Schickt man etwa aus Österreich via Western Union 85 Euro, bleiben nach Bezahlung der Gebühr 67,5 Euro, davon werden aber auch noch die Konvertierungskosten von Währungen abgezogen. Die Spesen bleiben beim Geldüberbringer.
Das Geschäft kann sich sehen lassen. Bei jährlichen Transaktionen von privaten Verbrauchern mit einem weltweiten Volumen von 71 Milliarden Dollar wie bei dem Marktführer Western Union wird ein Gewinn von über fünf Milliarden Dollar erzielt.
Mehr Filialen als McDonalds
Allerdings funktioniert dieses System vor allem dort, wo es keine anderen Alternativen gibt. Je besser sich Mitspieler auf dem Markt wie etwa Banken vernetzen, desto eher werden sie überflüssig. Noch gibt es aber ausreichend Länder und Regionen, wo weite Teile der Bevölkerung keine Bankverbindungen haben. Western Union ist mit über 400.000 Zahlstellen dafür breit vertreten. Der Konkurrent MoneyGram verfügt über die Hälfte. Das ist immer noch mehr als dreimal so viel wie McDonalds weltweit mit Filialen vertreten ist – rund 31.000.
In Österreich gibt es für den Geldtransfermarkt eine Zielgruppe von rund 1,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund laut Western Union. Das Unternehmen ist hier mit 2.900 Vertriebsstandorten vertreten und kooperiert dabei auch mit Banken. Im Schnitt transferieren Kunden in Österreich 300 Euro. In Deutschland soll das Netzwerk laut „Handelsblatt“ durch Vertriebskanäle in polnischen und russischen Supermärkten, Callshops und Internetcafes erweitert werden.
Konkurrenz wächst
In Österreich bieten etwa die türkischen Banken Deniz und Vakif vergünstigte Konditionen an. In Deutschland will die Targobank mit der türkischen Akbank spezielle Angebote für türkische Einwanderer machen. Überweisungen können durch die Kooperation kostenlos durchgeführt werden, berichtete das „Handelsblatt“. Besondere Konditionen für türkische Migranten bietet bereits die Deutsche Bank mit der Hypovereinsbank unter den Namen Bankamiz und Yapi Corners, allerdings nicht länderübergreifend, wie im Fall der Targobank.
Dienstag, 31. August 2010
Sonntag, 29. August 2010
Sonntag, 22. August 2010
HBM
Exposé
1. Was ist der zentrale Aspekt des Artikels, den Sie uns anbieten?
2. Was ist daran neu und überraschend?
3. Haben Sie systematisch untersucht - am besten in Form einer repräsentativen Studie -, ob Ihr Ansatz den Unternehmenserfolg erhöht? (Falls nein, weiter mit Frage 6)
4. Falls ja:
a) Wie viele Menschen haben Sie befragt?
b) Wie viele haben geantwortet?
c) Wer wurde befragt?
d) Wann fand die Befragung statt?
e) Wie haben Sie gefragt - per Fragebogen, Gespräch, online etc.?
f) Ist Ihre Befragung repräsentativ?
5. Fassen Sie bitte die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Studie zusammen.
6. Welche Handlungsempfehlungen für das Management geben Sie?
7. Mit welchen Unternehmensbeispielen/ Best-Practice-Beispielen wollen Sie Ihren Beitrag illustrieren? (Bitte Firmennamen nennen.)
8. Skizzieren Sie bitte die einzelnen Fallbeispiele. Zum Beispiel: "Die Lufthansa gilt als vorbildlich, was die Nachfolgeplanung für den CEO angeht. Kandidaten werden typischerweise innerhalb des Unternehmens entwickelt; der Vorstandsvorsitzende sucht sich diskret zwei Manager aus, die ihr Potenzial bewiesen haben" (siehe Harvard Business Manager, März 2009, "Den Chefwechsel richtig planen" von Michael Leitl).
9. Fassen Sie Ihren Beitrag bitte so zusammen, dass sowohl These als auch Argumentation und Gliederung klar erkennbar sind. An dieser Stelle können Sie auch die wichtigsten Grafiken oder Tabellen einfügen.
10. Beschreiben Sie bitte kurz Ihre wissenschaftliche oder praktische Karriere sowie Ihre aktuelle berufliche Position, und schildern Sie, inwieweit Ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit Ihrem Beitrag stehen.
Ausschlusskriterien
Wir freuen uns über jedes angebotene Thema. Doch nicht jeder Artikel passt zum Harvard Business Manager.
1. Was ist der zentrale Aspekt des Artikels, den Sie uns anbieten?
2. Was ist daran neu und überraschend?
3. Haben Sie systematisch untersucht - am besten in Form einer repräsentativen Studie -, ob Ihr Ansatz den Unternehmenserfolg erhöht? (Falls nein, weiter mit Frage 6)
4. Falls ja:
a) Wie viele Menschen haben Sie befragt?
b) Wie viele haben geantwortet?
c) Wer wurde befragt?
d) Wann fand die Befragung statt?
e) Wie haben Sie gefragt - per Fragebogen, Gespräch, online etc.?
f) Ist Ihre Befragung repräsentativ?
5. Fassen Sie bitte die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Studie zusammen.
6. Welche Handlungsempfehlungen für das Management geben Sie?
7. Mit welchen Unternehmensbeispielen/ Best-Practice-Beispielen wollen Sie Ihren Beitrag illustrieren? (Bitte Firmennamen nennen.)
8. Skizzieren Sie bitte die einzelnen Fallbeispiele. Zum Beispiel: "Die Lufthansa gilt als vorbildlich, was die Nachfolgeplanung für den CEO angeht. Kandidaten werden typischerweise innerhalb des Unternehmens entwickelt; der Vorstandsvorsitzende sucht sich diskret zwei Manager aus, die ihr Potenzial bewiesen haben" (siehe Harvard Business Manager, März 2009, "Den Chefwechsel richtig planen" von Michael Leitl).
9. Fassen Sie Ihren Beitrag bitte so zusammen, dass sowohl These als auch Argumentation und Gliederung klar erkennbar sind. An dieser Stelle können Sie auch die wichtigsten Grafiken oder Tabellen einfügen.
10. Beschreiben Sie bitte kurz Ihre wissenschaftliche oder praktische Karriere sowie Ihre aktuelle berufliche Position, und schildern Sie, inwieweit Ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit Ihrem Beitrag stehen.
Ausschlusskriterien
Wir freuen uns über jedes angebotene Thema. Doch nicht jeder Artikel passt zum Harvard Business Manager.
Freitag, 20. August 2010
Dubiose Helfer
Helfer und Täter
Was Linda Polman zu erzählen hat, ist teils tragisch, teils skandalös. Die Tragik des professionellen Helfens liegt darin, dass das Helfen - vornehm ausgedrückt - etwas kostet. Gewalt, Korruption und Skrupellosigkeit, auf die man in den Einsatzgebieten trifft, bedingen das Zahlen von Schutzgeldern, von Schmiergeld oder das Abtreten von bis zu achtzig Prozent der Hilfsgüter an lokale Warlords, die damit die Kriegsökonomie ohne eigenes Investment ins Laufen bringen.
Die Helfer helfen also den Tätern, weil sie sonst nicht an die Flüchtlinge und Kriegsopfer herankommen. Manche Hilfsorganisationen gehen, um sich ihr Territorium zu sichern, sogar so weit, mit ihren Hilfstransporten Waffen zu schmuggeln oder einzelnen Warlords ihre gesamte Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Inszenierte Betroffenheit
Das Helfer Tätern helfen, ist schon skandalös genug. Wirklich ekelhaft wird es dann, wenn die Not von Menschen dafür benutzt wird, um den Bestand der Hilfsorganisationen zu rechtfertigen und den Geldfluss nicht versiegen zu lassen.
Zu diesem Zweck werden etwa verstümmelte Kinder als sogenannte "Donor Darlings" wie früher in Freak-Shows vorgeführt. Etwa in der Show der amerikanischen Talkmasterin Oprah Winfrey. "Damba war neu Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter Fina amputiert wurde, jede einen ganzen Arm", schildert Polman einen besonderen Fall. Eine Hilfsorganisation brachte das Mädchen aus Sierra Leone in die USA, die Mutter erhielt 100 Dollar, dann hörte sie nichts mehr von ihrer Tochter.
Damba, inzwischen 16 Jahre alt, war von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert worden und besucht die High School. Oprah möchte wissen, ob sie wohl noch an ihre Mutter denkt. "Ja", sagt Damba. Nun, dann hätte Oprah eine Überraschung. "Hier ist deine sierra-leonische Mutter!"
Oprahs Publikum springt jubelnd, weinend und applaudierend von den Sitzen auf. Erschrocken kommt Fina, die Mutter, aus den Kulissen zum Vorschein. Sie trägt ein neues Kleid, auch ihre Prothese ist neu, aber sie wirkt dünn und krumm neben all diesen riesigen Amerikanerinnen. "Wir haben für deine Mutter ein Visum für ein paar Wochen arrangiert", sagt Oprah. Danach muss Fina wieder zurück in ihre afrikanische Hütte im Murray Town Camp.
Die Grenzen des Helfens
Vielleicht macht das Geschäft mit der Not viele Helfer zynisch. Vielleicht macht das viele Geld, das jährlich für Hilfsaktionen zur Verfügung steht, blind für den Zweck, vielleicht ist schon die Verwaltung der Hilfe eine hilflose Angelegenheit, weil sie einen Großteil der Energie und Mittel verzehrt, die den Betroffenen nicht mehr zugutekommen.
Was Linda Polman zu erzählen hat, ist teils tragisch, teils skandalös. Die Tragik des professionellen Helfens liegt darin, dass das Helfen - vornehm ausgedrückt - etwas kostet. Gewalt, Korruption und Skrupellosigkeit, auf die man in den Einsatzgebieten trifft, bedingen das Zahlen von Schutzgeldern, von Schmiergeld oder das Abtreten von bis zu achtzig Prozent der Hilfsgüter an lokale Warlords, die damit die Kriegsökonomie ohne eigenes Investment ins Laufen bringen.
Die Helfer helfen also den Tätern, weil sie sonst nicht an die Flüchtlinge und Kriegsopfer herankommen. Manche Hilfsorganisationen gehen, um sich ihr Territorium zu sichern, sogar so weit, mit ihren Hilfstransporten Waffen zu schmuggeln oder einzelnen Warlords ihre gesamte Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Inszenierte Betroffenheit
Das Helfer Tätern helfen, ist schon skandalös genug. Wirklich ekelhaft wird es dann, wenn die Not von Menschen dafür benutzt wird, um den Bestand der Hilfsorganisationen zu rechtfertigen und den Geldfluss nicht versiegen zu lassen.
Zu diesem Zweck werden etwa verstümmelte Kinder als sogenannte "Donor Darlings" wie früher in Freak-Shows vorgeführt. Etwa in der Show der amerikanischen Talkmasterin Oprah Winfrey. "Damba war neu Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter Fina amputiert wurde, jede einen ganzen Arm", schildert Polman einen besonderen Fall. Eine Hilfsorganisation brachte das Mädchen aus Sierra Leone in die USA, die Mutter erhielt 100 Dollar, dann hörte sie nichts mehr von ihrer Tochter.
Damba, inzwischen 16 Jahre alt, war von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert worden und besucht die High School. Oprah möchte wissen, ob sie wohl noch an ihre Mutter denkt. "Ja", sagt Damba. Nun, dann hätte Oprah eine Überraschung. "Hier ist deine sierra-leonische Mutter!"
Oprahs Publikum springt jubelnd, weinend und applaudierend von den Sitzen auf. Erschrocken kommt Fina, die Mutter, aus den Kulissen zum Vorschein. Sie trägt ein neues Kleid, auch ihre Prothese ist neu, aber sie wirkt dünn und krumm neben all diesen riesigen Amerikanerinnen. "Wir haben für deine Mutter ein Visum für ein paar Wochen arrangiert", sagt Oprah. Danach muss Fina wieder zurück in ihre afrikanische Hütte im Murray Town Camp.
Die Grenzen des Helfens
Vielleicht macht das Geschäft mit der Not viele Helfer zynisch. Vielleicht macht das viele Geld, das jährlich für Hilfsaktionen zur Verfügung steht, blind für den Zweck, vielleicht ist schon die Verwaltung der Hilfe eine hilflose Angelegenheit, weil sie einen Großteil der Energie und Mittel verzehrt, die den Betroffenen nicht mehr zugutekommen.
Mittwoch, 18. August 2010
Donnerstag, 12. August 2010
Koruption in Ö.
Die Tricks der Korruptionisten
Korruption bezeichnet nicht nur strafbare Handlungen, sondern auch einen moralischen Verfall. Unsere Korruptionisten sind daher nicht unbedingt Kriminelle, sondern schlicht geschickter als je zuvor. Meischberger, Hochegger, Mensdorff und Birnbacher verdienten ihre Millionen nicht dadurch, dass man ihnen wie früher einen schwarzen Koffer mit Bestechungsgeld rüberschiebt (das sie später womöglich mit Politikern teilen). Diese Lobbyisten und Berater verdienen ihr Geld völlig legal. Mittels Beraterverträgen und Erfolgsprovisionen im Schatten von Milliardendeals. Nur die Gier Meischbergers und Hocheggers, die ihr Salär nicht einmal versteuern wollten, machte das System dahinter öffentlich.
Vor allem die Erfolgsprämien, so kritisieren Korruptionsermittler, sind das Grundübel. Denn die Berater kassieren nur dann, wenn der von ihnen betreute Deal gelingt. Die Konsequenz: Die Lobbyisten unterliegen der enormen Versuchung, alle Fädchen ziehen zu wollen, um die Politiker in ihrem Sinne zu bewegen. Das erhöht ihre Bereitschaft, Kickbacks und Parteispenden anzubieten. Und es führt dazu, dass vor allem jene zum Zug kommen, die die besten Beziehungen zu Behörden und Politikern haben – etwa weil sie selbst Politiker waren und in ihrem „Biotop“, wie Walter Meischberger es nennt, zu schwimmen wissen. Einen Ausweg zeigt Ungarn: Dort ist der Kontakt zwischen Lobbyisten und Behörden während öffentlicher Ausschreibungsverfahren verboten. Alle Beraterverträge sind offenzulegen.
Ein beliebter Trick ist auch das Darlehen. Immer wieder taucht es auf, wenn eine hohe Zuwendung nicht erklärt werden kann. Österreichs Air Chief Wolf bekam Geld von einem Eurofighter-Lobbyisten „geliehen“. Der ehemalige Grasser-Sekretär Michael Ramprecht erhielt ein Darlehen vom Immobilientycoon Ernst Plech. Walter Meischbergers 2,5-Millionen-Schilling-Sparbuch, das ihm den Abschied aus der Politik versüßen sollte, war „Meischi“ zufolge ein Darlehen. Die Konsequenz: Die Staatsanwaltschaft muss den Nachweis erbringen, dass das Darlehen in Wahrheit keines war, sondern Schmiergeld. Das gelingt fast nie.
Noch etwas ist auffällig: die Flut an Briefkastenfirmen und Nummernkonten in Steuerparadiesen. Mandarin, Astropolis, Ferint, Omega, das sind nur ein paar Namen von Firmen, die in Wahrheit wohl dazu dienen, die Eigentumsverhältnisse von Geldern zu verschleiern. Die Ermittler beißen sich daran die Zähne aus. Denn sie agieren trotz aller internationaler Kooperation letztlich immer noch national. Wollen sie eine Briefkastenfirma knacken, müssen sie komplizierte Rechtshilfeersuchen stellen und Monate auf die Antwort warten. Das führt zum nächsten Problem.
Die Nöte unserer Staatsanwälte
Die Strukturen unserer Justiz stammen im Grunde noch aus der Monarchie. Die Staatsanwaltschaft ist hierarchisch organisiert, dem Justizminister unterworfen. Er entscheidet, wer Karriere machen darf. Kritik von unten wird selten geschätzt. Wer aufmuckt oder gar öffentlich Reform einmahnt, ist bald als „Grüner“ oder „Linker“ punziert.
Korruption bezeichnet nicht nur strafbare Handlungen, sondern auch einen moralischen Verfall. Unsere Korruptionisten sind daher nicht unbedingt Kriminelle, sondern schlicht geschickter als je zuvor. Meischberger, Hochegger, Mensdorff und Birnbacher verdienten ihre Millionen nicht dadurch, dass man ihnen wie früher einen schwarzen Koffer mit Bestechungsgeld rüberschiebt (das sie später womöglich mit Politikern teilen). Diese Lobbyisten und Berater verdienen ihr Geld völlig legal. Mittels Beraterverträgen und Erfolgsprovisionen im Schatten von Milliardendeals. Nur die Gier Meischbergers und Hocheggers, die ihr Salär nicht einmal versteuern wollten, machte das System dahinter öffentlich.
Vor allem die Erfolgsprämien, so kritisieren Korruptionsermittler, sind das Grundübel. Denn die Berater kassieren nur dann, wenn der von ihnen betreute Deal gelingt. Die Konsequenz: Die Lobbyisten unterliegen der enormen Versuchung, alle Fädchen ziehen zu wollen, um die Politiker in ihrem Sinne zu bewegen. Das erhöht ihre Bereitschaft, Kickbacks und Parteispenden anzubieten. Und es führt dazu, dass vor allem jene zum Zug kommen, die die besten Beziehungen zu Behörden und Politikern haben – etwa weil sie selbst Politiker waren und in ihrem „Biotop“, wie Walter Meischberger es nennt, zu schwimmen wissen. Einen Ausweg zeigt Ungarn: Dort ist der Kontakt zwischen Lobbyisten und Behörden während öffentlicher Ausschreibungsverfahren verboten. Alle Beraterverträge sind offenzulegen.
Ein beliebter Trick ist auch das Darlehen. Immer wieder taucht es auf, wenn eine hohe Zuwendung nicht erklärt werden kann. Österreichs Air Chief Wolf bekam Geld von einem Eurofighter-Lobbyisten „geliehen“. Der ehemalige Grasser-Sekretär Michael Ramprecht erhielt ein Darlehen vom Immobilientycoon Ernst Plech. Walter Meischbergers 2,5-Millionen-Schilling-Sparbuch, das ihm den Abschied aus der Politik versüßen sollte, war „Meischi“ zufolge ein Darlehen. Die Konsequenz: Die Staatsanwaltschaft muss den Nachweis erbringen, dass das Darlehen in Wahrheit keines war, sondern Schmiergeld. Das gelingt fast nie.
Noch etwas ist auffällig: die Flut an Briefkastenfirmen und Nummernkonten in Steuerparadiesen. Mandarin, Astropolis, Ferint, Omega, das sind nur ein paar Namen von Firmen, die in Wahrheit wohl dazu dienen, die Eigentumsverhältnisse von Geldern zu verschleiern. Die Ermittler beißen sich daran die Zähne aus. Denn sie agieren trotz aller internationaler Kooperation letztlich immer noch national. Wollen sie eine Briefkastenfirma knacken, müssen sie komplizierte Rechtshilfeersuchen stellen und Monate auf die Antwort warten. Das führt zum nächsten Problem.
Die Nöte unserer Staatsanwälte
Die Strukturen unserer Justiz stammen im Grunde noch aus der Monarchie. Die Staatsanwaltschaft ist hierarchisch organisiert, dem Justizminister unterworfen. Er entscheidet, wer Karriere machen darf. Kritik von unten wird selten geschätzt. Wer aufmuckt oder gar öffentlich Reform einmahnt, ist bald als „Grüner“ oder „Linker“ punziert.
Samstag, 7. August 2010
Rothschild
Von Beginn an finanzierte sich das Regime mit drastischer Ausweitung der Staatsverschuldung. Schon in den beiden ersten Jahren nahm der adelige Reichsfinanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk zehn Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert rund 43 Milliarden Euro) Kredit auf. Bis Kriegsbeginn summierte sich die Neuverschuldung von Hitler-Deutschland auf etwa 40 Milliarden Reichsmark (RM). Weil seine Politik ständig im Vorgriff auf die Zukunft lebte, verbot Adolf Hitler bereits im ersten Jahr seiner Reichskanzlerschaft 1933, die Zahlen des nächsten Budgets bekannt zu geben. Dabei blieb es die zwölf Jahre bis zum Ende des Regimes.
Vater der „produktiven Kreditschöpfung“ wurde der renommierte Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Er ließ über die Scheinfirma „Metallurgische Forschungsgemeinschaft“ (Mefo), hinter der unter anderem Krupp und Siemens standen, die berüchtigten „Mefo-Wechsel“ ausstellen. Die Reichsbank übernahm die Bürgschaft, als Schuldner schien das Reich aber nicht auf. So wurde zwischen 1934 und 1936 die Hälfte aller Wehrmachtsaufträge „verdeckt“ finanziert.
Das NS-„Wirtschaftswunder“ auf Pump war von Anfang an auf großindustrielle Rüstung getrimmt, Mittelstandspolitik wurde vernachlässigt. Von den geborgten Milliarden flossen lediglich sechs in zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Hitler hatte in einer seiner ersten Kabinettssitzungen angeordnet, Beschäftigungsmaßnahmen aus öffentlichen Geldern nur zu stützen, wenn sie zugleich der „Wehrhaftmachung des deutschen Volkes“ dienten. Allzu offensiv betriebene Aufrüstung war jedoch durch den Vertrag von Versailles vorerst untersagt. Daher wurde auch in die propagandistisch bestens verwertbare Reichsautobahn, in öffentliche Bauten – wie das gigantomanische Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – und in den Wohnbau investiert.
Wie sehr die NS-Wirtschaft auf Krieg eingestellt wurde, demonstriert der Anteil der Ausgaben für Militär und Aufrüstung: Er wurde von vier Prozent im Jahr 1933 auf exorbitante 39 Prozent im Jahr 1936 gepusht. In der Rüstungsindustrie herrschte nun bereits Arbeitskräftemangel: Von den ursprünglich sechs Millionen Arbeitslosen hatten 4,5 Millionen Beschäftigung gefunden. Die Einführung von Reichsarbeitsdienst und Wehrpflicht 1935 kam dem „Beschäftigungswunder“ zugute: Bis 1939 wurden eine Million Deutsche zu Soldaten.
Die zentrale Zuspitzung der NS-Wirtschaftspolitik auf ihr eigentliches Ziel erfolgte 1936: Hermann Göring, mächtigster Mann nach Hitler, wurde de facto Wirtschaftsdiktator. Als Beauftragter des „Vierjahresplans“ sollte er Deutschland in vier Jahren militärisch und ökonomisch kriegsfähig machen.
Spätestens diese Entscheidung macht offensichtlich, dass die NS-Wirtschaftspolitik nicht dem Dogma der aktiven Konjunkturpolitik des wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, folgte. Ab 1936 herrschte im Reich Vollbeschäftigung – die expansiven Staatsausgaben auf Pump waren daher der Wirtschaftsentwicklung eher schädlich.
Der Improvisationscharakter der NS-Wirtschaftspolitik kam nun immer deutlicher zum Vorschein. Reichsbankpräsident Schacht warnte bereits früh vor dem massiven Einsatz der Notenpresse: „Aus Papier kann man weder Brot backen noch Kanonen gießen.“ Um die Symptome der Inflation zu bekämpfen, wurden Preis- und Lohnstopps erlassen. Die Warnungen Schachts, dass das Wirtschaftssystem unweigerlich an die Wand fahren musste, verhallten bei Hitler ungehört. 1937 legte Schacht sein Amt als Wirtschaftsminister nieder, im Jänner 1939 entließ ihn Hitler letztendlich auch als Reichsbankpräsidenten. Der „Führer“ wollte seinen Aufrüstungswahnsinn nicht von einem „Bedenkenträger“ bremsen lassen. Sein Ziel hieß Eroberung von Lebensraum für die „arische“ Rasse, die völkische Bewegungen bereits im Deutschen Kaiserreich gefordert hatten. Ausplünderung war vorgegeben. Hitler: „Wir können uns auf der eigenen Grundlage nicht ernähren. … Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.“
Österreich war als Expansionsziel schon lange im Visier des NS-Regimes. Kanzler Engelbert Dollfuß aber hatte sich im Einklang mit Italiens Faschistenführer Benito Mussolini gegen Deutschland gestellt. Um Druck auszuüben, wurde daher im Mai 1933 die 1000-Mark-Sperre verhängt: Diese Summe (heute knapp 4000 Euro) mussten Deutsche vor einer Österreich-Reise zahlen. 1936 schloss Kanzler Schuschnigg mit Hitler das „Juli-Abkommen“, das den Anschluss vorbereitete.
Anfang 1938 stand das Deutsche Reich kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb in sein Tagebuch: „Danach sieht’s doch schlimmer aus, als ich gedacht. Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber am Mangel an Waffen.“ Zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März war er mächtig erleichtert: „Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. Dafür aber Österreich“ (Goebbels’ Tagebuch, 27. März 1938).
„Letztlich war der Anschluss 1938 im Wesentlichen ökonomisch begründet“, so Wirtschaftshistoriker Peter Eigner. Die „Heim ins Reich“-Phrasen seien dem nur umgehängt worden.
Die augenblicklich wichtigste Beute waren die Gold- und Devisenvorräte, die das autoritäre Dollfuß-System zur Währungsstabilität angesammelt hatte. An Feingold hatte die österreichische Nationalbank 78.267 Kilogramm. Ein Teil davon lagerte in den Tresoren der Bank of England und wurde anstandslos an die Reichsbank ausgeliefert. Mit den Beständen, die eingeschüchterte Österreicher an die Deutschen verkauften, dürften 1938 aus Österreich Gold und Devisen im Wert von 1,3 Milliarden Reichsmark nach Berlin transferiert worden sein. Das war etwa 18-mal mehr, als die Reichsbank selbst hatte. Das im österreichischen Bewusstsein eingegrabene „Hitler hat uns Arbeit gegeben“ ist demnach schlichtweg falsch. Denn nicht Hitler, sondern Österreich selbst finanzierte den Aufschwung.
Die „Ostmark“ hatte zudem reiche Bodenschätze an Magnesit, Eisenerz und Erdöl, welche die NS-Rüstung dringend brauchte: 1939 kamen je ein Fünftel der Erdölproduktion und des Eisenerzes des Reichs bereits aus Österreich. In den Alpen (Kaprun) und an der Donau (Ybbs-Persenbeug) wurde mit dem Bau von Kraftwerken begonnen. Der Kriegsverlauf zwang die NS-Strategen jedoch laufend zu Änderungen ihrer Projekte: Die beiden Baustellen wurden bald eingestellt.
Der Steyr-Konzern sollte Paradebeispiel für die Umwandlung eines großen österreichischen Industriebetriebs in ein regelrechtes Rüstungsimperium der NS-Ära werden – und zwar in allen Aspekten. 1938 war er in Mehrheitsbesitz der Creditanstalt. Die Bank wurde gezwungen, Steyr an den Rüstungskonzern Hermann-Göring-Werke zu verkaufen. Der jüdische Direktor Paul Goetzl musste gehen, Generaldirektor wurde der in Mondsee geborene Georg Meindl, der als SS-Mitglied exzellente Kontakte sowohl zu Göring als auch zu SS-Chef Heinrich Himmler hatte.
Unter ungeheurem Druck wurde modernisiert und gebaut. 1938 machte das Unternehmen 57 Millionen Reichsmark Umsatz, 1943 das Achtfache. Ähnlich explodierte die Zahl der Mitarbeiter: von 7000 im Jahr 1938 auf 50.000 im Jahr 1944. Jeder zweite von ihnen war KZ-Häftling oder Zwangsarbeiter. Das neue „Nibelungenwerk“ in St. Valentin, Oberösterreich, wurde neben Krupp größtes Panzerwerk im Dritten Reich.
Steyr-Generaldirektor Meindl gelangte zur zweifelhaften Ehre, im gesamten Deutschen Reich als „Pionier“ beim Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstung zu gelten. Anfang 1942 errichtete die SS für Steyr ein eigenes KZ-Nebenlager, beim gigantischen Stollenbau zur unterirdischen Verlagerung bei Melk wurden 15.000 KZ-Häftlinge eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Meindls verkohlte Leiche gefunden. Der Historikerbericht „Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus“ urteilt über einen der wichtigsten Konzernmanager im nationalsozialistischen Österreich: Wenn man überhaupt von einem industriellen Erbe Meindls sprechen könne, dürfe man nicht verschweigen, dass es „auch von extremer Kriminalität getränkt war“.
Vater der „produktiven Kreditschöpfung“ wurde der renommierte Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Er ließ über die Scheinfirma „Metallurgische Forschungsgemeinschaft“ (Mefo), hinter der unter anderem Krupp und Siemens standen, die berüchtigten „Mefo-Wechsel“ ausstellen. Die Reichsbank übernahm die Bürgschaft, als Schuldner schien das Reich aber nicht auf. So wurde zwischen 1934 und 1936 die Hälfte aller Wehrmachtsaufträge „verdeckt“ finanziert.
Das NS-„Wirtschaftswunder“ auf Pump war von Anfang an auf großindustrielle Rüstung getrimmt, Mittelstandspolitik wurde vernachlässigt. Von den geborgten Milliarden flossen lediglich sechs in zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Hitler hatte in einer seiner ersten Kabinettssitzungen angeordnet, Beschäftigungsmaßnahmen aus öffentlichen Geldern nur zu stützen, wenn sie zugleich der „Wehrhaftmachung des deutschen Volkes“ dienten. Allzu offensiv betriebene Aufrüstung war jedoch durch den Vertrag von Versailles vorerst untersagt. Daher wurde auch in die propagandistisch bestens verwertbare Reichsautobahn, in öffentliche Bauten – wie das gigantomanische Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – und in den Wohnbau investiert.
Wie sehr die NS-Wirtschaft auf Krieg eingestellt wurde, demonstriert der Anteil der Ausgaben für Militär und Aufrüstung: Er wurde von vier Prozent im Jahr 1933 auf exorbitante 39 Prozent im Jahr 1936 gepusht. In der Rüstungsindustrie herrschte nun bereits Arbeitskräftemangel: Von den ursprünglich sechs Millionen Arbeitslosen hatten 4,5 Millionen Beschäftigung gefunden. Die Einführung von Reichsarbeitsdienst und Wehrpflicht 1935 kam dem „Beschäftigungswunder“ zugute: Bis 1939 wurden eine Million Deutsche zu Soldaten.
Die zentrale Zuspitzung der NS-Wirtschaftspolitik auf ihr eigentliches Ziel erfolgte 1936: Hermann Göring, mächtigster Mann nach Hitler, wurde de facto Wirtschaftsdiktator. Als Beauftragter des „Vierjahresplans“ sollte er Deutschland in vier Jahren militärisch und ökonomisch kriegsfähig machen.
Spätestens diese Entscheidung macht offensichtlich, dass die NS-Wirtschaftspolitik nicht dem Dogma der aktiven Konjunkturpolitik des wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, folgte. Ab 1936 herrschte im Reich Vollbeschäftigung – die expansiven Staatsausgaben auf Pump waren daher der Wirtschaftsentwicklung eher schädlich.
Der Improvisationscharakter der NS-Wirtschaftspolitik kam nun immer deutlicher zum Vorschein. Reichsbankpräsident Schacht warnte bereits früh vor dem massiven Einsatz der Notenpresse: „Aus Papier kann man weder Brot backen noch Kanonen gießen.“ Um die Symptome der Inflation zu bekämpfen, wurden Preis- und Lohnstopps erlassen. Die Warnungen Schachts, dass das Wirtschaftssystem unweigerlich an die Wand fahren musste, verhallten bei Hitler ungehört. 1937 legte Schacht sein Amt als Wirtschaftsminister nieder, im Jänner 1939 entließ ihn Hitler letztendlich auch als Reichsbankpräsidenten. Der „Führer“ wollte seinen Aufrüstungswahnsinn nicht von einem „Bedenkenträger“ bremsen lassen. Sein Ziel hieß Eroberung von Lebensraum für die „arische“ Rasse, die völkische Bewegungen bereits im Deutschen Kaiserreich gefordert hatten. Ausplünderung war vorgegeben. Hitler: „Wir können uns auf der eigenen Grundlage nicht ernähren. … Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.“
Österreich war als Expansionsziel schon lange im Visier des NS-Regimes. Kanzler Engelbert Dollfuß aber hatte sich im Einklang mit Italiens Faschistenführer Benito Mussolini gegen Deutschland gestellt. Um Druck auszuüben, wurde daher im Mai 1933 die 1000-Mark-Sperre verhängt: Diese Summe (heute knapp 4000 Euro) mussten Deutsche vor einer Österreich-Reise zahlen. 1936 schloss Kanzler Schuschnigg mit Hitler das „Juli-Abkommen“, das den Anschluss vorbereitete.
Anfang 1938 stand das Deutsche Reich kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb in sein Tagebuch: „Danach sieht’s doch schlimmer aus, als ich gedacht. Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber am Mangel an Waffen.“ Zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März war er mächtig erleichtert: „Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. Dafür aber Österreich“ (Goebbels’ Tagebuch, 27. März 1938).
„Letztlich war der Anschluss 1938 im Wesentlichen ökonomisch begründet“, so Wirtschaftshistoriker Peter Eigner. Die „Heim ins Reich“-Phrasen seien dem nur umgehängt worden.
Die augenblicklich wichtigste Beute waren die Gold- und Devisenvorräte, die das autoritäre Dollfuß-System zur Währungsstabilität angesammelt hatte. An Feingold hatte die österreichische Nationalbank 78.267 Kilogramm. Ein Teil davon lagerte in den Tresoren der Bank of England und wurde anstandslos an die Reichsbank ausgeliefert. Mit den Beständen, die eingeschüchterte Österreicher an die Deutschen verkauften, dürften 1938 aus Österreich Gold und Devisen im Wert von 1,3 Milliarden Reichsmark nach Berlin transferiert worden sein. Das war etwa 18-mal mehr, als die Reichsbank selbst hatte. Das im österreichischen Bewusstsein eingegrabene „Hitler hat uns Arbeit gegeben“ ist demnach schlichtweg falsch. Denn nicht Hitler, sondern Österreich selbst finanzierte den Aufschwung.
Die „Ostmark“ hatte zudem reiche Bodenschätze an Magnesit, Eisenerz und Erdöl, welche die NS-Rüstung dringend brauchte: 1939 kamen je ein Fünftel der Erdölproduktion und des Eisenerzes des Reichs bereits aus Österreich. In den Alpen (Kaprun) und an der Donau (Ybbs-Persenbeug) wurde mit dem Bau von Kraftwerken begonnen. Der Kriegsverlauf zwang die NS-Strategen jedoch laufend zu Änderungen ihrer Projekte: Die beiden Baustellen wurden bald eingestellt.
Der Steyr-Konzern sollte Paradebeispiel für die Umwandlung eines großen österreichischen Industriebetriebs in ein regelrechtes Rüstungsimperium der NS-Ära werden – und zwar in allen Aspekten. 1938 war er in Mehrheitsbesitz der Creditanstalt. Die Bank wurde gezwungen, Steyr an den Rüstungskonzern Hermann-Göring-Werke zu verkaufen. Der jüdische Direktor Paul Goetzl musste gehen, Generaldirektor wurde der in Mondsee geborene Georg Meindl, der als SS-Mitglied exzellente Kontakte sowohl zu Göring als auch zu SS-Chef Heinrich Himmler hatte.
Unter ungeheurem Druck wurde modernisiert und gebaut. 1938 machte das Unternehmen 57 Millionen Reichsmark Umsatz, 1943 das Achtfache. Ähnlich explodierte die Zahl der Mitarbeiter: von 7000 im Jahr 1938 auf 50.000 im Jahr 1944. Jeder zweite von ihnen war KZ-Häftling oder Zwangsarbeiter. Das neue „Nibelungenwerk“ in St. Valentin, Oberösterreich, wurde neben Krupp größtes Panzerwerk im Dritten Reich.
Steyr-Generaldirektor Meindl gelangte zur zweifelhaften Ehre, im gesamten Deutschen Reich als „Pionier“ beim Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstung zu gelten. Anfang 1942 errichtete die SS für Steyr ein eigenes KZ-Nebenlager, beim gigantischen Stollenbau zur unterirdischen Verlagerung bei Melk wurden 15.000 KZ-Häftlinge eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Meindls verkohlte Leiche gefunden. Der Historikerbericht „Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus“ urteilt über einen der wichtigsten Konzernmanager im nationalsozialistischen Österreich: Wenn man überhaupt von einem industriellen Erbe Meindls sprechen könne, dürfe man nicht verschweigen, dass es „auch von extremer Kriminalität getränkt war“.
Otlet von Stocker
Vielleicht aber sollten wir noch weniger weit zurückgehen, denn ich behaupte, die digitale Revolution hat erst 2004 begonnen, mit dem Durchbruch von Wikipedia, als man dort erstmals 1.000.000 Artikel verzeichnete und etwas, das man für naive Träumerei gehalten hatte, Wirklichkeit wurde: Hunderttausende stellen ihr Wissen, ihre Arbeit und ihre Zeit zur Verfügung und lassen die größte Sammlung an Wissen entstehen, die es jemals gab, in mittlerweile über 200 Sprachen! Das ist der neue Turm von Babel, der nicht mehr zum Einsturz gebracht werden kann. Denn das wirklich Revolutionäre an Wikipedia ist nicht die Tatsache, dass Menschen Information sammeln, sondern dass wir alle dies frei nutzen können.
Zur Zeit sind ca. 15 Mio. Artikel in der Wikipedia, und das ist tatsächlich sehr viel; aber können Sie sich vorstellen, dass es bereits vor etwa 100 Jahren ein Archiv, oder besser: ein Datencenter gegeben hat, in dem 15 Mio. Karteikarten angelegt waren, um das Wissen der Menschheit zugänglich zu machen? Damals schon konnte man per Brief oder per Telegraf Suchanfragen stellen. Bis zu 1.500 solcher Suchanfragen wurden pro Jahr bearbeitet - im Mundaneum in Brüssel, das von den beiden Friedensaktivisten Paul Otlet und Henri La Fontaine aufgebaut worden war.
Schlüssel zum Frieden
Paul Otlet war eigentlich Jurist und Unternehmer, sein Leben aber widmete er einer großen Idee: Er wollte eine universelle Bibliothek aufbauen und mit allen teilen. Nicht nur weil er begeisterter Bibliothekar war, sondern weil er sich sicher war, dass dies der Schlüssel zu einer friedlichen Welt sein würde. Mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Henri La Fontaine begann er 1895, diese Idee umzusetzen.
Mit 400.000 Karteikarten, auf denen die beiden Bücher, Zeitschriften, Fotos etc. katalogisiert hatten, gründeten sie das Office International de Bibliographie, das bis in die 30er-Jahre auf ganze 15 Mio. Karteikarten anwachsen sollte. Gegen eine geringe Gebühr konnte man Suchanfragen stellen. Diese wurden dann auch in die Katalogisierung aufgenommen, wodurch, unter Mithilfe der User, die Treffsicherheit des Systems ständig verbessert wurde. Otlet nannte dies damals schon den "sozialen Raum" der Dokumente, er entwickelte sein eigenes Universelles Dezimales Klassifikationssystem (UDC). Heute nennen wir das Tagging, Folksonomie oder Pageranking und glauben, dass Google, Amazon und Co dies erfunden hätten.
Noch in den 30er-Jahren arbeiteten Otlet und La Fontaine daran, verteilte Datenzentren in Paris, Chicago und Rio de Janeiro aufzubauen. Doch die Wirtschaftskrise machte ihr Projekt zunehmend unfinanzierbar. Als die Nazis 1940 Belgien besetzten, räumten diese das Mundaneum und verbrannten ca. 70 Tonnen an Dokumenten. 1944 starb Otlet einsam und enttäuscht, nicht ohne eine verblüffende Zukunftsvision zu hinterlassen: Er beschrieb ein multimediales Kontinuum von verknüpften Informationen, die on Demand in der jeweils optimalen Kombination aus vernetzten Datenzentren direkt auf den Arbeitsplatz übertragen werden würden, auf Bildschirme, auf denen die Information in mehreren Fenstern strukturiert angezeigt werden würde, ergänzt mit Ton und Film - er nannte es das universelle Buch, das Buch der Bücher. (Gerfried Stocker/DER STANDARD, Printausgabe, 7.(8.8.2010)
Zur Zeit sind ca. 15 Mio. Artikel in der Wikipedia, und das ist tatsächlich sehr viel; aber können Sie sich vorstellen, dass es bereits vor etwa 100 Jahren ein Archiv, oder besser: ein Datencenter gegeben hat, in dem 15 Mio. Karteikarten angelegt waren, um das Wissen der Menschheit zugänglich zu machen? Damals schon konnte man per Brief oder per Telegraf Suchanfragen stellen. Bis zu 1.500 solcher Suchanfragen wurden pro Jahr bearbeitet - im Mundaneum in Brüssel, das von den beiden Friedensaktivisten Paul Otlet und Henri La Fontaine aufgebaut worden war.
Schlüssel zum Frieden
Paul Otlet war eigentlich Jurist und Unternehmer, sein Leben aber widmete er einer großen Idee: Er wollte eine universelle Bibliothek aufbauen und mit allen teilen. Nicht nur weil er begeisterter Bibliothekar war, sondern weil er sich sicher war, dass dies der Schlüssel zu einer friedlichen Welt sein würde. Mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Henri La Fontaine begann er 1895, diese Idee umzusetzen.
Mit 400.000 Karteikarten, auf denen die beiden Bücher, Zeitschriften, Fotos etc. katalogisiert hatten, gründeten sie das Office International de Bibliographie, das bis in die 30er-Jahre auf ganze 15 Mio. Karteikarten anwachsen sollte. Gegen eine geringe Gebühr konnte man Suchanfragen stellen. Diese wurden dann auch in die Katalogisierung aufgenommen, wodurch, unter Mithilfe der User, die Treffsicherheit des Systems ständig verbessert wurde. Otlet nannte dies damals schon den "sozialen Raum" der Dokumente, er entwickelte sein eigenes Universelles Dezimales Klassifikationssystem (UDC). Heute nennen wir das Tagging, Folksonomie oder Pageranking und glauben, dass Google, Amazon und Co dies erfunden hätten.
Noch in den 30er-Jahren arbeiteten Otlet und La Fontaine daran, verteilte Datenzentren in Paris, Chicago und Rio de Janeiro aufzubauen. Doch die Wirtschaftskrise machte ihr Projekt zunehmend unfinanzierbar. Als die Nazis 1940 Belgien besetzten, räumten diese das Mundaneum und verbrannten ca. 70 Tonnen an Dokumenten. 1944 starb Otlet einsam und enttäuscht, nicht ohne eine verblüffende Zukunftsvision zu hinterlassen: Er beschrieb ein multimediales Kontinuum von verknüpften Informationen, die on Demand in der jeweils optimalen Kombination aus vernetzten Datenzentren direkt auf den Arbeitsplatz übertragen werden würden, auf Bildschirme, auf denen die Information in mehreren Fenstern strukturiert angezeigt werden würde, ergänzt mit Ton und Film - er nannte es das universelle Buch, das Buch der Bücher. (Gerfried Stocker/DER STANDARD, Printausgabe, 7.(8.8.2010)
Freitag, 6. August 2010
English - Present progressive
http://www.keepschool.de/unterrichtsmaterial-Simple_Present_und_Present_Progressive-889.html
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