, roter Zentralbetriebsratschef der A1 Telekom Austria AG, ist fassungslos: „Das ist ein Wahnsinn. Ich bin mehr als überrascht, dass Herr Kusin solche lukrativen Beraterverträge abschließt und uns nicht darüber informiert.“ Solche Nebenjobs seien „absolut unüblich“. Wenn ein Lobbyist Know-how benötige, könne er sich ja an die Arbeiterkammer wenden. Die rote FSG, so beteuert Hinker, habe „keinen Cent“ von Grassers Lobbyisten erhalten.
Der hübsche Beratervertrag muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen, bekam nicht nur Betriebsrat Kusin privat einen Batzen Geld, sondern auch die Fraktion Christlicher Gewerkschafter über Umwege einen Zuschuss von der Telekom. So wurden der FCG über Hocheggers Valora AG 30.000 Euro unter der Chiffre „Marketingzuschuss Telekomzuschuss“ überwiesen. Das Geld, so gab Peter Hochegger vor dem Staatsanwalt zu Protokoll, sei „auf Wunsch der Telekom/Herrn Fischer geleistet worden. (...) Die Abrechnung erfolgte über mich, wahrscheinlich weil die Telekom das nicht direkt bezahlen wollte.“ Rudolf Fischer war damals Festnetz-Chef der Telekom und stellvertretender Telekom-Boss, ehe er sich verabschiedete.
Nicht nur die konservative Gewerkschaft wurde mit „Zuschüssen“ bezahlt, auch die FPÖ hat ansehnliche Summen von der Telekom erhalten. Im Dezember 2004 hat Peter Hocheggers Compagnon Walter Meischberger an die Neue Freie Zeitung, das Parteiblatt der FPÖ, insgesamt 192.000 Euro überwiesen.
Wurden hier Betriebsräte und Parteien rund um die Telekom-Privatisierung mit Spenden wohlwollend gestimmt? Die Justiz untersucht nun den 6,5-Millionen-Euro-Etat, den Hochegger von der Telekom für seine PR-Aktivitäten kassierte.
Vor allem die Überweisungen an die FPÖ-Zeitung riechen nach Parteienfinanzierung. Offiziell wurden die 192.000 Euro für die „Platzierung verschiedener Persönlichkeiten und Produkte“ in der Parteizeitung der „Ehrlichen und Anständigen“ geleistet. Meischberger erklärte dem Staatsanwalt wortreich, wofür das Geld der Telekom floss: „Ich habe mit der Neuen Freien Zeitung vereinbart, dass Geschichten z.B. über das Aufstellen von Handymasten (...) erscheinen.“ Ein Journalist der FPÖ-Zeitung, so Meischberger, „hat dann (...) entsprechende Artikel verfasst.“ Das Merkwürdige an dieser Kooperation zwischen Telekom und FPÖ: Entsprechende Artikel sind nie erschienen.
Für die Staatsanwaltschaft stellt sich nun die Frage, ob die Zahlungen rund um die Privatisierungen der Telekom erfolgten, um blaue Politiker und schwarze Gewerkschafter für die Interessen der Telekom gefügig zu machen. In diesem Zusammenhang ist eine Aussage Walter Meischbergers interessant. Er arbeitete als Subunternehmer von Hochegger. Einmal habe er seinem Freund Hochegger insgesamt 72.000 Euro für „Kommunikationsberatung“ im Rahmen des Projekts „Fixed Line“ (Festnetz) in Rechnung gestellt. „Meine Aufgabe“, so Meischberger, „war das Lobbying in den Parlamentsklubs von BZÖ und FPÖ. Es gibt immer wieder Gesetzesänderungen oder Wünsche für Gesetzesänderungen, und ich habe mich umgehört, wie die Meinungen der einzelnen Entscheidungsträger zu diesen Interessen waren, und habe dann die notwendige Information von der Telekom an die jeweiligen Leute im Parlamentsklub weitergegeben.“
Eines der Projekte, das Hochegger für die Telekom in Angriff nahm, war eine Kooperation der Telekom mit dem berüchtigten Glücksspielgiganten Novomatic. Der Milliardenkonzern wollte sein Glücksspiel nicht nur über Spielautomaten, sondern auch über den Internetdienst aon anbieten. „Dazu“, so Hochegger, „hätten die Gesetze geändert werden müssen.“ Meischberger habe „die Überzeugungsarbeit in Richtung BZÖ/BMF (Bundesministerium für Finanzen, Anm.) gemacht. Er hat mit Politikern gesprochen und ihnen Gutachten vorgelegt.“
Die Justiz prüft nun, ob Politikern wirklich nur „Gutachten“ hingeblättert wurden. Hochegger weist Bestechungsvorwürfe zurück, er habe ganz legal als Lobbyist gearbeitet. Bei der Telekom verweist ein Sprecher darauf, dass die damals verantwortlichen Vorstandsmitglieder Rudolf Fischer und Gernot Schieszler den Konzern verlassen hätten. Die interne Revision überprüfe die Vorgänge, an neuen Compliance-Richtlinien in Sachen Sponsoring und Lobbyismus werde gearbeitet. Man kooperiere voll mit den Behörden. Für alle Beteiligten gilt natürlich die Unschuldsvermutung.
Kusin hat in den vergangenen Jahren viel geleistet. Im Jahr 2008 verhandelte er mit dem Telekom-Vorstand das Projekt „Target 09“, bei dem 1250 Telekom-Mitarbeiter „dienstfreigestellt“ wurden. Kusin begrüßte auch die Pläne der ÖVP-Innenministerin, dass unnütze Telekom-Mitarbeiter fortan bei der Polizei arbeiten.
Der Betriebsrat selbst braucht nicht zu fürchten, auf dem Abstellgleis zu landen. Er verdingt sich als Berater von Karl-Heinz Grassers Ex-Geschäftspartner, dem ehemaligen Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger. Zur Erinnerung: Gemeinsam mit den Grasser-Geschäftsfreunden Walter Meischberger und Ernst Plech wird gegen Hochegger wegen Untreue rund um die Privatisierung der Buwog-Wohnungen ermittelt.
Bei Hausdurchsuchungen in diesem Fall stießen die Ermittler auf jede Menge brisante Dokumente – etwa Honorarnoten von Franz Kusin. So verrechnete er für eine dreimonatige „Beratungstätigkeit in sozialrechtlichen Fragen“ der Hochegger’schen Valora Unternehmensberatung AG 30.000 Euro – das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Telekom-Mitarbeiters.
Als unkündbarer Betriebsrat hat Kusin also ein nettes Nebengeschäft aufgerissen – und zwar bei einem Grasser-Freund und PR-Berater, der für die Chefetage der Telekom arbeitete. Ist das vereinbar? „Ich werde meine privaten Geschäfte nicht kommentieren“, sagt Kusin im Gespräch mit dem Falter. Er sei eben nicht nur Betriebsrat, sondern auch „Managementberater“ und habe Nebengeschäfte gemeldet.
Markus Hinker, roter Zentralbetriebsratschef der A1 Telekom Austria AG, ist fassungslos: „Das ist ein Wahnsinn. Ich bin mehr als überrascht, dass Herr Kusin solche lukrativen Beraterverträge abschließt und uns nicht darüber informiert.“ Solche Nebenjobs seien „absolut unüblich“. Wenn ein Lobbyist Know-how benötige, könne er sich ja an die Arbeiterkammer wenden. Die rote FSG, so beteuert Hinker, habe „keinen Cent“ von Grassers Lobbyisten erhalten.
Der hübsche Beratervertrag muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen, bekam nicht nur Betriebsrat Kusin privat einen Batzen Geld, sondern auch die Fraktion Christlicher Gewerkschafter über Umwege einen Zuschuss von der Telekom. So wurden der FCG über Hocheggers Valora AG 30.000 Euro unter der Chiffre „Marketingzuschuss Telekomzuschuss“ überwiesen. Das Geld, so gab Peter Hochegger vor dem Staatsanwalt zu Protokoll, sei „auf Wunsch der Telekom/Herrn Fischer geleistet worden. (...) Die Abrechnung erfolgte über mich, wahrscheinlich weil die Telekom das nicht direkt bezahlen wollte.“ Rudolf Fischer war damals Festnetz-Chef der Telekom und stellvertretender Telekom-Boss, ehe er sich verabschiedete.
Nicht nur die konservative Gewerkschaft wurde mit „Zuschüssen“ bezahlt, auch die FPÖ hat ansehnliche Summen von der Telekom erhalten. Im Dezember 2004 hat Peter Hocheggers Compagnon Walter Meischberger an die Neue Freie Zeitung, das Parteiblatt der FPÖ, insgesamt 192.000 Euro überwiesen.
Wurden hier Betriebsräte und Parteien rund um die Telekom-Privatisierung mit Spenden wohlwollend gestimmt? Die Justiz untersucht nun den 6,5-Millionen-Euro-Etat, den Hochegger von der Telekom für seine PR-Aktivitäten kassierte.
Vor allem die Überweisungen an die FPÖ-Zeitung riechen nach Parteienfinanzierung. Offiziell wurden die 192.000 Euro für die „Platzierung verschiedener Persönlichkeiten und Produkte“ in der Parteizeitung der „Ehrlichen und Anständigen“ geleistet. Meischberger erklärte dem Staatsanwalt wortreich, wofür das Geld der Telekom floss: „Ich habe mit der Neuen Freien Zeitung vereinbart, dass Geschichten z.B. über das Aufstellen von Handymasten (...) erscheinen.“ Ein Journalist der FPÖ-Zeitung, so Meischberger, „hat dann (...) entsprechende Artikel verfasst.“ Das Merkwürdige an dieser Kooperation zwischen Telekom und FPÖ: Entsprechende Artikel sind nie erschienen.
Für die Staatsanwaltschaft stellt sich nun die Frage, ob die Zahlungen rund um die Privatisierungen der Telekom erfolgten, um blaue Politiker und schwarze Gewerkschafter für die Interessen der Telekom gefügig zu machen. In diesem Zusammenhang ist eine Aussage Walter Meischbergers interessant. Er arbeitete als Subunternehmer von Hochegger. Einmal habe er seinem Freund Hochegger insgesamt 72.000 Euro für „Kommunikationsberatung“ im Rahmen des Projekts „Fixed Line“ (Festnetz) in Rechnung gestellt. „Meine Aufgabe“, so Meischberger, „war das Lobbying in den Parlamentsklubs von BZÖ und FPÖ. Es gibt immer wieder Gesetzesänderungen oder Wünsche für Gesetzesänderungen, und ich habe mich umgehört, wie die Meinungen der einzelnen Entscheidungsträger zu diesen Interessen waren, und habe dann die notwendige Information von der Telekom an die jeweiligen Leute im Parlamentsklub weitergegeben.“
Eines der Projekte, das Hochegger für die Telekom in Angriff nahm, war eine Kooperation der Telekom mit dem berüchtigten Glücksspielgiganten Novomatic. Der Milliardenkonzern wollte sein Glücksspiel nicht nur über Spielautomaten, sondern auch über den Internetdienst aon anbieten. „Dazu“, so Hochegger, „hätten die Gesetze geändert werden müssen.“ Meischberger habe „die Überzeugungsarbeit in Richtung BZÖ/BMF (Bundesministerium für Finanzen, Anm.) gemacht. Er hat mit Politikern gesprochen und ihnen Gutachten vorgelegt.“
Die Justiz prüft nun, ob Politikern wirklich nur „Gutachten“ hingeblättert wurden. Hochegger weist Bestechungsvorwürfe zurück, er habe ganz legal als Lobbyist gearbeitet. Bei der Telekom verweist ein Sprecher darauf, dass die damals verantwortlichen Vorstandsmitglieder Rudolf Fischer und Gernot Schieszler den Konzern verlassen hätten. Die interne Revision überprüfe die Vorgänge, an neuen Compliance-Richtlinien in Sachen Sponsoring und Lobbyismus werde gearbeitet. Man kooperiere voll mit den Behörden. Für alle Beteiligten gilt natürlich die Unschuldsvermutung.
Freitag, 23. Juli 2010
Mythen entzifffern
ötter, Philosophen und die Ideologie
Leider führt Luc Ferry im Buch noch einen ganz persönlichen Kreuzzug, nämlich den gegen das Christentum - und somit auch gegen das "Buch der Bücher", die Bibel.
Das Ziel der menschlichen Existenz ist es nicht, wie die Christen bald glauben werden, durch alle Mittel, auch die moralischsten und langweiligsten, das ewige Heil, die Unsterblichkeit, zu erlangen, denn das gelungene Leben eines Sterblichen steht weit über dem misslungenen Leben eines Unsterblichen!
Mit solchen Aussagen ist Ferrys Mythen-Buch reich garniert. Natürlich hat der Autor ein Recht auf seine persönliche Welt- und Glaubensanschauung und natürlich kann er diese in Buchform gießen.- Aber müssen "Kinder", Jugendliche, an die das Buch sich in erster Linie richtet, ideologisch aufgeladen werden?
Und auf noch etwas vergisst Ferry geflissentlich hinzuweisen. Seit der Renaissance haben Dichter und Denker immer wieder versucht, die griechische Götter- und Mythenwelt mit dem christlichen Weltbild harmonisch zu verbinden - auch die Versuche Hölderlins und Heideggers gehören hier her.
Nach Luc Ferry ist das Ziel des griechischen Mythos und damit auch das Ziel der Philosophie eines: "das gelungene Leben". Das Ziel eines Autors ist das gelungene Buch. Wie man sieht, ist beides nicht leicht zu haben.
back zurück
Luc Ferry, "Leben lernen: Die Weisheit der Mythen", aus dem Französischen übersetzt von Lis Künzli, Verlag Antje Kumstmann
Leider führt Luc Ferry im Buch noch einen ganz persönlichen Kreuzzug, nämlich den gegen das Christentum - und somit auch gegen das "Buch der Bücher", die Bibel.
Das Ziel der menschlichen Existenz ist es nicht, wie die Christen bald glauben werden, durch alle Mittel, auch die moralischsten und langweiligsten, das ewige Heil, die Unsterblichkeit, zu erlangen, denn das gelungene Leben eines Sterblichen steht weit über dem misslungenen Leben eines Unsterblichen!
Mit solchen Aussagen ist Ferrys Mythen-Buch reich garniert. Natürlich hat der Autor ein Recht auf seine persönliche Welt- und Glaubensanschauung und natürlich kann er diese in Buchform gießen.- Aber müssen "Kinder", Jugendliche, an die das Buch sich in erster Linie richtet, ideologisch aufgeladen werden?
Und auf noch etwas vergisst Ferry geflissentlich hinzuweisen. Seit der Renaissance haben Dichter und Denker immer wieder versucht, die griechische Götter- und Mythenwelt mit dem christlichen Weltbild harmonisch zu verbinden - auch die Versuche Hölderlins und Heideggers gehören hier her.
Nach Luc Ferry ist das Ziel des griechischen Mythos und damit auch das Ziel der Philosophie eines: "das gelungene Leben". Das Ziel eines Autors ist das gelungene Buch. Wie man sieht, ist beides nicht leicht zu haben.
back zurück
Luc Ferry, "Leben lernen: Die Weisheit der Mythen", aus dem Französischen übersetzt von Lis Künzli, Verlag Antje Kumstmann
Erde zumüllen ?
Haben Sie sich schon einmal überlegt, welchen Weg das T-Shirt, das Sie gerade anhaben, schon zurückgelegt hat? Die amerikanische Aktivistin Annie Leonard veranschaulicht in ihrem Buch "The Story of Stuff" die Geschichte unserer Sachen - von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.
Aus Rohstoffen wird Abfall
Das "Time Magazin" ernannte sie 2008 zur "Umweltheldin", konservative Kritiker bezeichnen sie als "Marx mit Pferdeschwanz": Annie Leonard beschreibt in ihrem Buch "The Story of Stuff" bildhaft, wie sich Rohstoffe in Komsumgüter verwandeln, und am Ende daraus "Stuff", also Müll wird - viel zu viel Müll.
Auch in einem Kurzfilm auf ihrer Website, der mit schwarzweißen Strichmaxerln animiert ist, erklärt sie energisch, welche Probleme es gibt. Und warnt, dass unser derzeitiger Bedarf an Ressourcen die Kapazität der Erde um das Eineinhalbfache übersteigt.
"Uns gehen die Rohstoffe aus, wir verbrauchen zu viel", heißt es in Leonards Kurzfilm. "Allein in den letzten drei Jahrzehnten wurde ein Drittel der weltweit vorhandenen Rohstoffe verbraucht. Wir in den USA verbrauchen nicht nur zu viel, sondern mehr als uns im Vergleich zusteht. Die USA machen fünf Prozent der Weltbevölkerung aus, haben aber einen Anteil von 30 Prozent am Verbrauch der Ressourcen und an der Abfallproduktion. Wäre der Verbrauch überall so hoch wie in den USA, bräuchten wir drei bis fünf Planeten."
Wirtschaftlicher Schaden
Laut der EU-Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" ist der Schaden, der der Wirtschaft durch das Abholzen der Wälder entsteht, viel größer als die Verluste durch die aktuelle Finanzkrise.
Kein Wunder, wenn man sich vorstellt, dass allein die Amerikaner pro Jahr so viel Papier verbrauchen, dass man damit eine drei Meter hohe Mauer von New York bis nach Tokio bauen könnte.
Umgang mit Wasser und Öl
Annie Leonard wirft viel mit Zahlen um sich, bringt sie aber immer in Relation. Für die Baumwolle eines T-Shirts braucht man beispielsweise 970 Liter Wasser. Bedenklich, wenn der "Economist" Wasser das "Öl des 21. Jahrhunderts" nennt. Als einen möglichen Lösungsansatz sieht Leonard hier den "Wasser-Fußabdruck", mit dem man seinen Wasserverbrauch beziehungsweise seine Verschwendung berechnen kann, um dann sorgfältiger damit umzugehen.
Trotz all unseres technischen Know-hows hat mindestens jeder sechste Mensch auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben Tausende von Menschen - die meisten davon Kinder - an Krankheiten, die durch eine bessere Wasserversorgung zu vermeiden wären.
Nicht nur das Wasser wird langsam rar, auch das Erdöl könnte laut internationaler Energieagentur (IEA) in zehn Jahren das Fördermaximum erreicht haben. Annie Leonard spricht den Ressourcenfluch an, also das Paradoxon, dass Einheimische und die örtliche Wirtschaft trotz Bodenschätzen leiden, und den Kürzeren ziehen: Zum Beispiel Sierra Leone und seine Diamanten, Öl aus Nigeria und Kongos Coltan, das zum Beispiel in jedem Handy oder MP3-Player enthalten ist.
Die täglichen Giftstoffe
Wir bringen nicht nur einen Gehaltsscheck, sondern auch Asbestose und Silikose - also Lungenkrankheiten nach Hause, heißt es in einem von Annie Leonards Lieblingsliedern im Kapitel Produktion. In diesem Abschnitt des Buches wimmelt es nur so von Giftstoffen wie PVC, Quecksilber und Blei, mit denen wir alle uns Tag täglich umgeben.
In der EU kontrolliert zum Beispiel die REACH-Verordnung, ob Unternehmen nur unbedenkliche Chemikalien verwenden. Sie berücksichtigt allerdings nicht, ob mehrere toxische Chemikalien in Kombination schädlich wirken.Leonard appelliert hier an ökologisches und durchdachtes Design. Folgende Aussage könnte für das ganze Buch stehen.
Winzige Veränderungen können sehr wohl Unterschiede bewirken, wenn sie Millionen von Konsumprodukten betreffen. Dem Stecker am Handyladegerät eine neue Form zu geben, ist eine scheinbar kleine Sache. Doch die Vertreter der Mobilfunkindustrie erwarten, dass sich die Produktion von Ladegeräten halbieren wird. Das wiederum könnte den Ausstoß von Treibhausgasen, die bei Herstellung und Transport der Geräte anfallen, um mindestens 10 bis 20 Tonnen pro Jahr verringern.
99 Prozent entsorgt
"Inventar hat die Lebensdauer von Kopfsalat", hat der Gründer der PC-Firma Dell einmal gesagt. In den USA ist tatsächlich sechs Monate nach dem Kauf nur noch ein Prozent der Sachen in Verwendung. Das heißt 99 Prozent der Dinge, die geerntet, abgebaut, verarbeitet, transportiert und verkauft werden, sind nach einem halben Jahr Müll.
Wenn Leonard von ihren Erlebnissen erzählt, führt sie anhand fast banaler Beispiele vor Augen, woher ihr Engagement kommt.
Manchmal denke ich, der Wohlstand stumpft die Vorstellungskraft der Besitzenden ab. Bei einem ganztägigen Meeting wandte ich mich der Frau zu, die neben mir saß, und die viele Jahre in Haiti verbracht hatte. Ich sagte, ohne nachzudenken: "Ich hoffe wir sind hier bald fertig, ich bin am Verhungern." Sie drehte sich zu mir und erinnerte mich sanft: "Meine Liebe, Sie sind nicht am Verhungern."
Durchdachte Kritik
Im Kapitel Entsorgung schreibt Leonard über das zu positive Image von Recycling, und macht sich für "erweiterte Herstellerverantwortung" stark: ein Konzept, bei dem die Hersteller von Produkten für den gesamten Zyklus - also auch für die Entsorgung - verantwortlich sind.
Annie Leonard zeigt sich in ihrem Buch nicht nur missionarisch, sondern auch ein bisschen ironisch.
Okay, ich werde es jetzt sagen: Die Kritik des Wirtschaftswachstums ist eine Kritik am kapitalistischen System, so wie es heute auf dieser Welt funktioniert. Jetzt ist es heraus, ich habe das Wort gesagt: Kapitalismus. Es ist das "Wirtschaftssystem-das-nicht-genannt-werden-darf".
In "Story of Stuff", das sich als ein Mix aus einem Ökonomie-Skriptum, Umweltengagement und Annie Leonards Assoziationen liest, übt Leonard natürlich Kritik am Kapitalismus und am System. Aber: nicht blind, sondern durch ihre Reiseberichte, auf kluge und authentische Weise. Viele Zahlen und Fakten - erschreckende Zahlen und Fakten - lassen einem den Kopf brummen. Durch ihre lebensnahen Beispiele und Tipps im Epilog schafft es Leonard, dass man seinen eigenen - mehr oder eher weniger - umweltfreundlichen Lebensstil hinterfragt.
Leonard selbst lebt in einer Art Gemeinschaftssiedlung: Neben der Fahrgemeinschaft mit ihren Nachbarn tauscht oder teilt sie zum Beispiel Verpflegung, Kleidung und Bücher mit ihnen. Hippie oder Vorbild? Man kann seinem Nachbar ja zuerst einmal "The Story of Stuff" borgen.
Aus Rohstoffen wird Abfall
Das "Time Magazin" ernannte sie 2008 zur "Umweltheldin", konservative Kritiker bezeichnen sie als "Marx mit Pferdeschwanz": Annie Leonard beschreibt in ihrem Buch "The Story of Stuff" bildhaft, wie sich Rohstoffe in Komsumgüter verwandeln, und am Ende daraus "Stuff", also Müll wird - viel zu viel Müll.
Auch in einem Kurzfilm auf ihrer Website, der mit schwarzweißen Strichmaxerln animiert ist, erklärt sie energisch, welche Probleme es gibt. Und warnt, dass unser derzeitiger Bedarf an Ressourcen die Kapazität der Erde um das Eineinhalbfache übersteigt.
"Uns gehen die Rohstoffe aus, wir verbrauchen zu viel", heißt es in Leonards Kurzfilm. "Allein in den letzten drei Jahrzehnten wurde ein Drittel der weltweit vorhandenen Rohstoffe verbraucht. Wir in den USA verbrauchen nicht nur zu viel, sondern mehr als uns im Vergleich zusteht. Die USA machen fünf Prozent der Weltbevölkerung aus, haben aber einen Anteil von 30 Prozent am Verbrauch der Ressourcen und an der Abfallproduktion. Wäre der Verbrauch überall so hoch wie in den USA, bräuchten wir drei bis fünf Planeten."
Wirtschaftlicher Schaden
Laut der EU-Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" ist der Schaden, der der Wirtschaft durch das Abholzen der Wälder entsteht, viel größer als die Verluste durch die aktuelle Finanzkrise.
Kein Wunder, wenn man sich vorstellt, dass allein die Amerikaner pro Jahr so viel Papier verbrauchen, dass man damit eine drei Meter hohe Mauer von New York bis nach Tokio bauen könnte.
Umgang mit Wasser und Öl
Annie Leonard wirft viel mit Zahlen um sich, bringt sie aber immer in Relation. Für die Baumwolle eines T-Shirts braucht man beispielsweise 970 Liter Wasser. Bedenklich, wenn der "Economist" Wasser das "Öl des 21. Jahrhunderts" nennt. Als einen möglichen Lösungsansatz sieht Leonard hier den "Wasser-Fußabdruck", mit dem man seinen Wasserverbrauch beziehungsweise seine Verschwendung berechnen kann, um dann sorgfältiger damit umzugehen.
Trotz all unseres technischen Know-hows hat mindestens jeder sechste Mensch auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben Tausende von Menschen - die meisten davon Kinder - an Krankheiten, die durch eine bessere Wasserversorgung zu vermeiden wären.
Nicht nur das Wasser wird langsam rar, auch das Erdöl könnte laut internationaler Energieagentur (IEA) in zehn Jahren das Fördermaximum erreicht haben. Annie Leonard spricht den Ressourcenfluch an, also das Paradoxon, dass Einheimische und die örtliche Wirtschaft trotz Bodenschätzen leiden, und den Kürzeren ziehen: Zum Beispiel Sierra Leone und seine Diamanten, Öl aus Nigeria und Kongos Coltan, das zum Beispiel in jedem Handy oder MP3-Player enthalten ist.
Die täglichen Giftstoffe
Wir bringen nicht nur einen Gehaltsscheck, sondern auch Asbestose und Silikose - also Lungenkrankheiten nach Hause, heißt es in einem von Annie Leonards Lieblingsliedern im Kapitel Produktion. In diesem Abschnitt des Buches wimmelt es nur so von Giftstoffen wie PVC, Quecksilber und Blei, mit denen wir alle uns Tag täglich umgeben.
In der EU kontrolliert zum Beispiel die REACH-Verordnung, ob Unternehmen nur unbedenkliche Chemikalien verwenden. Sie berücksichtigt allerdings nicht, ob mehrere toxische Chemikalien in Kombination schädlich wirken.Leonard appelliert hier an ökologisches und durchdachtes Design. Folgende Aussage könnte für das ganze Buch stehen.
Winzige Veränderungen können sehr wohl Unterschiede bewirken, wenn sie Millionen von Konsumprodukten betreffen. Dem Stecker am Handyladegerät eine neue Form zu geben, ist eine scheinbar kleine Sache. Doch die Vertreter der Mobilfunkindustrie erwarten, dass sich die Produktion von Ladegeräten halbieren wird. Das wiederum könnte den Ausstoß von Treibhausgasen, die bei Herstellung und Transport der Geräte anfallen, um mindestens 10 bis 20 Tonnen pro Jahr verringern.
99 Prozent entsorgt
"Inventar hat die Lebensdauer von Kopfsalat", hat der Gründer der PC-Firma Dell einmal gesagt. In den USA ist tatsächlich sechs Monate nach dem Kauf nur noch ein Prozent der Sachen in Verwendung. Das heißt 99 Prozent der Dinge, die geerntet, abgebaut, verarbeitet, transportiert und verkauft werden, sind nach einem halben Jahr Müll.
Wenn Leonard von ihren Erlebnissen erzählt, führt sie anhand fast banaler Beispiele vor Augen, woher ihr Engagement kommt.
Manchmal denke ich, der Wohlstand stumpft die Vorstellungskraft der Besitzenden ab. Bei einem ganztägigen Meeting wandte ich mich der Frau zu, die neben mir saß, und die viele Jahre in Haiti verbracht hatte. Ich sagte, ohne nachzudenken: "Ich hoffe wir sind hier bald fertig, ich bin am Verhungern." Sie drehte sich zu mir und erinnerte mich sanft: "Meine Liebe, Sie sind nicht am Verhungern."
Durchdachte Kritik
Im Kapitel Entsorgung schreibt Leonard über das zu positive Image von Recycling, und macht sich für "erweiterte Herstellerverantwortung" stark: ein Konzept, bei dem die Hersteller von Produkten für den gesamten Zyklus - also auch für die Entsorgung - verantwortlich sind.
Annie Leonard zeigt sich in ihrem Buch nicht nur missionarisch, sondern auch ein bisschen ironisch.
Okay, ich werde es jetzt sagen: Die Kritik des Wirtschaftswachstums ist eine Kritik am kapitalistischen System, so wie es heute auf dieser Welt funktioniert. Jetzt ist es heraus, ich habe das Wort gesagt: Kapitalismus. Es ist das "Wirtschaftssystem-das-nicht-genannt-werden-darf".
In "Story of Stuff", das sich als ein Mix aus einem Ökonomie-Skriptum, Umweltengagement und Annie Leonards Assoziationen liest, übt Leonard natürlich Kritik am Kapitalismus und am System. Aber: nicht blind, sondern durch ihre Reiseberichte, auf kluge und authentische Weise. Viele Zahlen und Fakten - erschreckende Zahlen und Fakten - lassen einem den Kopf brummen. Durch ihre lebensnahen Beispiele und Tipps im Epilog schafft es Leonard, dass man seinen eigenen - mehr oder eher weniger - umweltfreundlichen Lebensstil hinterfragt.
Leonard selbst lebt in einer Art Gemeinschaftssiedlung: Neben der Fahrgemeinschaft mit ihren Nachbarn tauscht oder teilt sie zum Beispiel Verpflegung, Kleidung und Bücher mit ihnen. Hippie oder Vorbild? Man kann seinem Nachbar ja zuerst einmal "The Story of Stuff" borgen.
Dienstag, 13. Juli 2010
Subprime
Der Ausweg schien in der besseren Verteilung des Risikos zu liegen: Also schnürten die Hypothekenbanken die Immobilienkredite zu Paketen, lagerten sie in sogenannten Zweckgesellschaften aus und verkauften die aus den Krediten resultierenden Zahlungsansprüche als vergleichsweise gut verzinste Anleihen an andere Banken. Damit wurde Eigenkapital frei für zusätzliche Geschäfte. Vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder andere Banken kauften diese sogenannten forderungsbesicherten Wertpapiere (auf Englisch Asset Backed Securities oder kurz ABS), um ihre Rendite in Zeiten niedriger Zinsen zu verbessern. Daraus entwickelte sich schnell ein florierender Markt.
Einige Händler an der Wall Street erkannten die Möglichkeiten und entwickelten neue Formen, indem sie die Forderungen in unterschiedlich riskante Tranchen zerlegten, um ihren Kunden je nach Risikoneigung passende Wertpapiere anbieten zu können. Andere gingen noch einen Schritt weiter: Immobilien-Darlehen wurden mit anderen Forderungen wie Auto- und Konsumentenkrediten oder Kreditkartenforderungen vermischt und erneut nach Risikoklassen aufgeteilt. Diese Papiere werden als CDOs (Collateralized Debt Obligations) bezeichnet. Die Produkte wurden im Laufe der Jahre immer komplexer und damit ihr Risiko schwerer zu beurteilen. Gleichzeitig wuchs dieser Markt auf Ende 2007 weltweit über eine Billionen Dollar. Auch die Rating-Agenturen, die die Bonität der ausgegebenen Papiere bewerten sollten, stehen in der Kritik: Viele mit guten Rating-Noten beurteilte Wertpapiere erwiesen sich als weniger werthaltig, als von den Rating-Agenturen versprochen. Kritisiert wurde, dass die Agenturen von den Banken für ihre Dienstleistung bezahlt wurden und sie den Informationen der Banken über den Inhalt der CDOs zu sehr vertraut haben. Ende 2007 stellte sich heraus, dass viele Ratings wohl zu optimistisch ausgefallen sind.
Einige Händler an der Wall Street erkannten die Möglichkeiten und entwickelten neue Formen, indem sie die Forderungen in unterschiedlich riskante Tranchen zerlegten, um ihren Kunden je nach Risikoneigung passende Wertpapiere anbieten zu können. Andere gingen noch einen Schritt weiter: Immobilien-Darlehen wurden mit anderen Forderungen wie Auto- und Konsumentenkrediten oder Kreditkartenforderungen vermischt und erneut nach Risikoklassen aufgeteilt. Diese Papiere werden als CDOs (Collateralized Debt Obligations) bezeichnet. Die Produkte wurden im Laufe der Jahre immer komplexer und damit ihr Risiko schwerer zu beurteilen. Gleichzeitig wuchs dieser Markt auf Ende 2007 weltweit über eine Billionen Dollar. Auch die Rating-Agenturen, die die Bonität der ausgegebenen Papiere bewerten sollten, stehen in der Kritik: Viele mit guten Rating-Noten beurteilte Wertpapiere erwiesen sich als weniger werthaltig, als von den Rating-Agenturen versprochen. Kritisiert wurde, dass die Agenturen von den Banken für ihre Dienstleistung bezahlt wurden und sie den Informationen der Banken über den Inhalt der CDOs zu sehr vertraut haben. Ende 2007 stellte sich heraus, dass viele Ratings wohl zu optimistisch ausgefallen sind.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Emotionstheorie
In einem zweiten Interessenschwerpunkt hat sich Gessner besonders auf die Theorie der Emotionen konzentriert. Seine Erkenntnisse zum Primat der Kognition in Emotionen hat er in der Monographie «Die kognitive Emergenz von Emotionen» (Mentis, 2004) dargelegt. Seit 2005 hat er ein von der Hasler Stiftung finanziertes Forschungs- und Entwicklungsprojekt zu «Emotionalen Agenten» geleitet, das sich mit der Übertragung der Auslösebedingungen von Emotionen und der abhängigen Dimensionen in Emotionen (Mimik, Gestik, Handlungen, Sprechhandlungen) auf menschenähnliche Roboter (Androiden) beschäftigt.
Momentan konzentriert sich sein Interesse auf die Logik mentaler Ereignisse und auf mentale Modelle als Heuristiken zur Analyse der wesentlichen Komponenten von Subjektivität, Perspektivität und Personalität in kommunikativen und kooperativen Interaktionen. Diese Forschungsansätze werden in die Rekonstruktion mentaler Zustände in Androiden eingebracht werden, um deren Möglichkeiten und Kompetenzen zur elaborierteren Interaktion und Kommunikation mit Menschen zukünftig zu verbessern.
Momentan konzentriert sich sein Interesse auf die Logik mentaler Ereignisse und auf mentale Modelle als Heuristiken zur Analyse der wesentlichen Komponenten von Subjektivität, Perspektivität und Personalität in kommunikativen und kooperativen Interaktionen. Diese Forschungsansätze werden in die Rekonstruktion mentaler Zustände in Androiden eingebracht werden, um deren Möglichkeiten und Kompetenzen zur elaborierteren Interaktion und Kommunikation mit Menschen zukünftig zu verbessern.
Sonntag, 4. Juli 2010
Michaela Amering - RECOVERY
In Ihrem Buch „Recovery“ plädieren Sie dafür, nie die Hoffnung aufzugeben. Bedeutet das nicht auch, Illusionen zu schüren?
Michaela Amering: Im Gegenteil! Es herrscht in der Ärzteschaft so etwas wie eine Angst vor der falschen Hoffnung: davor, dass die Patienten sich zu viel erwarten und im Verlauf der Krankheit enttäuscht werden könnten. Wobei Hoffnung für mich eben nicht heißt, dass man sich auf ein konkretes Szenario festlegt. Es bedeutet nicht, sich vorzunehmen: In einem Monat bin ich geheilt. Oder: In einem halben Jahr werde ich wieder meinen Beruf ausüben können. Andererseits bedeutet es aber auch nicht zu sagen: In zwei Monaten werde ich nicht mehr leben. Hoffnung bedeutet, offen zu sein für das, was kommt.
Diese Offenheit vermissen Sie vor allem, wenn es um die Psychiatrie geht.
Sogar viele Mediziner nehmen noch immer an, dass Schizophrenie unheilbar ist! Aber das entspricht einfach nicht den Tatsachen. Als Ergebnis dieses verbreiteten Irrtums glauben manche Patienten, sie müssten mit dem Erhalt der Diagnose alle Sehnsüchte und Träume fahren lassen. Die Leute stellen sich die psychische Gesundheit fälschlicherweise vor wie ein Gummiringerl: Wenn man daran zerrt und zerrt, dann reißt es irgendwann, dann hat man den Verstand verloren und das wird nie wieder heil. Das kann ungeheuer belastend sein und gibt einem das Gefühl, dass man sich enorm zusammenreißen muss, man darf es ja nicht so weit kommen lassen! Da tut es gut, Menschen zu treffen, die „Verrücktheit“ erlebt haben und bei vollem Verstand davon erzählen. John Nash, der Mathematiker und Nobelpreisträger, von dessen Leben und Schizophrenie der Film „A Beautiful Mind“ handelt, hat gesagt: Es gibt einen Weg rein in die Psychose und es gibt einen Weg raus aus der Psychose.
In Ihrem Buch geht es auch um Menschen, die besser als andere mit traumatischen Situationen umgehen können.
Wir nennen diese Fähigkeit Resilienz. Man fragt sich ja immer, warum manche Menschen zum Beispiel eine Kindheit mit Gewalterfahrung unbeschadet überstehen – oder als Erwachsene tiefe Krisen meistern können. Manche Punkte sind sehr einfach: Ein ruhiges Temperament ist günstig, Intelligenz, auch Attraktivität, wobei man nicht genau weiß, auf welchem Wege sie dazu beiträgt. Extraversion hilft. Aber vor allem andere Menschen, die solidarisch und unterstützend sind und die an einen glauben. Wichtig ist die Bindung in den ersten Lebensjahren. Außerdem die Fähigkeit, sich nicht falsch zu vergleichen.
Das spielt auch in der Glücksforschung eine wichtige Rolle – dieses Schielen auf das, was die anderen haben, der soziale Neid.
Das Problem beginnt dort, wo man nicht die eigene Gruppe als Maßstab nimmt: Das macht vielen das Leben schwer. Nur wenn man sich richtig vergleicht, also mit Menschen, die unter ähnlichen Bedingungen leben und ähnliche Voraussetzungen haben, wird die eigene Leistung auch sichtbar! Der Vergleich an sich ist nichts Schlechtes. Wer aufhört zu vergleichen, hat oft resigniert: Wir sehen immer wieder Patienten, die unter miserablen Bedingungen leben, das aber als normal betrachten, weil sie aufgehört haben, die Normalität als Möglichkeit und Maßstab zu sehen. Auch das kann eine Gefahr sein.
Sie setzen sich sehr für Selbsthilfegruppen ein. Was können Ärzte von ihnen lernen?
Ich habe immer wieder Institutionen besucht, die von Betroffenen selbst geleitet wurden. Sie sind meist sehr konsequent, wenn es darum geht, jene Situationen und Momente aufzuspüren, in denen ein Patient für sich selbst einstehen kann, in denen er wieder die Verantwortung übernehmen kann. Das würden wir klassischen Therapeuten uns zum Teil gar nicht trauen! Die Selbsthilfegruppen nennen das die Würde des Risikos und das Recht, Fehler zu machen. Im Übrigen zeigt sich, dass resiliente Menschen oft sehr früh in ihrem Leben Verantwortung tragen mussten. Verantwortung zu tragen hilft.
Fordern wir unsere Kinder zu wenig?
Das kann ich nicht beobachten. Für Kinder ist wichtig, dass sie in möglichst vielen Feldern Erfahrungen sammeln können, gerade für Kinder, die es im Elternhaus schwer haben: Sie sollen sich an andere Erwachsene wenden können, die sie stärken, das können Lehrer sein, Verwandte, Nachbarn. Natürlich muss man Kinder ihre eigenen Fehler machen lassen – aber man muss auch für sie da sein, wenn es nicht geklappt hat.
Michaela Amering: Im Gegenteil! Es herrscht in der Ärzteschaft so etwas wie eine Angst vor der falschen Hoffnung: davor, dass die Patienten sich zu viel erwarten und im Verlauf der Krankheit enttäuscht werden könnten. Wobei Hoffnung für mich eben nicht heißt, dass man sich auf ein konkretes Szenario festlegt. Es bedeutet nicht, sich vorzunehmen: In einem Monat bin ich geheilt. Oder: In einem halben Jahr werde ich wieder meinen Beruf ausüben können. Andererseits bedeutet es aber auch nicht zu sagen: In zwei Monaten werde ich nicht mehr leben. Hoffnung bedeutet, offen zu sein für das, was kommt.
Diese Offenheit vermissen Sie vor allem, wenn es um die Psychiatrie geht.
Sogar viele Mediziner nehmen noch immer an, dass Schizophrenie unheilbar ist! Aber das entspricht einfach nicht den Tatsachen. Als Ergebnis dieses verbreiteten Irrtums glauben manche Patienten, sie müssten mit dem Erhalt der Diagnose alle Sehnsüchte und Träume fahren lassen. Die Leute stellen sich die psychische Gesundheit fälschlicherweise vor wie ein Gummiringerl: Wenn man daran zerrt und zerrt, dann reißt es irgendwann, dann hat man den Verstand verloren und das wird nie wieder heil. Das kann ungeheuer belastend sein und gibt einem das Gefühl, dass man sich enorm zusammenreißen muss, man darf es ja nicht so weit kommen lassen! Da tut es gut, Menschen zu treffen, die „Verrücktheit“ erlebt haben und bei vollem Verstand davon erzählen. John Nash, der Mathematiker und Nobelpreisträger, von dessen Leben und Schizophrenie der Film „A Beautiful Mind“ handelt, hat gesagt: Es gibt einen Weg rein in die Psychose und es gibt einen Weg raus aus der Psychose.
In Ihrem Buch geht es auch um Menschen, die besser als andere mit traumatischen Situationen umgehen können.
Wir nennen diese Fähigkeit Resilienz. Man fragt sich ja immer, warum manche Menschen zum Beispiel eine Kindheit mit Gewalterfahrung unbeschadet überstehen – oder als Erwachsene tiefe Krisen meistern können. Manche Punkte sind sehr einfach: Ein ruhiges Temperament ist günstig, Intelligenz, auch Attraktivität, wobei man nicht genau weiß, auf welchem Wege sie dazu beiträgt. Extraversion hilft. Aber vor allem andere Menschen, die solidarisch und unterstützend sind und die an einen glauben. Wichtig ist die Bindung in den ersten Lebensjahren. Außerdem die Fähigkeit, sich nicht falsch zu vergleichen.
Das spielt auch in der Glücksforschung eine wichtige Rolle – dieses Schielen auf das, was die anderen haben, der soziale Neid.
Das Problem beginnt dort, wo man nicht die eigene Gruppe als Maßstab nimmt: Das macht vielen das Leben schwer. Nur wenn man sich richtig vergleicht, also mit Menschen, die unter ähnlichen Bedingungen leben und ähnliche Voraussetzungen haben, wird die eigene Leistung auch sichtbar! Der Vergleich an sich ist nichts Schlechtes. Wer aufhört zu vergleichen, hat oft resigniert: Wir sehen immer wieder Patienten, die unter miserablen Bedingungen leben, das aber als normal betrachten, weil sie aufgehört haben, die Normalität als Möglichkeit und Maßstab zu sehen. Auch das kann eine Gefahr sein.
Sie setzen sich sehr für Selbsthilfegruppen ein. Was können Ärzte von ihnen lernen?
Ich habe immer wieder Institutionen besucht, die von Betroffenen selbst geleitet wurden. Sie sind meist sehr konsequent, wenn es darum geht, jene Situationen und Momente aufzuspüren, in denen ein Patient für sich selbst einstehen kann, in denen er wieder die Verantwortung übernehmen kann. Das würden wir klassischen Therapeuten uns zum Teil gar nicht trauen! Die Selbsthilfegruppen nennen das die Würde des Risikos und das Recht, Fehler zu machen. Im Übrigen zeigt sich, dass resiliente Menschen oft sehr früh in ihrem Leben Verantwortung tragen mussten. Verantwortung zu tragen hilft.
Fordern wir unsere Kinder zu wenig?
Das kann ich nicht beobachten. Für Kinder ist wichtig, dass sie in möglichst vielen Feldern Erfahrungen sammeln können, gerade für Kinder, die es im Elternhaus schwer haben: Sie sollen sich an andere Erwachsene wenden können, die sie stärken, das können Lehrer sein, Verwandte, Nachbarn. Natürlich muss man Kinder ihre eigenen Fehler machen lassen – aber man muss auch für sie da sein, wenn es nicht geklappt hat.
Freitag, 2. Juli 2010
■Josef Winkler
Ein Wort des Bedauerns bringt der begünstigte Villacher Steuerberater sicher nicht über die Lippen, das kann man allein schon am Klang seiner Worte ablesen, denn er hat die Höhe dieses Honorars damals mit den hochnäsigen und die Steuer zahlende Bevölkerung verhöhnenden Worten begründet: „Es waren zwei arbeitsintensive Monate!“
Ist wahrscheinlich eh besser, dass der die Papp'n hält, das Geld hat er ja, was braucht er denn mehr, und den Enkelkindern wird's auch nicht schaden, er selber kann's eh nicht verbrauchen! Zuerst hätten es, wie man weiß, das steht jeden Tag in den Zeitungen, und man muss es gebetsmühlenartig wiederholen, zuerst hätten es also zwölf Millionen Euro sein sollen, dann hat man sich das schlechte röm.-kath. Gewissen, das „Patriotenrabatt“ genannt wurde, großzügigerweise über Nacht, nachdem der Herr wohl zehnmal durch einen Beichtstuhl aus Luft gegangen ist, sechs Millionen Euro kosten lassen. Der großzügige Kärntner-Anzug-Träger hat also nur mehr sechs Millionen Euro aus Landesvermögen in seine Brieftasche eingesackelt für dieses Sechs-Seiten-Papier, er hat also anstandshalber sechs Millionen Euro im Beichtstuhl verloren, wir sind gerührt, zu Tränen.
Dämonische Allianz
Unsere Kinder, die vielleicht in zehn oder fünfzehn Jahren eine Arbeit bekommen, werden die Steuern nicht mehr für ihre eigene zukünftige Vorsorge einzahlen, sondern sie werden mit ihrer Arbeit – falls sie überhaupt eine bekommen – abzahlen müssen, was in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten von ein paar Kapitalverbrechern, Wirtschaftsdämonen und von korrupten Politikern angerichtet worden ist. Oder gilt vielleicht für die dämonische und das Land und also auch die Zukunft unserer Kinder ruinierenden Allianz von Kapitalschwerverbrechern, Wirtschaftsteufeln und korrumpierbaren, einen goldenen Mastdarm als Himmels-Schlüpfer benutzenden Politikern, die Unschuldsvermutung?
Leben und Werk
Ist wahrscheinlich eh besser, dass der die Papp'n hält, das Geld hat er ja, was braucht er denn mehr, und den Enkelkindern wird's auch nicht schaden, er selber kann's eh nicht verbrauchen! Zuerst hätten es, wie man weiß, das steht jeden Tag in den Zeitungen, und man muss es gebetsmühlenartig wiederholen, zuerst hätten es also zwölf Millionen Euro sein sollen, dann hat man sich das schlechte röm.-kath. Gewissen, das „Patriotenrabatt“ genannt wurde, großzügigerweise über Nacht, nachdem der Herr wohl zehnmal durch einen Beichtstuhl aus Luft gegangen ist, sechs Millionen Euro kosten lassen. Der großzügige Kärntner-Anzug-Träger hat also nur mehr sechs Millionen Euro aus Landesvermögen in seine Brieftasche eingesackelt für dieses Sechs-Seiten-Papier, er hat also anstandshalber sechs Millionen Euro im Beichtstuhl verloren, wir sind gerührt, zu Tränen.
Dämonische Allianz
Unsere Kinder, die vielleicht in zehn oder fünfzehn Jahren eine Arbeit bekommen, werden die Steuern nicht mehr für ihre eigene zukünftige Vorsorge einzahlen, sondern sie werden mit ihrer Arbeit – falls sie überhaupt eine bekommen – abzahlen müssen, was in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten von ein paar Kapitalverbrechern, Wirtschaftsdämonen und von korrupten Politikern angerichtet worden ist. Oder gilt vielleicht für die dämonische und das Land und also auch die Zukunft unserer Kinder ruinierenden Allianz von Kapitalschwerverbrechern, Wirtschaftsteufeln und korrumpierbaren, einen goldenen Mastdarm als Himmels-Schlüpfer benutzenden Politikern, die Unschuldsvermutung?
Leben und Werk
Abonnieren
Posts (Atom)
