Donnerstag, 30. Mai 2013
Versicherungsvergleich
https://durchblicker.at/akooe-haushaltsversicherung/vergleich/ergebnis/gegenueberstellung#bb548166f941115159479935cc7bb5523ff25016
Freitag, 10. Mai 2013
Defragmentierung unter Windows XP und aufwärts:
Defragmentierung unter Windows XP und aufwärts:
- Schließen aller Anwendungen die auf Daten zugreifen
- Ausführen der Defragmentierungssoftware:
- Ab Windows XP:
- Klicken sie mit der linken Maustaste auf das Startmenü (unten links in der Ecke auf ihren Desktop)
- Klicken sie mit der linken Maustaste auf alle Programme
- Klicken sie mit der linken Maustaste auf den Ordner Zubehör
- Klicken sie mit der linken Maustaste auf Systemprogramme
- Klicken sie mit der linken Maustaste auf Defragmentierung / Defragmentieren (das Programm startet)
- Das Programm fragt sie nun in mit sehr übersichtlichen Darstellung, welchen ihre Datenträger (Festplatten / Volumen) sie defragmentieren möchten. Hier machen sie einen Hacken vor die Laufwerksbuchstaben ihrer Festplatten.
- Sie können die Defragmentierung zu einem gewünschten Zeitpunkt ausführen lassen, in dem sie bei Termin, Datum und Uhrzeit angeben. Wichtig hierbei ist, der Computer muss zu diesen Zeitpunkt auch angeschaltet sein.
- Starten sie die Defragmentierung mit "jetzt defragmentieren" (das Programm läuft).
- Sollten sie den Computer abschalten wollen und die Defragmentierung nicht abgeschlossen ist, können sie diese auch manuell schließen und später neu starten. Wichtig hierbei, den Computer nicht ohne das vorherige Schließen der Defragmentierungssoftware herunterfahren.
Mittwoch, 8. Mai 2013
ESA
Darüberhinaus sitzt Segonds auch im Vorstand der ESA. Dort befindet er
sich in illustrer Gesellschaft. Die Mitgliederliste dieser
Lobbyingorganisation liest sich wie das "Best of Böse“ der
marktdominierenden Agrarunternehmen. Darin finden neben den auch in
Europa engagierten US-Konzernen Monsanto, Dow Chemical und Dupont, auch
die deutschen Großunternehmen Bayer und BASF sowie die Schweizer
Syngenta. Auf den Feldern herrscht ein knallharter
Verdrängungswettbewerb. In den vergangenen 20 Jahren war das
Saatgutgeschäft einem atemberaubenden Konzentrationsprozess unterworfen.
Durch Fusionen und Übernahmen kleinerer Züchtungsunternehmen durch die
genannten Agro-Konzerne hat sich mittlerweile ein Oligopol gebildet.
Während im Jahr 1996 die zehn größten Unternehmen noch einen Marktanteil
von nicht ganz 30 Prozent hielten, entfallen nun auf die sechs größten
Player bereits knapp 60 Prozent. Sie bestimmen somit maßgeblich, was auf
unsere Teller kommt. Ein aktueller Report der Organisation Swissaid
verdeutlicht ihre marktbeherrschende Stellung. Demnach sind beim
Europäischen Sortenamt 36 Prozent aller registrierten Tomatensorten
durch Monsanto geschützt, weitere 26 Prozent durch Syngenta. Bei Karfiol
hält Monsanto sogar 49 Prozent aller eingetragenen Sorten (Syngenta: 22
Prozent).
Die "Big Six“ haben ganz gut miteinander das Auslangen gefunden. Mehr noch, sie haben weitreichende Allianzen geschlossen. So kooperiert etwa der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF mit Monsanto bei der Entwicklung ertragsreicherer und stressresistenterer Nutzpflanzen wie Raps, Soja, Mais und Weizen.
Die "Big Six“ haben ganz gut miteinander das Auslangen gefunden. Mehr noch, sie haben weitreichende Allianzen geschlossen. So kooperiert etwa der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF mit Monsanto bei der Entwicklung ertragsreicherer und stressresistenterer Nutzpflanzen wie Raps, Soja, Mais und Weizen.
Postmoderne Philosophie und Wirtschaftskrise
Ein fast perfektes Verbrechen - Postmoderne Philosophie und Wirtschaftskrise
Gestaltung: Michael Reitz
"Anything goes" - das ist das Schlagwort, das der österreichische
Denker Paul Feyerabend für postmodernes Denken geprägt hat. Unter
postmodernem Denken versteht man ein Nebeneinander verschiedener
Denkstile. Diese geistige Entwicklung korrespondiert mit der Veränderung
der Finanzwelt. Es entstanden der sogenannte Derivate-Markt und die
"Collateralized Debt Obligations" (CDO) mit denen die Risiken mehrerer
Firmen gebündelt und weiter verkauft werden konnten. Der Aktienmarkt
wurde zunehmend virtueller und orientierte sich an einem simulierten,
virtuellen Kreislauf des Geldes. Dieser ließ die Wirklichkeit aus dem
Blick geraten. Ähnlich wie in der postmodernen Philosophie kam es in der
Wirtschaftswelt zu einer Umwertung der Begriffe: Schulden, Kredite oder
Risiken werden nicht mehr als Negativwerte verbucht, sondern zum
Funktionieren des Systems umdefiniert. Einzelnen Bausteine aus der Zeit
der Entstehung der Wirtschaftskrise von 2007/2008 und der derzeitigen
Situation mit Zitaten der postmodernen Philosophie und Soziologie
zeigen, wie eng die beiden Themenkreise korrespondieren. Es lohnt sich
daher der Versuch, Ökonomie mit philosophischen Mitteln zu erörtern.
Gestaltung: Michael Reitz
Gestaltung: Michael Reitz
Freitag, 3. Mai 2013
Unser Essen als Klimasünde - aus FURCHE.at
Hinter der Lebensmittelindustrie steckt ein hoher Energieverbrauch. Die Fleischproduktion bindet enorme Ressourcen – die bald erschöpft sind.
Von Sylvia Einöder
Der Blick auf die vollen Regale der Supermärk-te erinnert an Vorstellungen des Schlaraffenlandes oder des Knusperhäuschens im Märchen „Hänsel und Gretel“. Die Überfülle der Warenwelt hat in der Tat etwas Magisches. Doch gerade das lockende Knusperhäuschen verweist auf das Trügerische dieser Überfülle: „Symbolisch dafür steht die Hexe, die die Kinder aus ärmlichen Verhältnissen mit den Verführungen des Überflusses blendet, um sie letztlich zu verzehren“, sagt Nachhaltigkeits-Experte Hans Holzinger von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen.
Denn das Knusperhäuschen hat einen Preis, den wir bezahlen: „Es ist erkauft mit einem enormen Raubbau an den Naturressourcen. Es basiert auf einem nicht nachhaltigen Energiesystem. Und es geht auf Kosten von Menschen in weniger reichen Erdteilen“, kritisiert Holzinger in seinem Buch „Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten Planeten“.
Vom Acker bis zum Teller
Denn hinter verarbeiteten Lebensmitteln stecken viele Arbeitsschritte – und ein gewaltiger CO2-Abdruck: Kaum einem Konsumenten ist klar, wie viele Hebel für die Herstellung eines einzigen Stückes Fertig-Lasagne in Gang gesetzt werden: Das Getreide für den Teig wurde gesät, geerntet, transportiert, gereinigt, gemahlen, abgefüllt, verpackt, gelagert, wieder transportiert, verteilt und landet schließlich beim Bäcker. Für die Eier wurde ein Hühnerstall gebaut, Hühner gefüttert. Dann wurden die Eier eingesammelt, gestempelt, sortiert, verpackt, transportiert, eingeordnet, etikettiert.
Noch viel ressourcenintensiver ist die Herstellung des Faschierten: Für ein Kilo Rindfleisch sind 10 Kilo Getreide nötig. Durch die Mägen von Tieren wandern 40 Prozent des Weltgetreides, die Hälfte aller Fischfänge als Fischmehl, 70 Prozent der Ölsaaten und ein Drittel der Milchprodukte. Schon jetzt wird in den armen Ländern des Südens über ein Drittel des Getreides für Futtermittel eingesetzt. Die Naturausbeutung durch diese Monokulturen ist enorm: „Sie dürsten nach Wasser, versagen bei der Regenerierung der Böden und verlangen den Einsatz von Unmengen an schädlichen Pestiziden“, kritisiert Zukunftsforscher Holzinger.
Der ökologische Preis für den Fleischkonsum ist hoch: Allein die Tierhaltung verursacht weltweit 18 Prozent der Treibhausgase. Durch die Schweinefleisch- und Geflügelproduktion entsteht Lachgas, in der Rindfleischproduktion Methan. „Dabei weisen Geflügel und Schwein noch eine günstigere CO2-Bilanz auf als Rind“, so Lebensministerium-Sprecherin Katrin Scherbichler.
Noch ist Fleisch ein „Vorrecht“ der industrialisierten Länder: Österreicher verzehren laut UNO jährlich 90 Kilo Fleisch, Inder nur zwei Kilo. Doch der fleischzentrierte Ernährungsstil breitet sich in den Schwellen- und Entwicklungsländern aus: Allein in Asien hat sich der Fleischverzehr seit 1991 verachtzehnfacht. Obwohl Massentierhaltung seit langem in der Kritik steht, schreitet der Trend zur industriellen Tierzucht voran. Die sogenannten Experten stehen oft im Dienst von Agrar- und Arzneimittelindustrie, Chemiekonzernen oder der Politik.
Gentechnik über Schleichwege
Zudem erhalten Zuchttiere vielfach Gentechnik-Futter, obwohl Gentechnik-veränderte Lebensmittel in Österreich verboten sind: Auf dem Fleisch muss nicht deklariert werden, ob das Tier Gentechnik-Futter zu fressen bekam. „Beim Geflügel und insbesondere beim Schweine- und Rindfleisch gibt es noch viel Nachholbedarf“, sagt Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace.
Transparenz ist das Gebot der Stunde: „Je ökologischer ein Unternehmen, umso auskunftsfreudiger“, weiß die Umweltschützerin. Wenn Unternehmen keine Informationen zur Herkunft geben, riecht Greenpeace Lunte: „Der Schluss liegt nahe, dass von der mangelnden Transparenz nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik profitiert. Sonst hätte es bereits Gesetzesänderungen im Sinne des Gemeinwohles geben müssen“, ist Sprinz überzeugt.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Initiativen zur CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln gestiegen. Die Biomarke „Zurück zum Ursprung“ der Handelskette Hofer gibt Informationen zum CO2-Fußabdruck an und wurde mit dem österreichischen Klimapreis ausgezeichnet. Derzeit wird auf EU-Ebene an einer einheitlichen CO2-Kennzeichnung gearbeitet: „Die CO2-Bilanz sagt aber nichts über Umweltaspekte wie Flächenverbrauch, Bodenqualität, Biodiversität oder Wasserverbrauch aus“, so Lebensministerium-Sprecherin Scherbichler.
Flugtransport 200-mal schädlicher
Mit Bio-Lebensmitteln können gegenüber der konventionellen Landwirtschaft bis zu 35 Prozent der Treibhausgase eingespart wer-
den. Bio ist aber nicht gleich Bio: „Leider gibt es sehr unterschiedliche Qualitätsstufen“, so Sprinz. Sie kritisiert, dass die ökologische Landwirtschaft nicht ausreichend gefördert werde: „Die Gesetzgeber verabsäumen das, weil es nach wie vor gut verdienende Interessens-
gruppen in der konventionellen Landwirtschaft gibt.“ Weitere wich-
tige Klima-Kriterien sind Regionalität oder Transportart: Flugtransporte belasten das Klima 200-mal stärker als Hochseetransporte.
Einen besonders hohen CO2-Abdruck weisen weiterverarbeitete Lebensmittel wie Käse, Wurst, Butter, Konserven und Tiefkühlprodukte auf. Im Obst- und Gemüseanbau wiederum verbrauchen beheizte Treibhäuser und Folientunnel viel Energie. Konsumenten sollten beim Lebensmittelkauf logisch überlegen: Wird ein verarbeitetes Produkt wie Fertig-Lasagne sehr billig angeboten, ist Vorsicht geboten. „Meist sind Fertig-Produkte nicht aus artgerechter Tierhaltung. Auch der Landwirt leidet, wenn er keinen fairen Preis bezahlt bekommt“, berichtet Sprinz. Denn viele Unternehmen sind mit Supermarktketten eine Vertragsverpflichtung eingegangen, Produkte zu Dumping-Preisen zu verkaufen. Wer sparen will, muss Zeit investieren. „Anstatt Fertig-Pommes zu kaufen, sollte man zu Bio-Erdäpfeln greifen und selbst Pommes frites zubereiten.“
Gespart wird beim Essen
Heutzutage bezahlen Konsumenten – gemessen am Einkommen – viel weniger für ihr Essen als früher: Seit den 1960er Jahren ist der Ernährungsanteil am Haushaltsbudget von 50 Prozent auf etwa 15 Prozent gesunken. Nahrungsmittel sind so billig, dass wir achtlos damit umgehen: Laut Welternährungsorganisation (FAO) wird ein Drittel aller Lebensmittel weltweit verschwendet.
Billigprodukte kommen uns letztlich teuer zu stehen: „Die ökologischen Folgekosten sind in die günstigen Preise noch nicht eingerechnet. Diese bezahlt nicht der Käufer oder Hersteller, sondern der Steuerzahler“, meint Sprinz.
Was vielen Konsumenten nicht bewusst ist: Nicht nur der Einkauf im Supermarkt, sondern auch der Besuch im Restaurant hat ökologische Folgen. In den wenigsten Lokalen wird offengelegt, woher die verwendeten Zutaten stammen. „Wir hören vielfach, dass österreichische Restaurants Käfig-eier aus Ungarn einkaufen, seit die Käfighaltung hierzulande verboten ist. Die wenigsten Gäste fragen: Wo kommt das Ei für das Omelett her?“, betont Sprinz.
Die Konsumentensprecherin ist überzeugt: Man dürfe den Verbrauchern nicht suggerieren, noch mehr Fleisch zu essen, wie es etwa das AMA-Marketing tut. „Stattdessen sollte man durch Aufklärung in der Schule zeigen, dass es viele gute Gerichte ohne Fleisch gibt.“
Sprinz weiß einfachen Rat: Sich am Ernährungsstil der eigenen Großeltern orientieren. Regionale und saisonale Produkte konsumieren und nur zwei Mal wöchentlich Fleisch essen. Dann sollte auch Bio-Fleisch leistbar sein.
Was simpel klingt, machen die wenigsten. „Die größte Herausforderung wird es sein, den Leuten klar zumachen, dass ihr Lebensmittelstil – vor allem der Verbrauch von tierischen Produkten – wegen der begrenzten Ressourcen nicht mehr lange möglich sein wird.“
Knoflacher- aus dieZeit.de
ZEIT:
Der Autofahrer ist ein Killer?
Knoflacher: Ja, aber nicht aus böser Absicht. Das Auto versetzt uns in ein Raum-Zeit-Gefüge der Verantwortungslosigkeit, das wir weder begreifen noch bewältigen können. Und es hat eine starke Lobby: Die Autoindustrie, die Bauindustrie, auch die Banken, die Kredite zum Autokauf vergeben, achten tunlichst darauf, dass derartige Studien wie die gerade erwähnte von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht veröffentlicht werden.
ZEIT: Schon Teenager träumen von Autos.
Knoflacher: Weil sie durch das Mitfahren jahrelange Unfreiheit erfahren haben. Ein Kind wird durch das Auto in seiner Mobilität radikal eingeschränkt. Es darf nicht zur oder über die Straße gehen, darf nicht überall spielen, wird stundenlang in das enge Heck eines Autos gesperrt und auch noch festgeschnallt. Klar, dass Teenager es kaum erwarten können, ihre Freiheit mit dem Führerschein und einem eigenen Auto wiederzuerlangen.
ZEIT: Denken Sie, dass Autos Kriege verursachen?
Knoflacher: Hundertprozentig! Und dabei muss man gar nicht in den Irak blicken. Auch bei uns ist permanent Krieg. In Österreich werden jeden Tag auf der Straße zwei Menschen umgebracht. Der Verkehr fügt jedes Jahr 40.000 Menschen physische Schäden zu. Und da sind jene, die laut WHO infolge der Abgase sterben, noch gar nicht eingerechnet.
ZEIT: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an suburbanen Shoppingcentern, Möbelmärkten und ähnlichen Einrichtungen vorbeifahren?
Knoflacher: Das sind Parasiten! Jede Stadt mit solchen Strukturen tut mir leid. Das Verkehrsproblem ist ja unter anderem ein Kind solcher Shoppingcenter und Möbelhäuser am Stadtrand. Das Hauptproblem sind die riesigen Gratisparkplätze. Die müssten so massiv besteuert werden, dass das Parken dort genauso viel kostet wie im Stadtzentrum. Jeder soll bauen dürfen, wo er will, aber es kann doch nicht sein, dass die Geschäftsleute in den Innenstädten mit Parkgebühren kämpfen, während am Stadtrand alles gratis zur Verfügung gestellt wird.
ZEIT: Glauben Sie, dass in zehn Jahren Europas Städte so aussehen werden wie die viel verlachten US-Städte mit ihren ausgedehnten suburbanen Einfamilienhauszonen, riesigen Shoppingcentern und wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln?
Knoflacher: Nein, denn in Europa findet derzeit in vielen Städten eine Reurbanisierung statt. Das hat auch mit der Überalterung der Bevölkerung zu tun. Alte Menschen können am Stadtrand nicht den Service bekommen wie im Zentrum. Sie müssen einfach in die Stadt zurück. Davon abgesehen, wird die Energiefrage die Menschen dazu zwingen, in die Städte zurückzuziehen.
ZEIT: Sie meinen den Benzinpreis?
Knoflacher: Nein, ich meine den Energiepreis im Allgemeinen. Dieser wird sich mit Sicherheit erhöhen und alle Lebensbereiche entscheidend beeinflussen. Das betrifft Heizung, Stromversorgung, Transport – und all das fällt in der Isolierung im Einfamilienhaus am Stadtrand viel mehr ins Gewicht als im Stadtzentrum. Und ältere Menschen benötigen viele energieaufwendige Serviceleistungen, die bei Preiserhöhungen sehr teuer werden. Dabei denke ich nicht nur an »Essen auf Rädern« oder ähnliche Angebote. Je zersiedelter die Menschen wohnen, desto mehr Energie ist erforderlich. Und das werden wir uns bald nicht mehr leisten können. Das heißt, wir müssen schon jetzt nachhaltige städtische Strukturen schaffen, um die Zukunft finanzieren zu können. Denn die jetzigen Städte mit ihren Randsiedlungen sind das definitiv nicht.
ZEIT: Stimmt das Argument, dass die gesellschaftlichen Folgekosten der Mobilisierung höher sind als deren Gewinne, zu denen ja auch die Arbeitsplätze in der Autoindustrie gehören?
Knoflacher: Das stimmt absolut. Und die Rechnung wird sich für die Konsumenten noch verschlimmern, denn momentan ist Mobilität ja mehr oder weniger gratis, und das wird sich demnächst stark ändern.
ZEIT: Warum werden in Bezug auf Mobilität und Klimaschutz jetzt plötzlich die Flugreisenden kritisiert und nicht die Autofahrer?
Knoflacher: Erstens ist die schädliche Wirkung des Flugverkehrs nicht unerheblich und die Kritik berechtigt. Das liegt auch daran, dass die Billigfluglinien Passagiergruppen aktivieren, die sonst nicht im Flugverkehr anzutreffen wären. Grundsätzlich ist Fliegen die entwürdigendste Art des Transports überhaupt. Fliegen erinnert mich immer an Massentierhaltung: Hühner in einer Legebatterie, die abgefüttert werden. Im Unterschied zu den Menschen im Flugzeug sind die Hühner zumindest nicht angeschnallt.
Das Gespräch führten Martin Hablesreiter und Sonja Stummerer
Professor Hermann Knoflacher lehrt seit mehr als 30 Jahren am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien. Der 67-Jährige wurde durch seine Konzepte für Wien bekannt. Er entwickelte Fußgängerzonen, legte die Straßenbahn auf Trassen und schlug ein Radwegenetz vor.
Knoflacher: Ja, aber nicht aus böser Absicht. Das Auto versetzt uns in ein Raum-Zeit-Gefüge der Verantwortungslosigkeit, das wir weder begreifen noch bewältigen können. Und es hat eine starke Lobby: Die Autoindustrie, die Bauindustrie, auch die Banken, die Kredite zum Autokauf vergeben, achten tunlichst darauf, dass derartige Studien wie die gerade erwähnte von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht veröffentlicht werden.
ZEIT: Schon Teenager träumen von Autos.
Knoflacher: Weil sie durch das Mitfahren jahrelange Unfreiheit erfahren haben. Ein Kind wird durch das Auto in seiner Mobilität radikal eingeschränkt. Es darf nicht zur oder über die Straße gehen, darf nicht überall spielen, wird stundenlang in das enge Heck eines Autos gesperrt und auch noch festgeschnallt. Klar, dass Teenager es kaum erwarten können, ihre Freiheit mit dem Führerschein und einem eigenen Auto wiederzuerlangen.
ZEIT: Denken Sie, dass Autos Kriege verursachen?
Knoflacher: Hundertprozentig! Und dabei muss man gar nicht in den Irak blicken. Auch bei uns ist permanent Krieg. In Österreich werden jeden Tag auf der Straße zwei Menschen umgebracht. Der Verkehr fügt jedes Jahr 40.000 Menschen physische Schäden zu. Und da sind jene, die laut WHO infolge der Abgase sterben, noch gar nicht eingerechnet.
ZEIT: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an suburbanen Shoppingcentern, Möbelmärkten und ähnlichen Einrichtungen vorbeifahren?
Knoflacher: Das sind Parasiten! Jede Stadt mit solchen Strukturen tut mir leid. Das Verkehrsproblem ist ja unter anderem ein Kind solcher Shoppingcenter und Möbelhäuser am Stadtrand. Das Hauptproblem sind die riesigen Gratisparkplätze. Die müssten so massiv besteuert werden, dass das Parken dort genauso viel kostet wie im Stadtzentrum. Jeder soll bauen dürfen, wo er will, aber es kann doch nicht sein, dass die Geschäftsleute in den Innenstädten mit Parkgebühren kämpfen, während am Stadtrand alles gratis zur Verfügung gestellt wird.
ZEIT: Glauben Sie, dass in zehn Jahren Europas Städte so aussehen werden wie die viel verlachten US-Städte mit ihren ausgedehnten suburbanen Einfamilienhauszonen, riesigen Shoppingcentern und wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln?
Knoflacher: Nein, denn in Europa findet derzeit in vielen Städten eine Reurbanisierung statt. Das hat auch mit der Überalterung der Bevölkerung zu tun. Alte Menschen können am Stadtrand nicht den Service bekommen wie im Zentrum. Sie müssen einfach in die Stadt zurück. Davon abgesehen, wird die Energiefrage die Menschen dazu zwingen, in die Städte zurückzuziehen.
ZEIT: Sie meinen den Benzinpreis?
Knoflacher: Nein, ich meine den Energiepreis im Allgemeinen. Dieser wird sich mit Sicherheit erhöhen und alle Lebensbereiche entscheidend beeinflussen. Das betrifft Heizung, Stromversorgung, Transport – und all das fällt in der Isolierung im Einfamilienhaus am Stadtrand viel mehr ins Gewicht als im Stadtzentrum. Und ältere Menschen benötigen viele energieaufwendige Serviceleistungen, die bei Preiserhöhungen sehr teuer werden. Dabei denke ich nicht nur an »Essen auf Rädern« oder ähnliche Angebote. Je zersiedelter die Menschen wohnen, desto mehr Energie ist erforderlich. Und das werden wir uns bald nicht mehr leisten können. Das heißt, wir müssen schon jetzt nachhaltige städtische Strukturen schaffen, um die Zukunft finanzieren zu können. Denn die jetzigen Städte mit ihren Randsiedlungen sind das definitiv nicht.
ZEIT: Stimmt das Argument, dass die gesellschaftlichen Folgekosten der Mobilisierung höher sind als deren Gewinne, zu denen ja auch die Arbeitsplätze in der Autoindustrie gehören?
Knoflacher: Das stimmt absolut. Und die Rechnung wird sich für die Konsumenten noch verschlimmern, denn momentan ist Mobilität ja mehr oder weniger gratis, und das wird sich demnächst stark ändern.
ZEIT: Warum werden in Bezug auf Mobilität und Klimaschutz jetzt plötzlich die Flugreisenden kritisiert und nicht die Autofahrer?
Knoflacher: Erstens ist die schädliche Wirkung des Flugverkehrs nicht unerheblich und die Kritik berechtigt. Das liegt auch daran, dass die Billigfluglinien Passagiergruppen aktivieren, die sonst nicht im Flugverkehr anzutreffen wären. Grundsätzlich ist Fliegen die entwürdigendste Art des Transports überhaupt. Fliegen erinnert mich immer an Massentierhaltung: Hühner in einer Legebatterie, die abgefüttert werden. Im Unterschied zu den Menschen im Flugzeug sind die Hühner zumindest nicht angeschnallt.
Das Gespräch führten Martin Hablesreiter und Sonja Stummerer
Professor Hermann Knoflacher lehrt seit mehr als 30 Jahren am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien. Der 67-Jährige wurde durch seine Konzepte für Wien bekannt. Er entwickelte Fußgängerzonen, legte die Straßenbahn auf Trassen und schlug ein Radwegenetz vor.
Werte statt Wirtschaft
Zitat
Europa ist eine Idee. Diese Idee unterscheidet sich von den Ideen in
anderen Weltregionen. Es ist die Idee einer solidarischen und
demokratischen Gesellschaft, in der niemand zurückgelassen wird und
jeder eine zweite Chance bekommt, und es ist die Idee, dass es trotz
kultureller Vielfalt eine Einheit geben kann.
Donnerstag, 2. Mai 2013
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