Engel des Vergessens - Von Maja Haderlap
Maja Haderlaps autobiografischer Roman
beginnt in kleinen, wunderbaren Bilder und endet als verstörendes
Kriegsgemälde.
Maja Haderlaps 2011
erschienenes Romandebut ist ein besonderer Text. Einer, der als Buch der
kleinen, wunderbaren Bilder beginnt und als verstörendes Kriegsgemälde
endet. Die 1961 in Bad Eisenkappel geborene Autorin beschreibt Kindheit
und Jugend ihrer Protagonistin Kokica in einem Gebirgsdorf Kärntens
unmittelbar an der slowenischen Grenze. Hier wächst das Mädchen in den
1960er und 70er Jahren auf, hier lernt es die zerrissenen Weisheiten
ihrer Großmutter und die Trauer ihres Vaters Stück für Stück kennen.
Nur in brüchigen Teilen erfährt die junge Kokica die Geschichte ihrer
Familie, nur langsam schält sich aus den einzelnen, grandios
komponierten Erzähl-Miniaturen der Hintergrund heraus: Die Familie
gehört zur slowenischen Minderheit Österreichs, die Großmutter wurde im
KZ Ravensbrück interniert, der Vater als Zwölfjähriger von den Nazis mit
Schein-Exekutionen gefoltert – als jüngstes Mitglied schloss er sich
den Partisanen an.
Zeigen die ersten Szenen des Romans noch ein naturnahes Bergidyll –
frisch gebackenes Brot, selbst geschleuderter Honig, blühende Natur –,
verändert das wachsende Bewusstsein des Mädchens auch seine Wahrnehmung.
Die Bienen beginnen zu stechen, der Wald wird nicht mehr nur ein Ort
zum Pilze sammeln und Jagen, sondern zu einem, an dessen Bäumen im
Zweiten Weltkrieg Menschen erhängt und in dessen Dickicht sich die
Partisanen des Widerstandes versteckt haben. Kokica ertrinkt fast in
einem Weiher, der Todeshauch führt dazu, dass ihre Großmutter mehr von
ihrem Leben im Lager erzählt – der Schmerz älterer Generationen
verändert auch Kokicas Gegenwart.
Johanna Rachinger: Die Generaldirektorin der
Nationalbibliothek beschreibt die besten 100 Bücher der letzten 100
Jahre.
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Foto: Kurier
Maja Haderlap schreibt "Engel des Vergessens" in der Gegenwart und
nutzt die Ich-Perspektive. Aber der in den Buchseiten versteckte Blick
ist nie nur der eines jungen Mädchens – stets blitzt die erwachsene und
reflektierte Frau der Gegenwart hervor. Bis in das Jahr 1991 begleiten
wir Kokica, die in Klagenfurt ein Internat besuchen und schließlich in
Wien Theaterwissenschaften studieren wird – auch die Autorin arbeitete
erfolgreich als Dramaturgin. Maja Haderlap gewann mit einem Auszug von
"Engel des Vergessens" im letzten Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis – sie
habe den slowenischen Opfern eine Stimme gegeben, heißt es ausdrücklich
in der Laudatio. Und diese Stimme ist wahrlich kreativ und stark. Wie
nebenbei lässt die in Klagenfurt lebende Autorin außerdem die
verschiedensten Literaturgattungen hinter sich: Heimat-, Familien- und
Bildungsroman werden jeweils aufgegriffen, ein Stück weit genutzt und
wieder hinter sich gelassen – der Text ist auch ein stilistisch vielfach
gebrochener.
Haderlap schrieb ihren autobiografischen Roman auf Deutsch. Bis dahin
veröffentlichte sie eindringliche, stets auf Slowenisch verfasste
Lyrik. Die Bilder und Geschichten dagegen, die in "Engel des Vergessens"
verarbeitet werden, hätten sie Zeit ihres Lebens begleitet, erklärt
Haderlap in einem Interview. Der Text sei lange gereift und nicht in
ihrer Muttersprache geschrieben, "weil mir in dem Fall die deutsche
Sprache geholfen hat, Distanz zum Thema zu halten." Und dieses Thema ist
so wichtig wie überfällig, wurde das Schicksal der Slowenen während der
Nazizeit doch lange tabuisiert oder zumindest ignoriert.
Ja, Maja Haderlap hat eine starke Stimme. Eine zu gleichen Teilen
literarische wie politische, eine Stimme, die durch "Engel des
Vergessens" zu den wichtigsten unserer Literaturlandschaft gehört.
Die Protagonistin Maria Beerenberger, Ende vierzig, verliert als
älteste Verkäuferin eines Modeladens ihren Job und sieht sich der
erbarmungslosen Wirklichkeit des Arbeitsmarktes ausgeliefert. Aber nicht
die Kündigung, sondern die Streichung des Arbeitslosengeldes der
fortdauernd beschäftigungslosen Maria markiert den Beginn des Romans,
für den Anna Weidenholzer eine besondere Erzählform gefunden hat, denn
die Biografie der Protagonistin wird rückwärts erzählt.
Kapitelweise erfährt der Leser so mehr von dem Leben der Hauptfigur, das
sich Schritt für Schritt zu einem Gesamtbild fügt - Maria als Witwe,
Maria als Ehefrau, als Schwester oder zum ersten Mal verliebt. Wie die
1984 in Linz geborene Autorin zu dieser literarischen Form gefunden hat,
erzählt sie im Interview:
"Ich hab für das Buch mit arbeitslosen Frauen gesprochen und es war
jedes Mal dieselbe Ausgangssituation. Ich hab mich mit einer Frau
getroffen, von der ich gewusst habe, sie ist arbeitslos, wie sie heißt,
vielleicht noch, als was sie gearbeitet hat, und sonst nichts. Und man
trifft sich dann und spricht und das waren dann immer so kleine Mosaike,
die am Schluss ein Ganzes zusammengesetzt haben und am Ende war's dann
immer ein anderes Bild von dieser Person und nicht nur dieses Bild von
der arbeitslosen Frau, sondern weit mehr."
Ausgestoßen
Diese Gesprächssituation nachzeichnend, beschreibt Weidenholzer die
alltägliche Geschichte einer schlichten Frau im kleinstädtischen Milieu,
die nun durch den Verlust des Arbeitsplatzes zur gesellschaftlichen
Außenseiterin und als Sozialschmarotzerin gebrandmarkt wird. Aufgrund
ihres Alters ist sie auf dem Arbeitsmarkt so gut wie wertlos. Die
zynischen Floskeln von AMS-Trainern rufen in Maria Schuld und Scham
hervor.
Zitat
"Ab fünfundvierzig wird es zunehmend schwierig, warum sollte sich
ein Arbeitgeber für Sie entscheiden, wenn hinter Ihnen eine ganze Reihe
junger attraktiver Verkäuferinnen steht. Warum, Frau Beerenberger.
Überlegen Sie sich Argumente, Sie müssen überzeugend auftreten. Es gibt
nur wenige Stellen, man muss ein Bewerbungsprofi sein, damit einen die
Personalberater nicht am linken Fuß erwischen."
Einsam
An den Rand der Gesellschaft gedrängt, verliert Maria nach und nach
ihre sozialen Kontakte. Am liebsten schlägt sie ihre leeren Stunden auf
einer Bank am Kirchplatz tot, dazwischen hagelt es Bewerbungsabsagen.
Bald wird klar, dass die Protagonistin weit mehr als nur ihre Arbeit
verloren hat.
"Es ist ja oft die erste Frage, wenn man jemanden kennenlernt: Was
arbeitest du? Und ich glaube, dass das sehr entscheidend ist im Leben,
was man wo arbeitet", meint Anna Weidenholzer. "Und wenn man dann diesen
Arbeitsplatz verliert, dass man nicht nur sein soziales Umfeld
verliert, sondern auch ein Stück Identität und Tagesstruktur.
Um der Leere entgegenzuwirken, entwirft die Protagonistin Tagespläne, in
denen sie ihre Stunden mit Tätigkeiten füllt. Und Maria setzt sich ein
Ziel: Sie will eine Kaulquappe, der sie den Namen Otto gibt, aufziehen
und, bis diese ein Frosch ist, wieder Arbeit gefunden haben. Doch der
Leser hat schon zuvor von Ottos Tod erfahren und kennt daher die
Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens.
Gescheitert
"Ja, es ist einer dieser Versuche von Maria", so Weidenholzer. "Auch
mit den Selbstoptimierungsbüchern in diese Richtung. Sie verfällt ja
auch immer mehr in dieses Selbstoptimierungsdenken und da spielt Otto
halt auch diese Rolle, dass man sich Ziele setzen soll, das ist einer
dieser klassischen Ratgebersätze und Maria scheitert immer mehr an
diesen Zielen oder an diesen Ratgebersätzen. Das Blöde ist, wenn sie
daran scheitert, dass es immer auf sie zurückfällt und sie dann die
Schuld trägt oder sich selbst die Schuld gibt. Das ist auch das Schlimme
an der Selbstoptimierungsliteratur."
Solche Szenen sind durchdrungen von Traurigkeit, der dumpfen Ahnung von
der Unfreiheit des Menschen, gleichzeitig aber wird die Schwere des
Stoffes durch die ihm anhaftende Skurrilität konterkariert. Mit einer
Sprache, die so einfach wie das Gemüt der Protagonistin ist, gelingt es
der Autorin, ihre Geschichte einfühlsam und ohne Arroganz zu erzählen.
Nur folgerichtig scheint es, dass Weidenholzer ihre Heldin letztendlich
nicht aufgibt, sondern auf das Prinzip Hoffnung setzt:
"Mir war's auch wichtig, dass auch die Arbeitslosigkeit nicht das Ende
von dem Buch ist, also dass es nicht der Schlusspunkt ist. Ich glaube,
dass Hoffnung da ist zum einen dadurch, dass es ja mit dem Ende beginnt.
Und ich glaube solange Maria da ist, ist immer irgendwo Hoffnung da,
und Marias Hoffnung wäre vielleicht, dass wer kommt und ihr zuhört und
dass sie vor allem ernst genommen wird und das ist diese Hoffnung, die
Maria noch hat."
Anna Weidenholzer hat den Verlierern der Leistungsgesellschaft zugehört -
und noch mehr: Sie hat ihnen eine authentische Stimme gegeben.
"Vielleicht habe ich zu viel über Würde gelesen, um ernsthaft über
österreichische Politik reden zu können" schreibt Armin Thurnher unter
anderem in seinem Buch "Republik ohne Würde". Auf 300 Seiten folgen
Fakten, Reflexionen und auch persönliche Betroffenheiten rasend schnell
aufeinander: Wenn es zum Beispiel einmal nicht um Politik geht, sondern
nur um das Achselzucken eines Beamten, der damit die Betroffenheit des
Autors über den Diebstahl seines Laptops kommentiert. Auch das ist einer
der Augenblicke in dem die Würde eines Menschen beschädigt wird, nicht
nur zum Beispiel bei der Abschiebung von Minderjährigen in noch tiefere
Ungewissheit.
Rainer Rosenberg spricht mit Falter Herausgeber Armin Thurnher über sein
Buch, das Rezensenten als "Abrechnung mit Österreich" und als "
sarkastische Sammelklage gegen die Verkommenheit von Wählern und
Gewählten" beschrieben haben.
"An die Stelle von Big Brother tritt Big Data", postuliert Byung-Chul Han.- Sein Fazit:
Zitat
Die Selbstausleuchtung ist effizienter als die Fremdausleuchtung.
Die Kontrollgesellschaft vollendet sich dort, wo ihre Bewohner nicht
durch äußeren Zwang, sondern aus innerem Bedürfnis heraus sich
mitteilen, wo also die Angst davor, seine Privat- und Intimsphäre
aufgeben zu müssen, dem Bedürfnis weicht, sie schamlos zur Schau zu
stellen, das heißt, wo Freiheit und Kontrolle ununterscheidbar werden.
Vorsicht ist geboten!
Wie all dem entkommen? Darauf gibt Byung-Chul Han in seinem Buch
keine Antwort. Vielleicht, weil die Flucht vor dem digitalen Netz dem
Wunsch gleich käme, völlig abgeschottet auf einer einsamen Insel zu
hausen. Das digitale Zeitalter ist eben unsere Zeit. Man kann - und
sollte! - Byung-Chul Hans schmales Buch "Im Schwarm" aufmerksam lesen.
Nein, man muss nicht alle seine Ansichten teilen, manche sind -
hoffentlich! - doch etwas apokalyptisch. Aber eine Grundstruktur lässt
sich ausmachen: Vorsicht ist geboten!
Dipol-Dipol-Kräfte werden als Van-der-Waals-Wechselwirkungen
bezeichnet und treten grundsätzlich zwischen allen Arten von Atomen, Molekülen und Ionen auf, auch wenn diese
unpolar sind. Sie können anziehend oder abstoßend sein. Bei größerem Abstand zwischen den Teilchen überwiegt die
Anziehung. Die Van-der-Waals-Kräfte sind sehr schwach, addieren sich jedoch bei größeren
Assoziationsflächen. Ihre Stärke nimmt mit zunehmender Molekülgröße und Polarisierbarkeit zu.Bei zu
nahem Kontakt der Atome kommt es zu einer starken Abstoßung sowohl der positiv geladenen Kerne als auch der
vollbesetzten Orbitale (Verbot durch Pauli-Prinzip). Die Stärke der Van-der-Waals-Wechselwirkungen unter
Berücksichtigung dieser Abstoßung wird annäherungsweise durch das Lennard-Jones-Potenzial beschrieben.Man unterscheidet drei Komponenten der Van-der-Waals-Wechselwirkungen:Wechselwirkung - permanenter Dipol-permanenter Dipol (Richteffekt)Bei der Anziehung von permanenten Dipolen kommt es zur Ausrichtung der Dipole, die dadurch in einen energieärmeren
Zustand übergehen. Die Änderung der Geometrie wird aber nur dann angenommen, wenn die Anziehungskraft größer ist als
die thermische Energie. Von den drei Arten der Dipol-Dipol-Wechselwirkungen sind diese Kräfte zwischen permanenten
Dipolen die Stärksten.Abb.1
Bei der Anordnung der Dipole sind zwei energetisch günstige Anordnungen denkbar.
die Salze von Ameisensäure heißen Formiate, die
von Essigsäure Acetate, die von Schwefelsäure Sulfate oder
Hydrogensulfate, wenn noch Wasserstoff dran ist. Die Salze von Salzsäure
heißen Chloride, die von Salpetersäure sind die Nitrate.
Das Phänomen der Mesomerie bezeichnet die Variation eines chemischen Moleküls durch Elektronenverschiebungen.
2 Hintergrund
Ein Molekül ist nicht starr. Ständige Einflüsse (molekular, statisch, elektrisch) führen dazu, dass sich Elektronen
verschieben. Aufgrund der Ladungsverschiebungen können viele
"Varianten" oder Grenzstrukturen eines Moleküls vorliegen. Mesomere
Grenzstrukturen sind eine Methode, die Bindungsverhältnisse in Molekülen oder Molekül-Ionen wiederzugeben. Eine einzelne Lewis-Formel
kann eine chemische Substanz nicht vollständig veranschaulichen. Die
realen Verhältnisse liegen als Mittel zwischen mehreren Grenzformeln
vor.
3 Beispiel
Ethanal kann als gutes Beispiel verwendet werden. Die CHO-Gruppe des Aldehydes eröffnet Verschiebungen zwischen dem Kohlenstoffatom und dem Sauerstoffatom in der Carbonylgruppe.
Die Mechanismen chemischer Reaktionen lassen sich mit mesomeren Grenzstrukturen oft leichter erklären. Substituenten, welche die Elektronendichte eines Moleküls erhöhen, erleichtern den elektrophilen Angriff (Induktiver Effekt). Umgekehrt wird der elektrophile Angriff durch Substituenten, welche die Elektronendichte vermindern, erschwert.
Das Auflösen von Ammoniumchlorid in Wasser verläuft unter
starker Abkühlung. Die Reaktion ist endotherm. Obwohl diese Reaktion
unter Aufnahme von Energie aus der Umgebung abläuft, verläuft sie
spontan (freiwillig). Ist das nun ein Widerspruch zu dem, was bisher
erläutert wurde? Nein! Die bisherigen Betrachtungen haben bereits
gezeigt, dass für den freiwilligen Ablauf einer Reaktion auch die
Entropie berücksichtigt werden muss. Die Enthalpie allein sagt noch
nichts darüber aus, ob die Reaktion spontan abläuft. Eine neue
Zustandsgröße, die freie Enthalpie ΔG, wurde daher eingeführt. Sie
beschreibt den Energieanteil eines Reaktionssystems quantitativ, der bei
konstantem äußeren Druck (keine Volumenarbeit wird geleistet) maximal
in Arbeit umgewandelt werden kann. Die freie Enthalpie für eine
Reaktion, bei der sich beim Übergang vom Ausgangszustand zum Endzustand
die Temperatur nicht ändert, wird nach folgender Gleichung berechnet:
∆G = ∆H – T • ∆S (T steht für die absolute Temperatur in Kelvin.)
Anhand
der Gleichung ist ersichtlich, dass eine Reaktion dann spontan
verlaufen wird, wenn die freie Enthalpie insgesamt abnimmt. Dabei spielt
es keine Rolle, was jeweils mit der Enthalpie und Entropie für sich
allein geschieht. Nur das Zusammenspiel der beiden ist entscheidend.
Ist ∆G < 0, verläuft die Reaktion freiwillig. Das
ist immer der Fall, wenn Enthalpie und Entropie zusammen wirken, d. h.,
wenn Wärme freigesetzt wird und die Unordnung zunimmt. Wirken Enthalpie
und Entropie gegeneinander, z. B. bei der Bildung von Wasser aus
Wasserstoff und Sauerstoff:
∆H = - 285 kJ/mol und ∆S = - 163,5 J/K • mol ,
so ist entscheidend für die Freiwilligkeit der Reaktion, welcher Faktor überwiegt.
Wenn ∆G einen positiven Wert annimmt, läuft die Reaktion nicht freiwillig ab. Solche Reaktionen werden als endergonisch bezeichnet.
Ist ∆G kleiner als Null, so läuft die Reaktion freiwillig ab. Solche Reaktionen bezeichnet man als exergonisch.
Nur durch die Berechnung von ∆G lässt sich also vorhersagen, ob die Reaktion freiwillig abläuft oder nicht! Im
Folgenden wird beispielhaft die freie Standardreaktionsenthalpie für
die Bildung von Wasser aus den Elementen berechnet. Da absolute freie
Enthalpien nicht messbar sind, wird sie nach der
Gibbs-Helmholtz-Gleichung berechnet. Die dafür benötigten Werte
(Standardbildungsenthalpien, Standardentropien) können in Tabellen
nachgeschlagen werden.
Die Enthalpie H ist eine thermodynamische Zustandsgröße. Sie ist eine Bezeichnung
für die abgegebene bzw. aufgenommene
Wärmemenge einer Reaktion. Sie wird in kJ (Kilojoule) gemessen. Man kann nicht die
Enthalpie eines Zustands messen, sondern nur
immer die Differenz zwischen zwei Zuständen. Geht ein Zustand durch Reaktion in einen anderen über, so kann man die
abgegebene bzw. aufgenommene Wärmemenge messen, sie wird DH
genannt:
Reaktionen, bei denen Wärme abgegeben wird nennt man exotherm. Die Zahlenwerte werden
mit einem negativen Vorzeichen versehen.
Solche Reaktionen, die Wärme benötigen werden endotherm
genannt. Ihre Zahlenwerte werden mit einem positiven Vorzeichen versehen.
Ein Beispiel für eine exotherme Reaktion ist die Knallgasreaktion zwischen Sauerstoff und Wasserstoff zu Wasser:
Radioaktive Strahlung entsteht beim Umwandeln von
instabilen Atomkernen (Radionukliden). Dabei wird zwischen Alphastrahlung,
Betastrahlung und Gammastrahlung unterschieden. Alphastrahlung Alphastrahlung ist eine Teilchenstrahlung.
Es handelt sich bei Alphateilchen um
doppelt positiv geladene Heliumkerne.
Bild 1 zeigt eine solche Kernumwandlung. Die Reaktionsgleichung lautet:
Bei Abgabe von Alphastrahlung verringert sich die
Massenzahl um 4 und die Kernladungszahl (Ordnungszahl) um 2. Betastrahlung Betastrahlung ist ebenfalls eine Teilchenstrahlung.
Es handelt sich dabei um Elektronen
oder um Positronen.
Bild 2 zeigt eine Kernumwandlung, bei der Elektronen frei werden. Die
Reaktionsgleichung lautet:
Bei Abgabe eines Elektrons bleibt die Massenzahl
gleich. Die Kernladungszahl (Ordnungszahl) vergrößert sich
um 1. Bei solchen Kernumwandlungen ist zu beachten, dass dieses frei werdende
Elektron nicht aus der Atomhülle stammt. Es entsteht vielmehr dadurch,
dass sich im Atomkern ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt:
Die Betastrahlung, bei der Elektronen abgegeben werden,
bezeichnet man auch als Elektronenstrahlung
oder als . Bei Kernumwandlungen können auch Positronen
abgegeben werden. Das sind ebenfalls Teilchen, die aber im Unterschied
zu Elektronen keine negative Ladung, sondern eine gleich große positive
Ladung besitzen. Bild 3 zeigt ein Beispiel für eine solche Kernumwandlung.
Die Reaktionsgleichung lautet:
Bei Abgabe eines Positrons bleibt die Massenzahl gleich.
Die Kernladungszahl (Ordnungszahl) verkleinert sich um 1. Ein Positron
entsteht, wenn sich im Kern ein Proton in ein Neutron und ein Positron
umwandelt:
Die Betastrahlung, bei der Positronen abgegeben werden,
wird auch als Positronenstrahlung
oder als
bezeichnet. Gammastrahlung Gammastrahlung ist eine
elektromagnetische Strahlung kurzer Wellenlänge. Die Wellenlänge ist kleiner als ,
die Frequenz größer als .
Damit liegt diese Strahlung am kurzwelligen Ende des Spektrums elektromagnetischer
Wellen.
Bild 4 zeigt ein Beispiel für eine Kernumwandlung mit Gammastrahlung.
Die Reaktionsgleichung lautet:
Im Unterschied zu Alpha- und Betastrahlung verändert
sich die Zusammensetzung des Atomkerns bei Gammastrahlung nicht. Der Kern
gelangt aber von einem energiereicheren (angeregten) Zustand in einen
energetisch niedrigeren und damit meist auch stabileren Zustand. Das ist
vergleichbar mit der Aussendung von Licht, wo sich ebenfalls der energetische
Zustand von Atomen, nicht aber ihre Zusammensetzung ändert. Die Vorgänge
vollziehen sich bei Licht allerdings nicht im Atomkern, sondern in der
Atomhülle.
Das auch als Molvolumen bezeichnete molare Volumen Vm ist definert als Rauminhalt, den 1n = 6,02214129(27) × 1023 Teilchen eines Stoffes einnehmen.
Die temperatur- und druckabhängige Größe wird in m3 mol-1 angegeben.
Die angegebene Stoffmenge n entspricht dabei einem Mol.
Es gilt (mit V = Volumen, n = Stoffmenge, M = Molare Masse, NA = Avogadro-Konstante, ρ = Dichte):
Elektrisch geladene Teilchen, die in Wasser gelöst werden, besitzen im Allgemeinen eine Hydrathülle. Was darunter genau zu verstehen ist, erfahren Sie im Folgenden.
Eine Hydrathülle entsteht generell dadurch, dass sich beim Prozess der Hydration Wassermoleküle an gelöste Ionen (elektrisch geladene Teilchen) anlagern. Sie wird auch als Hydratsphäre bezeichnet. 1
Beachtenswert ist dabei, dass Wassermoleküle zu den sogenannten asymmetrischen Molekülen gehören, welche elektrische Dipole bzw. Zweifachpole erzeugen können.
2
Der Grund für das Anlagern der Wassermoleküle an die Ionen und damit das Entstehen der Hydrathülle sind die elektrostatischen Kräfte zwischen diesen Dipolen und den Ionen. Man spricht hier auch von der sogenannten Ionen-Dipol-Wechselwirkung. 3
Weitere Hinweise zur Beschaffenheit von Hydrathüllen
Manche Ionen besitzen kleinere und andere größere Hydrathüllen. Woran das genau liegt, erfahren Sie hier:
Die Dichte sowie die Stärke der Hydrathülle hängen von zwei Faktoren, nämlich zum einen von der Größe und zum anderen von der Ladung der Ionen ab.1
Dabei gilt die kontraintuitive Regel, dass ein kleines Ion eine größere Hydrathülle erzeugt als größeres Ion mit der gleichen Ladung.2
Daraus folgt auch, dass Anionen (positiv geladene Ionen), die in der Regel deutlich größer sind als Kationen (negativ geladene Ionen), weniger stark hydratisiert sind und eine kleinere Hydrathülle aufweisen.3
Diese Erklärungen sollten genügen, um den Begriff der Hydrathülle richtig verstehen und anwenden zu können. In der Chemie wird ein elektrisch geladenes Teilchen, das hydratisiert ist bzw. eine Hydrathülle besitzt,
Alle chemischen Reaktionen sind mit Energieumsetzungen verbunden. Es werden exotherme und endotherme Reaktionen unterschieden.
exotherm
Bei der Reaktion wird Wärmeenergie an die Umgebung abgegeben.
Beispiel: Kohle verbrennt.
endotherm
Bei der Reaktionen wird (Wärme)-Energie aufgenommen. Endotherme Reaktionen laufen nur unter ständiger Energiezufuhr ab. Wird die Energiezufuhr unterbrochen, so kommt die Reaktion zum Stillstand.
Beispiel: Zerlegung des Wassers mit Hilfe von elektrischem Strom.
Jeder von uns ist bestimmt schon einmal über den Begriff der Molmasse
gestolpert, doch was sagt sie eigentlich aus? Die Einheit der Molmasse
ist g/mol. Die Molmasse ist eine grundlegende Eigenschaft der Moleküle,
ohne die in der Chemie keine Berechnungen durchgeführt werden könnten.
Die Molmasse gibt an, wie viel Gramm Atome oder Moleküle eines gewissen
Stoffes wiegen, das heißt wie schwer sie sind. Dieses Wissen benötigt
man, um exakte Mischverhältnisse in der Chemie und Physik zu realisieren
oder den Energiegehalt eines Mediums zu bestimmen. Kurzer Exkurs: was ist die Avogadro Konstante? Die
Einheit einer Stoffmenge in der Chemie ist das Mol, was sich auf eine
unvorstellbar große Anzahl von kleinsten Teilchen bezieht, die in dieser
Stoffmenge enthalten sind. Die Anzahl der Atome beziehungsweise
Moleküle darin beträgt 602 214 179 000 000 000 000 000, diesen Wert
bezeichnet man als Avogadro-Konstante. Diese Zahl scheint aus der Luft
gegriffen, doch ist sie wohl überlegt: Dies ist die exakte Menge an
Protonen oder Neutronen, welche zusammen ein Gramm wiegen. Da die
restlichen Elektronen (ein negativ geladenes, den Atomkern umkreisendes
Teilchen), verglichen mit den Protonen (positiv geladenes Teilchen aus
dem Atomkern) und Neutronen (ein ungeladenes Teilchen aus dem Atomkern),
auch Kernteilchen genannt, beinahe gewichtslos sind, ist die molare
Masse eines Atoms, meist nur etwas mehr, als die Anzahl der enthaltenen
Kernteilchen. Wie kann man die Molmasse berechnen? Man sieht
sich die Molekülformel (oder auch die Summenformel genannt, welche in
der Chemie dazu dient, die Anzahl der gleichartigen Atome in einem
Molekül anzugeben) an oder bei Salzen die Substanzformel. Von allen an
der Verbindung beteiligten Atomsorten (Elemente) nimmt man die relative
Atommasse (der Zahlenwert, der Atommasse, ohne Maßeinheit) mal der
Anzahl der Atome dieses Elements in der Verbindung und addiert alle
diese Produkte aus Atommasse mal Atomzahl. Die Atomzahl ist die
relativen Atommassen der Elemente stehen im Periodensystem der Elemente.
Das Ergebnis in Gramm angegeben ist dann die molare Masse der
Verbindung. Also die molare Masse (M) ist der Quotient aus der Masse (m) und der Stoffmenge (n) eines Stoffes mit der FORMEL: M = m/n.
Eine Aussenschale ist mit 8 Elektronen vollständig gefüllt. Diese Konfiguration ist energetisch besonders günstig und stabil.
Eine vollständig gefüllte Außenschale nennt man die
Edelgaskonfiguration. Alle Atome sind bestrebt, die Edelgaskonfiguration
zu erreichen.
Dieses Bestreben ist eine wesentliche Triebkraft für das Zustandekommen von chemischen Bindungen.
Die Edelgase haben von vornherein die Edelgaskonfiguration und beteiligen sich daher kaum an irgendwelchen Verbindungen.
Je mehr Elektronen ein Atom bereits in seiner Außenschale hat, desto
größer ist das Bestreben, durch Erwerb weiterer Elektronen die
Edelgaskonfiguration zu erreichen.
Als Elektronegativität bezeichnet man die Tendenz eines Atoms, weitere Elektronen aufzunehmen.
Durch die Aufnahme von weiteren Elektronen entsteht ein negativ geladenes Ion.
Die Elektronegativität ist nicht direkt meßbar. Die
Elektronegativitäten können nur relativ zueinander gemessen werden. Eine
Skala der wurde vom Nobelpreisträger Linus Pauling vorgeschlagen.
Als Referenzgröße dient die 2. Periode des Periodensystems.
Element
Li
Be
B
C
N
O
F
Ne
Elektronegativität
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
--
Die Elektronegativität der Elemente
Eine vollständig gefüllte Außenschale nennt
man die Edelgaskonfiguration. Alle Atome sind bestrebt, die
Edelgaskonfiguration zu erreichen.
Elemente der ...
7. Hauptgruppe
werden daher versuchen, einem anderen Atom ein Elektron zu "rauben", um so die Außenschale mit 8 Elektronen aufzufüllen.
6. Hauptgruppe
die zwei Elektronen zum Auffüllen der Außenschale benötigen, sind noch stark elektronegativ.
5. Hauptgruppe
benötigen schon drei Elektronen zum Auffüllen der Außenschale. Die Elektronegativität ist nur noch schwach ausgeprägt.
1. Hauptgruppe
Die Elemente der würden sieben Elektronen zum Auffüllen der
Außenschale benötigen. Da dies kaum möglich ist verfolgen die Elemente
der ersten drei Hauptgruppen eine gänzlich andere Strategie:
Sie versuchen, die Außenelektronen abzugeben, so daß die
Außenschale komplett leer ist. Die nächst innere Schale, die ja
vollständig gefüllt ist, wird dadurch so zu sagen zur Außenschale, so
daß die Edelgaskonfiguration ebenfalls erreicht wird.
Elemente der ersten Hauptgruppe geben also ein Elektron ab
2. Hauptgruppe
geben demnach zwei Elektronen ab
3. Hauptgruppe
geben also drei Elektronen ab
4. Hauptgruppe
nehmen eine Sonderstellung ein. In dieser Gruppe befinden
sich vier Elektronen in der Außenschale. Ein Atom müßte also entweder
vier Elektronen aufnehmen oder abgeben.
Da beides schon recht schwierig ist, versuchen diese Elemente die
Außenschale durch gemeinsame Nutzung von Bindungselektronen
aufzufüllen. Es kommt zur sogenannten „kovalenten Bindung“.
8. Hauptgruppe
Die Edelgase haben von vornherein schon eine voll besetzte Außenschale und daher keine Elektronegativität.
Im Periodensystem nimmt die Elektronegativität mit steigender Gruppennummer (von links nach rechts zu).
Innerhalb einer Gruppe nimmt die Elektronegativität von unten nach oben zu.
Die Edelgase haben von vornherein schon eine voll besetzte Außenschale und daher keine Elektronegativität.
Die Gleichung von Schrödinger beschreibt den Energiebetrag eines
jeden Elektrons in einem Atom mit den Quantenzahlen.
2.1 Hauptquantenzahl n
Die Hauptquantenzahl n bestimmt die möglichen Energieniveaus des Elektrons im
Atom, die auch Schalen (K-, L-, M-, N-, O-, ..., -Schale) genannt werden. n kann
dabei ganzzahlige Werte wie 1, 2, 3, 4,... annehmen. Anschaulich gibt n die
Größe eines Orbitals an.
2.2 Nebenquantenzahl (Bahndrehimpulsquantenzahl) l
Die Nebenquantenzahl l kann alle Werte annehmen die kleiner gleich n-1 sind,
d. h. sie können 0, 1, 2, 3,..., n-1 sein. Anschaulich gibt sie Auskunft über die
Gestalt eines Orbitals (Aufenthaltswahrscheinlichkeitsraum). Die so erhaltenen
Quantenzustände nennt man s-, p-, d-, f-Zustand.
l = 0 s (sharp): kugelförmig s-Orbital
l = 1 p (principal): hantelförmig
p-Orbital
l = 2 d (diffuse): Doppelhantel d-Orbital
l = 3 f (fundamental): Mehrfachhantel und Ringe
f-Orbital Abbildungen siehe Literatur [10]
2.3 Magnetische Quantenzahl ml
Die magnetische Quantenzahl ml beschreibt die Orientierung
des Orbitals im Raum. Sie kann alle Werte von +l bis -l annehmen. Die so
erhaltene Anzahl der ml-Werte gibt an, wie viele s-, p-, d- und
f-Zustände existieren.
2.4 Spinquantenzahl ms
Zur vollständigen Beschreibung eines Elektrons benötigt man noch die
Spinquantenzahl ms. Sie gibt die Eigendrehung des Elektrons
an. Dafür existieren zwei Quantenzustände: linksdrehend,
rechtsdrehend. Die Spinquantenzahl kann hierfür die folgenden zwei Werte
annehmen: ms = + 1/2; ms = - 1/2
3. Elektronenkonfiguration
Definition: Die Verteilung der Elektronen auf die Orbitale nennt man
Elektronenkonfiguration.
Die maximale Anzahl an Elektronen pro Schale kann man mit Hilfe der
Hauptquantenzahl n berechnen: 2n2 . Die Verteilung der
Elektronen auf die Schalen erfolgt nach folgendem Schema:
Abb. 3: Das
Besetzungsschema der Orbitale
Da ab der M-Schale die Energieniveaus verschiedener Schalen
überlappen, erfolgt die Auffüllung nicht mehr der Reihe nach. Des
Weiteren müssen bestimmte Regeln (siehe 4.1 und 4.2) beim Besetzen der
Orbitale berücksichtigt werden.
3.1 Pauli-Prinzip
Das Pauliprinzip besagt, dass ein Atom keine Elektronen enthalten
darf, die in allen vier Quantenzahlen übereinstimmen. Daraus folgt
wiederum, dass jedes Orbital nur mit zwei Elektronen entgegengesetzten
Spins besetzt werden darf.
3.2 Hund'sche Regel
Die Hund'sche Regel besagt, dass die Orbitale einer Unterschale so
besetzt werden müssen, dass die Anzahl der Elektronen mit gleicher
Spinrichtung maximal wird.
4. Ionisierungsenergie
Definition: Die Ionisierungsenergie I eines Atoms ist die
Mindestenergie, die benötigt wird, um ein Elektron vollständig aus dem
Atom zu entfernen.
Atom + Ionisierungsenergie ---> einfach positiv geladenes Ion + Elektron
Die Ionisierungsenergien spiegeln die Strukturierung der
Elektronenhülle in Schalen und Unterschalen und auch die erhöhte
Stabilität halbbesetzter Unterschalen unmittelbar wider, indem sie
innerhalb der Periode unregelmäßig zunimmt. Bei Atomen mit mehreren
Elektronen sind weitere Ionisierungen möglich: Ionisierungsenergie I1,
Ionisierungsenergie I2, Ionisierungsenergie I3 ...
Im Periodensystem nimmt die Ionisierungsenergie in der Periode stark zu, da aufgrund
der zunehmenden Kernladung die Elektronen einer Schale stärker gebunden
werden. Innerhalb einer Gruppe nimmt die Ionisierungsenergie stark mit
zunehmender Ordnungszahl ab, da auf jeder neu hinzukommenden Schale die
Elektronen schwächer gebunden werden. I ist also bei den Edelgasen maximal
und bei den Alkalimetallen minimal.
5. Elektronegativität
Definition: Ein Maß für die Fähigkeit eines Atoms in einer
Atombindung das bindende Elektronenpaar an sich zu ziehen, ist die
Elektronegativität x.
Aus der Differenz der Elektronegativitäten von Bindungspartnern kann man die Polarität
einer Bindung abschätzen: Je größer die Differenz ist, um so ionischer
ist die Bindung. Das Atom mit der kleineren Elektronegativität stellt den
positiveren, das mit der größeren Elektronegativität den negativen
Bindungspartner dar.
Für die Elektronegativität existieren zwei Werte-Skalen. Die Skala
nach Pauling leitet die Elektronegativität aus der Bindungsenergie ab,
wobei die Elektronegativität von Fluor willkürlich auf 4,0
festgelegt wurde, um absolute Werte zu erhalten. Die Skala nach Allred
und Rochow setzt die Elektronegativität der elektrostatischen
Anziehungskraft, die der Kern auf die Bindungselektronen ausübt, gleich.
Die so erhaltenen Werte wurden durch Konstanten den Werten von Pauling
angepasst, um so mehr oder weniger einheitliche Werte zu bekommen.
Im Periodensystem nimmt die Elektronegativität mit wachsender
Ordnungszahl in der Periode zu und in den Hauptgruppen ab. Die
elektronegativsten Elemente sind die Nichtmetalle der rechten oberen
Ecke und die am wenigsten elektronegativsten Werte sind die Metalle der
linken unteren Ecke.
Profund wie knapp skizziert Ingold
Gesellschaft und Politik des im Umbruch befindlichen
175-Millionen-Reiches des russischen Imperators, dessen Haus Romanow
gerade den 300. Geburtstag feierte.
Der Fall Beilis
Der "russische Skandal" des Jahres 1913 ist der Fall Beilis. Im März
1911 war in Kiew ein Knabe namens Andrej Juschinskij ermordet worden.
Unter dem Einfluss der "Schwarzhundertschaften", reaktionärster, dem
Zaren nahe stehender Kreise, wurde das Verfahren gegen Mendel Beilis,
den jüdischen Aufseher in einer Ziegelfabrik, in einen
"Ritualmordprozess" verwandelt.
Mitglieder der sogenannten "Sekte" der Chassiden, der Beilis angeblich
angehörte, hätten das Christenkind ermordet, weil sie dessen Blut für
ihre Riten benötigten. Weltweite Proteste folgten und wurden unter
anderem von Thomas Mann, H. G. Wells und Anatole France unterzeichnet.
Der Gerechtigkeit halber sei hinzugefügt: auch die russische
Intelligenzija trat lautstark gegen die obskurantistische Farce auf, und
letztlich unterstützte selbst der Zar den Freispruch für Beilis.
Dies ist eine der unzähligen Mikroepisoden, die der Schweizer Slawist
und Schriftsteller Felix Phillip Ingold in seiner monumentalen Studie
"Der Große Bruch" erzählt, um die Atmosphäre Russlands im Epochenjahr
1913 lebendig werden zu lassen.
Wirtschaftlich im Aufschwung
Seit der niedergeschlagenen Revolution von 1905 war das größte Land
der Welt, dessen Bevölkerung zu 80 Prozent aus Bauern bestand, in
Bewegung geraten: die politische Formel der Herrscher lautetet
"Orthodoxie, Selbstherrschaft und Volkstum", aber es gab mit der Duma
immerhin auch eine Art Parlament.
Auf der Tagesordnung standen Terroranschläge und Streiks. Dreieinhalb
Millionen Menschen zogen 1913 als Kolonisten nach Sibirien und
Mittelasien. Jossif Stalin, damals noch eher ein unbedeutendes Mitglied
des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands,
protestierte lautstark, als im sibirischen Jakutsk zweihundert
demonstrierende Goldwäscher von der Polizei erschossen wurden: "Nieder
mit der Monarchie der Romanows! Es lebe die neue Revolution! Es lebe die
demokratische Republik! Ruhm und Ehre den gefallenen Kämpfern!"
Gesamtwirtschaftlich gesehen war Russland im Aufschwung begriffen: Mit
der Erdölproduktion in Baku befand es sich an weltweit zweiter Stelle;
Russland als "Kornkammer Europas" war sprichwörtlich. Die fünftgrößte
Industriemacht der Welt war dabei von technizistischen Phantasien und
Utopien geradezu besessen.
In
diesem Buch geht es besonders um die Konstruktion des „Schwarzseins“ durch
den kolonialistischen Blick und die sozialen und psychischen Auswirkungen auf
die Farbigen. Der Ausgangspunkt sind Literaturanalysen und die eigene Erfahrung
als Farbiger in Martinique und in Frankreich. Fanon zeigt auf, daß die Rolle
und das Verhalten des „Negers“ durch die Diskurse der KolonialistInnen
erzeugt werden und sich auf die eigene Psyche und Selbsteinschätzung auswirken.
Er
untersucht die Rolle der Sprache für die Kolonisierung: das ist das als
minderwertig betrachtete Kreolische von Martinique, das eigentlich die
Muttersprache der Schwarzen und Farbigen ist und die Hochschätzung des Französischen.
Weiters ist es minderwertige Behandlung durch die Weißen in Frankreich, die mit
einem „Neger“ petit-nègre [i]sprechen. Der Wunsch der
Kolonisierten ist die sprachliche Anpassung an das Französische, was aber
nichts an der geringen Wertschätzung durch die FranzösInnen ändert.
Ein
weiteres Element der Untersuchung ist die Beziehung zwischen Kolonisierten und
KolonisatorInnen. Die farbige Frau versucht
weißer zu werden, indem sie einen weißen Mann liebt, der sie trotz allem
verachtet. Für die „Mulattinnen“ kommt noch erschwerend hinzu, daß sie
nicht wieder ins Schwarzsein absinken wollen. Der farbige Mann beschäftigt
sich mit der Kultur der KolonisatorInnen, er projiziert sich in diesem
Zusammenhang sogar in die weiße Kultur. Er fühlt die Nicht-Anerkennung in
einem doppeltem Sinn, einerseits als schwarze Kulturlosigkeit, andererseits
bleibt er durch seine Hautfarbe nicht anerkannt, auch wenn er mit der weißen
Kultur perfekt, oft besser umgehen kann [ii].
Während
von weißen Theoretikern ein „angeborener“ Abhängigkeitskomplex festgestellt
wird, zeigt Fanon, daß dieser angebliche Wunsch nach Abhängigkeit aus realen
Unterdrückungserfahrungen kommt. Fanon analysiert die Träume von Madegassen,
die der Psychologe O. Mannoni beschreibt und „dekonstruiert“ damit die
kolonialistische Sichtweise von Mannoni. Daran anschließend beschreibt er die
Minderwertigkeit, die der „Neger“ in seinem eigenen Erleben erfährt. Das
bezieht sowohl die Verachtung und Unterdrückung durch die offenen RassistInnen
ein als auch die Nicht-Anerkennung, die der Kolonisierte durch den Paternalismus
der wohlmeinenden „Negerfreunde“ kennenlernt. In einer vorletzten Wendung
analysiert er die rassistische Angst der Weißen vor dem „Neger“. Er
vergleicht die Projektion mit den Unterschieden und Ähnlichkeiten mit dem
Antisemitismus. Der Neger ist (z.B. durch seine halluzinierte sexuelle Potenz)
das projizierte Biologische:
Der
Neger stellt die biologische Gefahr dar. Der Jude die intellektuelle Gefahr.
Wer
eine Negrophobie hat, hat Angst vor dem Biologischen. Denn der Neger ist nackte
Biologie. Es sind Tiere. Sie leben nackt. (SHWM S. 117)
Die
Erkenntnis, daß die Weißen, die KolonisatorInnen das Problem sind und genauso
krank wie die Kolonisierten, ist ein erster Schritt zur Befreiung. Die Antwort
des „Negers“ ist dann die Poesie Aimé Cesaires, das Hinabsteigen ins
Schwarzsein, um aus der Revolte wieder aufsteigen zu können. Sein Ziel ist die
Anerkennung. In einem kurzem Abschnitt bezieht sich Fanon auf Hegel, besonders
auf die Herr-Knecht-Dialektik: Anerkennung als Selbstbewußtsein kann nur durch
den Kampf erreicht werden und Fanon beklagt, daß der „Neger“ - Fanon
bezieht sich besonders auf die farbige Bevölkerung Martiniques - von den Weißen
„anerkannt“ wurde, ohne daß er[iii]gekämpft hat. Da die
Anerkennung als Subjekt sowohl für die Person Fanon als auch für die Rezeption
eine große Rolle spielt, werde ich hier einen kurzen Exkurs über die Hegelsche
Herr-Knecht-Dialektik einfügen.
Selbständigkeit
und Unselbständigkeit des Selbstbewußtseins; Herrschaft und Knechtschaft
Der
Mensch wird bei Hegel als Selbstbewußtsein gesehen. Als Person ist er nur Bewußtsein,
das sich als getrennt von seiner Umgebung erkennen kann. Dieses Bewußtsein ist
ein negatives Wesen, indem es sich als anderes als die Objekte sieht. Es ist Begierde,
indem es die Objekte, die Dinge vernichten oder verändern will. So wird eine
Substanz zu einem Ding geformt (aus dem Ton wird ein Nicht-Ton, ein Gefäß),
Essen wird durch den Genuß vernichtet. Dieses Bewußtsein kann in seiner
Begierde, in seinem negativem Verhältnis nur zu einem Selbstgefühl (fürsich)
kommen, zu einem Selbstbewußtsein wird es nur, wenn es durch eine andere
Begierde, ein anderes Selbstbewußtsein anerkannt wird. Die Begierde richtet
sich nicht auf etwas, was sowieso vorhanden ist, sondern auf etwas, was ein
anderes (Selbst)bewußtsein begehrt. Wenn die beiden Subjekte bis zur letzten
Konsequenz gehen, kommt es zum Kampf auf Leben und Tod.
Dieser Kampf alleine muß immer wieder zurückfallen, weil immer einer
der Kämpfer getötet wird und dadurch wieder kein anderes Selbstbewußtsein für
die Anerkennung bestehen bleibt. Steckt aber einer der beiden Kombattanten zurück,
hemmt seine Begierde, weil die Angst vor dem Tod größer ist als der Wunsch zu
leben, entstehen zwei Formen der Lebens: der Herr und der Knecht.
Der Knecht anerkennt den Herrn. Der Herr ist aber eine Sackgasse der Geschichte,
das unwesentliche, knechtische Bewußtsein wird von ihm immer wieder mit den
Dingen (der Natur) gleichgesetzt, erlangt also keine Befriedigung als Selbstbewußtsein,
weil der Herr den Knecht nicht als anderes Selbstbewußtsein sieht. Die gehemmte
Begierde des Knechtes befriedigt zwar die Begierde des Herrn, aber als
projiziertes Ding nicht (mehr) die Begierde der Herrn nach Anerkennung. Anders
der Knecht, er steht zwischen dem Herrn und den Dingen, die er bearbeitet, er
enthält beide Elemente, seinen gehemmten Wunsch danach, Herr zu sein und sein
Verhältnis zu den Dingen durch Arbeit. Der Knecht ist durch die Arbeit
das Vermittelnde zwischen dem herrischen Selbstbewußtsein und der Natur. Nur
der Knecht ist zu einer Weiterentwicklung fähig, weil er die Arbeit kennt und
dann auch Herr seiner selbst werden kann. Der Knecht muß Herr seiner eigenen
Arbeit werden. Unschwer ist darin das Bewußtsein der protestantischen
Arbeitsmoral, der bürgerlichen Revolution und der kapitalistischen Gesellschaft
zu erkennen. Ein Knecht, der Herr seiner Arbeit wird, wird Arbeiter und/oder
Unternehmer. Das im Menschen angelegte Konkurrenzdenken (der Kampf auf Leben und
Tod) wird durch die Arbeit auf eine nächste Stufe der Entwicklung gebracht. In
der marxistischen (u.a. der Kojèveschen) Interpretation kann der Zustand des
Selbstbewußtseins nur in der Revolution erreicht werden, indem der Knecht zum
Herrn wird und trotzdem nicht den Bezug zur Arbeit verliert.
Die
problematischen Elemente dieser Sichtweise sind die Unausweichlichkeit des
Kampfes auf Leben und Tod und die unbedingt positiv gesetzte Rolle der Arbeit.
Hegel sieht Kampf und Arbeit als anthropologische Konstanten. Und auch bei Fanon
entsteht das (männliche) Selbstbewußtsein im Kampf und in der Arbeit.
Wir wissen, dass die IT-Oligarchen – Google, Facebook, Yahoo, Apple,
Microsoft – sich den Datenanfragen der NSA beugten. Haben sie
bereitwillig mitgemacht? Yahoos Einwand, dass pauschale Anfragen
verfassungswidrig seien, wurde von einem Geheimgericht zurückgewiesen.
Das hat andere Unternehmen vielleicht davon abgehalten, ähnlich
aufzutreten. Was genau passiert ist, steht noch immer nicht restlos
fest, täglich kommen neue Dinge heraus. Wir erfahren, dass Facebook,
laut „New York Times“, eigene Teams abstellte, die für eine reibungslose
Zusammenarbeit mit der NSA sorgen sollten, und dass der
Sicherheitsdirektor des Unternehmens zur NSA überwechselte. „In Zukunft
dürfte mit einer noch intensiveren Zusammenarbeit zwischen Silicon
Valley und der NSA zu rechnen sein, weil die Datenspeicherung nach
Angaben der International Data Corporation bis 2016 um durchschnittlich
53 Prozent pro Jahr zunehmen dürfte“, hieß es in der „New York Times“.
Fest steht offenbar, dass keines der Unternehmen
sich Anfragen der NSA widersetzt hat. Und sie haben auch nicht
beschlossen, gemeinsam zu kämpfen oder die Milliarden Nutzer über
Praktiken zu informieren, die einige für illegal halten. Diesen
Unternehmen gehört das Internet! Was hätten sie mit ihrer vereinten
Macht ausrichten können! Statt dessen behandelten sie die ganze Sache
als ein Problem, für das sie nicht zuständig sind. Was dachten sie sich
dabei? Wenn sie unser Vertrauen zurückgewinnen wollen, müssen sie
wegkommen von dieser Mentalität. Sie müssen für unsere Interessen
einstehen. Zeichnet sich irgendwo am Horizont ab, dass ihnen das klar
ist?
Die neuen Herren des Rings
Am 16. Mai,
knapp einen Monat vor den NSA-Enthüllungen, fand im SRI in Menlo Park,
Kalifornien, eine Konferenz zu einem der heißesten Themen in der
digitalen Welt statt: „The Internet of Everything“. Eine atemberaubende
Vorstellung – alles, wirklich alles wird verknüpft. Die unbezahlte
Datenlieferung erstreckt sich auf unsere Körper und die Gegenstände in
unserer Umgebung: Lampen, Thermostate, Autos, Kaffeetassen,
Sonnenbrillen, Türen, Haushaltsgeräte, aber auch Blutdruck und
Blutstatus, Körpertemperatur, Organfunktionen, Puls, Hautreaktion.
Wenn es nach den neuen Herren des Rings geht, wird
alles – von unserem Telefon über den Toaster bis zu unseren Tränen – in
der nächsten großen Datenflut neu geboren werden. Gewiss, für jeden
Schritt gibt es einen guten Grund. Aber wie lange wird es dauern, bis
der alte Traum in diesem vollkommenen Datenparadies wieder auflebt; wie
lange, bis unsere Tränen ein neues Regime von Kontrolle und Konformität
begründen? Wie lange, bis die Nanodrohnen so programmiert sind, dass sie
unseren biometrischen Abdruck erkennen können?
Dies ist der nächste Güterzug, der, vollgestopft
mit Geld, den alten Traum weitertragen soll. John Chambers, der Chef von
Cisco, stellte in Menlo Park fest, dass es für globale
Privatunternehmen in den nächsten zehn Jahren um 14,4 Billionen Dollar
an potentiellem Profit geht. Dazu müssten technologische,
organisatorische, prozessuale, juristische, kulturelle und andere
Herausforderungen gemeinsam gelöst werden. Wie wird Ciscos Beitrag
aussehen? Wie können wir klar machen, dass Innovationen ohne
demokratische und kommerzielle Sicherheitsgarantien für uns nicht
akzeptabel sind? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen muss
Bestandteil von Innovation sein, darf nicht jemandem überlassen bleiben,
der sich irgendwann einmal damit beschäftigt.
„Viele Leute glauben, sie wissen, was auf sie
zukommt, aber sie haben keine Ahnung“, sagte Dave Evans, Chef-Futurologe
bei Cisco. „Die Welt wird aufwachen“, sagte Alex Hawkinson, ein anderer
Konferenzteilnehmer. Ein Topmanager von Facebook warf einen Blick in
die Zukunft: „Es gibt 200 Sensoren im Haus, dann hat man diesen ganzen
Datenstrom. Wenn man diese Daten weitergibt, steht man vor der
schwierigen Frage, ob man sie so weitergibt, dass man irgendwann sagen
kann, ich möchte sie wieder zurückhaben. Aber sobald man die Daten aus
der Hand gegeben hat, ist das ziemlich kompliziert.“
Der eigentliche Star der Veranstaltung war Gordon
Bell, der legendäre Computeringenieur, Pionier der „Quantified
Self“-Bewegung und Wissenschaftler bei Microsoft Research. Er äußerte
sich pessimistisch über das Tempo des Fortschritts, beklagte, dass diese
wichtige neue Entwicklungsphase auf Reibung stoße. „Ihr sagt, wir
wollen keine Reibung. Woher kommt die Reibung? Es sind die Leute. Die
Leute wollen in Ruhe gelassen werden. Genau das wird uns einschränken.
Das bereitet mir Sorge.“
Der Schlüssel
Aber keine Angst. Die
Arroganz der Herren von Silicon Valley ist nicht der Vorbote einer
Endzeit, sondern ein Weckruf. Wir müssen uns an die Arbeit machen. Mit
unseren Fragen und Bedürfnissen haben wir das Internet in unser Leben
geholt. Aber es gibt noch viel zu tun: Eine neue Welt muss her. Auch sie
kann Realität werden, wenn wir uns darum kümmern. Die Digitalisierung
kann zu einer Humanisierung des Lebens beitragen. Wir sollten nicht für
unsere Aufseher arbeiten, sondern Möglichkeiten entwickeln, wie sie in
unserem Interesse agieren können, so dass alle davon profitieren.
Der Schlüssel heißt Reibung. Für die
Unternehmen, die die nächste Metadateneskalation vorantreiben wollen,
mag Reibung ein Ärgernis sein, aber sie steht für die Zukunft
demokratischer Bestrebungen und unternehmerischer Erneuerung. Sie steht
für eine neue Ära demokratischer Gesetze und Bestimmungen, die unsere
Freiheiten in zeitgemäßer Form zum Ausdruck bringen: Transparenz,
Mitsprache, Wahlfreiheit, Achtung der Menschenwürde. Reibung muss so
wachsam und unerschütterlich sein wie die alte Macht. Sie ist unsere
Forderung nach einem neuen unternehmerischen Modell, das unser
Wohlergehen, unsere Freiheit, unsere Privatsphäre ernst nimmt und unser
Recht achtet, so zu leben und mit unseren Daten so umzugehen, wie wir es
für richtig halten. Sie ist die Forderung an Unternehmen, Verantwortung
zu übernehmen und Transparenz zu gewährleisten. Und Reibung schließlich
– das sind Sie und ich. Es ist unsere Bereitschaft, Stellung zu
beziehen, zu sagen, was richtig und was falsch ist, selbst wenn daraus
Konflikte mit den Mächtigen und der Mehrheit erwachsen. Dass acht
Prozent der Amerikaner den sozialen Medien vertrauen, ist ein sehr gutes
Zeichen. Es bedeutet, dass für zweiundneunzig Prozent, trotz
jahrelanger Beeinflussung durch das Informationspanoptikum, regelmäßige
Verletzungen der Privatsphäre außerhalb des Arbeitsplatzes nicht die
Normalität sind. Es bedeutet, dass die neuen Herren keine Macht haben,
wenn wir alle aufstehen und Nein sagen.
Schließen aller Anwendungen die auf Daten zugreifen
Ausführen der Defragmentierungssoftware:
Ab Windows XP:
Klicken sie mit der linken Maustaste auf das Startmenü (unten links in der Ecke auf ihren Desktop)
Klicken sie mit der linken Maustaste auf alle Programme
Klicken sie mit der linken Maustaste auf den Ordner Zubehör
Klicken sie mit der linken Maustaste auf Systemprogramme
Klicken sie mit der linken Maustaste auf Defragmentierung / Defragmentieren (das Programm startet)
Das Programm fragt sie nun in mit sehr übersichtlichen Darstellung,
welchen ihre Datenträger (Festplatten / Volumen) sie defragmentieren
möchten. Hier machen sie einen Hacken vor die Laufwerksbuchstaben ihrer
Festplatten.
Sie können die Defragmentierung zu einem gewünschten Zeitpunkt
ausführen lassen, in dem sie bei Termin, Datum und Uhrzeit angeben.
Wichtig hierbei ist, der Computer muss zu diesen Zeitpunkt auch
angeschaltet sein.
Starten sie die Defragmentierung mit "jetzt defragmentieren" (das Programm läuft).
Sollten sie den Computer abschalten wollen und die Defragmentierung
nicht abgeschlossen ist, können sie diese auch manuell schließen und
später neu starten. Wichtig hierbei, den Computer nicht ohne das
vorherige Schließen der Defragmentierungssoftware herunterfahren.
Darüberhinaus sitzt Segonds auch im Vorstand der ESA. Dort befindet er
sich in illustrer Gesellschaft. Die Mitgliederliste dieser
Lobbyingorganisation liest sich wie das "Best of Böse“ der
marktdominierenden Agrarunternehmen. Darin finden neben den auch in
Europa engagierten US-Konzernen Monsanto, Dow Chemical und Dupont, auch
die deutschen Großunternehmen Bayer und BASF sowie die Schweizer
Syngenta. Auf den Feldern herrscht ein knallharter
Verdrängungswettbewerb. In den vergangenen 20 Jahren war das
Saatgutgeschäft einem atemberaubenden Konzentrationsprozess unterworfen.
Durch Fusionen und Übernahmen kleinerer Züchtungsunternehmen durch die
genannten Agro-Konzerne hat sich mittlerweile ein Oligopol gebildet.
Während im Jahr 1996 die zehn größten Unternehmen noch einen Marktanteil
von nicht ganz 30 Prozent hielten, entfallen nun auf die sechs größten
Player bereits knapp 60 Prozent. Sie bestimmen somit maßgeblich, was auf
unsere Teller kommt. Ein aktueller Report der Organisation Swissaid
verdeutlicht ihre marktbeherrschende Stellung. Demnach sind beim
Europäischen Sortenamt 36 Prozent aller registrierten Tomatensorten
durch Monsanto geschützt, weitere 26 Prozent durch Syngenta. Bei Karfiol
hält Monsanto sogar 49 Prozent aller eingetragenen Sorten (Syngenta: 22
Prozent).
Die "Big Six“ haben ganz gut miteinander das Auslangen
gefunden. Mehr noch, sie haben weitreichende Allianzen geschlossen. So
kooperiert etwa der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF mit Monsanto bei
der Entwicklung ertragsreicherer und stressresistenterer Nutzpflanzen
wie Raps, Soja, Mais und Weizen.
Ein fast perfektes Verbrechen - Postmoderne Philosophie und Wirtschaftskrise
Gestaltung: Michael Reitz
"Anything goes" - das ist das Schlagwort, das der österreichische
Denker Paul Feyerabend für postmodernes Denken geprägt hat. Unter
postmodernem Denken versteht man ein Nebeneinander verschiedener
Denkstile. Diese geistige Entwicklung korrespondiert mit der Veränderung
der Finanzwelt. Es entstanden der sogenannte Derivate-Markt und die
"Collateralized Debt Obligations" (CDO) mit denen die Risiken mehrerer
Firmen gebündelt und weiter verkauft werden konnten. Der Aktienmarkt
wurde zunehmend virtueller und orientierte sich an einem simulierten,
virtuellen Kreislauf des Geldes. Dieser ließ die Wirklichkeit aus dem
Blick geraten. Ähnlich wie in der postmodernen Philosophie kam es in der
Wirtschaftswelt zu einer Umwertung der Begriffe: Schulden, Kredite oder
Risiken werden nicht mehr als Negativwerte verbucht, sondern zum
Funktionieren des Systems umdefiniert. Einzelnen Bausteine aus der Zeit
der Entstehung der Wirtschaftskrise von 2007/2008 und der derzeitigen
Situation mit Zitaten der postmodernen Philosophie und Soziologie
zeigen, wie eng die beiden Themenkreise korrespondieren. Es lohnt sich
daher der Versuch, Ökonomie mit philosophischen Mitteln zu erörtern.
Gestaltung: Michael Reitz
Der Blick auf die vollen Regale der
Supermärk-te erinnert an Vorstellungen des Schlaraffenlandes oder des
Knusperhäuschens im Märchen „Hänsel und Gretel“. Die Überfülle der
Warenwelt hat in der Tat etwas Magisches. Doch gerade das lockende
Knusperhäuschen verweist auf das Trügerische dieser Überfülle:
„Symbolisch dafür steht die Hexe, die die Kinder aus ärmlichen
Verhältnissen mit den Verführungen des Überflusses blendet, um sie
letztlich zu verzehren“, sagt Nachhaltigkeits-Experte Hans Holzinger von
der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen.
Denn das Knusperhäuschen hat einen Preis, den wir bezahlen: „Es ist
erkauft mit einem enormen Raubbau an den Naturressourcen. Es basiert auf
einem nicht nachhaltigen Energiesystem. Und es geht auf Kosten von
Menschen in weniger reichen Erdteilen“, kritisiert Holzinger in seinem
Buch „Neuer Wohlstand. Leben und Wirtschaften auf einem begrenzten
Planeten“.
Vom Acker bis zum Teller
Denn hinter verarbeiteten Lebensmitteln stecken viele Arbeitsschritte –
und ein gewaltiger CO2-Abdruck: Kaum einem Konsumenten ist klar, wie
viele Hebel für die Herstellung eines einzigen Stückes Fertig-Lasagne in
Gang gesetzt werden: Das Getreide für den Teig wurde gesät, geerntet,
transportiert, gereinigt, gemahlen, abgefüllt, verpackt, gelagert,
wieder transportiert, verteilt und landet schließlich beim Bäcker. Für
die Eier wurde ein Hühnerstall gebaut, Hühner gefüttert. Dann wurden die
Eier eingesammelt, gestempelt, sortiert, verpackt, transportiert,
eingeordnet, etikettiert.
Noch viel ressourcenintensiver ist die Herstellung des Faschierten: Für
ein Kilo Rindfleisch sind 10 Kilo Getreide nötig. Durch die Mägen von
Tieren wandern 40 Prozent des Weltgetreides, die Hälfte aller Fischfänge
als Fischmehl, 70 Prozent der Ölsaaten und ein Drittel der
Milchprodukte. Schon jetzt wird in den armen Ländern des Südens über ein
Drittel des Getreides für Futtermittel eingesetzt. Die Naturausbeutung
durch diese Monokulturen ist enorm: „Sie dürsten nach Wasser, versagen
bei der Regenerierung der Böden und verlangen den Einsatz von Unmengen
an schädlichen Pestiziden“, kritisiert Zukunftsforscher Holzinger.
Der ökologische Preis für den Fleischkonsum ist hoch: Allein die
Tierhaltung verursacht weltweit 18 Prozent der Treibhausgase. Durch die
Schweinefleisch- und Geflügelproduktion entsteht Lachgas, in der
Rindfleischproduktion Methan. „Dabei weisen Geflügel und Schwein noch
eine günstigere CO2-Bilanz auf als Rind“, so
Lebensministerium-Sprecherin Katrin Scherbichler.
Noch ist Fleisch ein „Vorrecht“ der industrialisierten Länder:
Österreicher verzehren laut UNO jährlich 90 Kilo Fleisch, Inder nur zwei
Kilo. Doch der fleischzentrierte Ernährungsstil breitet sich in den
Schwellen- und Entwicklungsländern aus: Allein in Asien hat sich der
Fleischverzehr seit 1991 verachtzehnfacht. Obwohl Massentierhaltung seit
langem in der Kritik steht, schreitet der Trend zur industriellen
Tierzucht voran. Die sogenannten Experten stehen oft im Dienst von
Agrar- und Arzneimittelindustrie, Chemiekonzernen oder der Politik.
Gentechnik über Schleichwege
Zudem erhalten Zuchttiere vielfach Gentechnik-Futter, obwohl
Gentechnik-veränderte Lebensmittel in Österreich verboten sind: Auf dem
Fleisch muss nicht deklariert werden, ob das Tier Gentechnik-Futter zu
fressen bekam. „Beim Geflügel und insbesondere beim Schweine- und
Rindfleisch gibt es noch viel Nachholbedarf“, sagt Claudia Sprinz,
Konsumentensprecherin bei Greenpeace.
Transparenz ist das Gebot der Stunde: „Je ökologischer ein Unternehmen,
umso auskunftsfreudiger“, weiß die Umweltschützerin. Wenn Unternehmen
keine Informationen zur Herkunft geben, riecht Greenpeace Lunte: „Der
Schluss liegt nahe, dass von der mangelnden Transparenz nicht nur die
Wirtschaft, sondern auch die Politik profitiert. Sonst hätte es bereits
Gesetzesänderungen im Sinne des Gemeinwohles geben müssen“, ist Sprinz
überzeugt.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Initiativen zur CO2-Kennzeichnung
von Lebensmitteln gestiegen. Die Biomarke „Zurück zum Ursprung“ der
Handelskette Hofer gibt Informationen zum CO2-Fußabdruck an und wurde
mit dem österreichischen Klimapreis ausgezeichnet. Derzeit wird auf
EU-Ebene an einer einheitlichen CO2-Kennzeichnung gearbeitet: „Die
CO2-Bilanz sagt aber nichts über Umweltaspekte wie Flächenverbrauch,
Bodenqualität, Biodiversität oder Wasserverbrauch aus“, so
Lebensministerium-Sprecherin Scherbichler.
Flugtransport 200-mal schädlicher
Mit Bio-Lebensmitteln können gegenüber der konventionellen Landwirtschaft bis zu 35 Prozent der Treibhausgase eingespart wer-
den. Bio ist aber nicht gleich Bio: „Leider gibt es sehr
unterschiedliche Qualitätsstufen“, so Sprinz. Sie kritisiert, dass die
ökologische Landwirtschaft nicht ausreichend gefördert werde: „Die
Gesetzgeber verabsäumen das, weil es nach wie vor gut verdienende
Interessens-
gruppen in der konventionellen Landwirtschaft gibt.“ Weitere wich-
tige Klima-Kriterien sind Regionalität oder Transportart: Flugtransporte
belasten das Klima 200-mal stärker als Hochseetransporte.
Einen besonders hohen CO2-Abdruck weisen weiterverarbeitete Lebensmittel
wie Käse, Wurst, Butter, Konserven und Tiefkühlprodukte auf. Im Obst-
und Gemüseanbau wiederum verbrauchen beheizte Treibhäuser und
Folientunnel viel Energie. Konsumenten sollten beim Lebensmittelkauf
logisch überlegen: Wird ein verarbeitetes Produkt wie Fertig-Lasagne
sehr billig angeboten, ist Vorsicht geboten. „Meist sind Fertig-Produkte
nicht aus artgerechter Tierhaltung. Auch der Landwirt leidet, wenn er
keinen fairen Preis bezahlt bekommt“, berichtet Sprinz. Denn viele
Unternehmen sind mit Supermarktketten eine Vertragsverpflichtung
eingegangen, Produkte zu Dumping-Preisen zu verkaufen. Wer sparen will,
muss Zeit investieren. „Anstatt Fertig-Pommes zu kaufen, sollte man zu
Bio-Erdäpfeln greifen und selbst Pommes frites zubereiten.“
Gespart wird beim Essen
Heutzutage bezahlen Konsumenten – gemessen am Einkommen – viel weniger
für ihr Essen als früher: Seit den 1960er Jahren ist der
Ernährungsanteil am Haushaltsbudget von 50 Prozent auf etwa 15 Prozent
gesunken. Nahrungsmittel sind so billig, dass wir achtlos damit umgehen:
Laut Welternährungsorganisation (FAO) wird ein Drittel aller
Lebensmittel weltweit verschwendet.
Billigprodukte kommen uns letztlich teuer zu stehen: „Die ökologischen
Folgekosten sind in die günstigen Preise noch nicht eingerechnet. Diese
bezahlt nicht der Käufer oder Hersteller, sondern der Steuerzahler“,
meint Sprinz.
Was vielen Konsumenten nicht bewusst ist: Nicht nur der Einkauf im
Supermarkt, sondern auch der Besuch im Restaurant hat ökologische
Folgen. In den wenigsten Lokalen wird offengelegt, woher die verwendeten
Zutaten stammen. „Wir hören vielfach, dass österreichische Restaurants
Käfig-eier aus Ungarn einkaufen, seit die Käfighaltung hierzulande
verboten ist. Die wenigsten Gäste fragen: Wo kommt das Ei für das
Omelett her?“, betont Sprinz.
Die Konsumentensprecherin ist überzeugt: Man dürfe den Verbrauchern
nicht suggerieren, noch mehr Fleisch zu essen, wie es etwa das
AMA-Marketing tut. „Stattdessen sollte man durch Aufklärung in der
Schule zeigen, dass es viele gute Gerichte ohne Fleisch gibt.“
Sprinz weiß einfachen Rat: Sich am Ernährungsstil der eigenen Großeltern
orientieren. Regionale und saisonale Produkte konsumieren und nur zwei
Mal wöchentlich Fleisch essen. Dann sollte auch Bio-Fleisch leistbar
sein.
Was simpel klingt, machen die wenigsten. „Die größte Herausforderung
wird es sein, den Leuten klar zumachen, dass ihr Lebensmittelstil – vor
allem der Verbrauch von tierischen Produkten – wegen der begrenzten
Ressourcen nicht mehr lange möglich sein wird.“
ZEIT:
Der Autofahrer ist ein Killer?
Knoflacher:
Ja, aber nicht aus böser Absicht. Das Auto versetzt uns in ein
Raum-Zeit-Gefüge der Verantwortungslosigkeit, das wir weder begreifen
noch bewältigen können. Und es hat eine starke Lobby: Die Autoindustrie,
die Bauindustrie, auch die Banken, die Kredite zum Autokauf vergeben,
achten tunlichst darauf, dass derartige Studien wie die gerade erwähnte
von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht veröffentlicht werden.
ZEIT:
Schon Teenager träumen von Autos.
Knoflacher:
Weil sie durch das Mitfahren jahrelange Unfreiheit erfahren haben.
Ein Kind wird durch das Auto in seiner Mobilität radikal eingeschränkt.
Es darf nicht zur oder über die Straße gehen, darf nicht überall
spielen, wird stundenlang in das enge Heck eines Autos gesperrt und auch
noch festgeschnallt. Klar, dass Teenager es kaum erwarten können, ihre
Freiheit mit dem Führerschein und einem eigenen Auto wiederzuerlangen.
ZEIT:
Denken Sie, dass Autos Kriege verursachen?
Knoflacher:
Hundertprozentig! Und dabei muss man gar nicht in den Irak
blicken. Auch bei uns ist permanent Krieg. In Österreich werden jeden
Tag auf der Straße zwei Menschen umgebracht. Der Verkehr fügt jedes Jahr
40.000 Menschen physische Schäden zu. Und da sind jene, die laut WHO
infolge der Abgase sterben, noch gar nicht eingerechnet.
ZEIT:
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an suburbanen Shoppingcentern, Möbelmärkten und ähnlichen Einrichtungen vorbeifahren?
Knoflacher:
Das sind Parasiten! Jede Stadt mit solchen Strukturen tut mir
leid. Das Verkehrsproblem ist ja unter anderem ein Kind solcher
Shoppingcenter und Möbelhäuser am Stadtrand. Das Hauptproblem sind die
riesigen Gratisparkplätze. Die müssten so massiv besteuert werden, dass
das Parken dort genauso viel kostet wie im Stadtzentrum. Jeder soll
bauen dürfen, wo er will, aber es kann doch nicht sein, dass die
Geschäftsleute in den Innenstädten mit Parkgebühren kämpfen, während am
Stadtrand alles gratis zur Verfügung gestellt wird.
ZEIT:
Glauben Sie, dass in zehn Jahren Europas Städte so aussehen werden
wie die viel verlachten US-Städte mit ihren ausgedehnten suburbanen
Einfamilienhauszonen, riesigen Shoppingcentern und wenigen öffentlichen
Verkehrsmitteln?
Knoflacher:
Nein, denn in Europa findet derzeit in vielen Städten eine
Reurbanisierung statt. Das hat auch mit der Überalterung der Bevölkerung
zu tun. Alte Menschen können am Stadtrand nicht den Service bekommen
wie im Zentrum. Sie müssen einfach in die Stadt zurück. Davon abgesehen,
wird die Energiefrage die Menschen dazu zwingen, in die Städte
zurückzuziehen.
ZEIT:
Sie meinen den Benzinpreis?
Knoflacher:
Nein, ich meine den Energiepreis im Allgemeinen. Dieser wird sich
mit Sicherheit erhöhen und alle Lebensbereiche entscheidend
beeinflussen. Das betrifft Heizung, Stromversorgung, Transport – und all
das fällt in der Isolierung im Einfamilienhaus am Stadtrand viel mehr
ins Gewicht als im Stadtzentrum. Und ältere Menschen benötigen viele
energieaufwendige Serviceleistungen, die bei Preiserhöhungen sehr teuer
werden. Dabei denke ich nicht nur an »Essen auf Rädern« oder ähnliche
Angebote. Je zersiedelter die Menschen wohnen, desto mehr Energie ist
erforderlich. Und das werden wir uns bald nicht mehr leisten können. Das
heißt, wir müssen schon jetzt nachhaltige städtische Strukturen
schaffen, um die Zukunft finanzieren zu können. Denn die jetzigen Städte
mit ihren Randsiedlungen sind das definitiv nicht.
ZEIT:
Stimmt das Argument, dass die gesellschaftlichen Folgekosten der
Mobilisierung höher sind als deren Gewinne, zu denen ja auch die
Arbeitsplätze in der Autoindustrie gehören?
Knoflacher:
Das stimmt absolut. Und die Rechnung wird sich für die Konsumenten
noch verschlimmern, denn momentan ist Mobilität ja mehr oder weniger
gratis, und das wird sich demnächst stark ändern.
ZEIT:
Warum werden in Bezug auf Mobilität und Klimaschutz jetzt plötzlich die Flugreisenden kritisiert und nicht die Autofahrer?
Knoflacher:
Erstens ist die schädliche Wirkung des Flugverkehrs nicht
unerheblich und die Kritik berechtigt. Das liegt auch daran, dass die
Billigfluglinien Passagiergruppen aktivieren, die sonst nicht im
Flugverkehr anzutreffen wären. Grundsätzlich ist Fliegen die
entwürdigendste Art des Transports überhaupt. Fliegen erinnert mich
immer an Massentierhaltung: Hühner in einer Legebatterie, die
abgefüttert werden. Im Unterschied zu den Menschen im Flugzeug sind die
Hühner zumindest nicht angeschnallt.
Das Gespräch führten
Martin Hablesreiter
und
Sonja Stummerer Professor Hermann Knoflacher lehrt seit mehr als 30 Jahren am
Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen
Universität Wien. Der 67-Jährige wurde durch seine Konzepte für Wien
bekannt. Er entwickelte Fußgängerzonen, legte die Straßenbahn auf
Trassen und schlug ein Radwegenetz vor.
Es geht, so Schulz, zuerst um Werte und erst in zweiter Linie um
Ökonomie. Globaler Konkurrenzdruck dürfe nicht dazu führen, dass die EU
zu einem reinen Wirtschaftsblock verkomme, der Traditionen europäischer
Politik wie etwa den Sozialstaat oder die Konsensdemokratie hinter sich
lasse.
Zitat
Europa ist eine Idee. Diese Idee unterscheidet sich von den Ideen in
anderen Weltregionen. Es ist die Idee einer solidarischen und
demokratischen Gesellschaft, in der niemand zurückgelassen wird und
jeder eine zweite Chance bekommt, und es ist die Idee, dass es trotz
kultureller Vielfalt eine Einheit geben kann.
Nicht was Martin Schulz in seinem Plädoyer für eine funktionierende Europäische Union einfordert ist überraschend, sondern wie
er über die Zukunft nachdenkt ist bemerkenswert: wütend und enttäuscht
nämlich über die Engstirnigkeit und wohl auch Unfähigkeit jener, denen
der kurzfristige Erfolg auf nationaler Ebene wichtiger ist als der
langfristige Erfolg eines Unterfangens, das aus den Erfahrungen zweier
Weltkriege hervorgegangen ist. Es ist das Solidaritätsprinzip, das
sicherstellen soll, dass auf europäischem Boden gewaltsame Konflikte der
Geschichte angehöre
Tripolar effective hedonist,
I. Vöcklabruck "Migrants Welcome Service"(Language drill,Cross-cultural musical improvisation,Word-, EXCEL-, Web-classes;
Unsecured Microcredits;
Joint joggings);
II: "So viel Sprachen du sprichst, so oft mal bist du Mensch" (E. Seidenbusch)
III: "Fiddle on the Roof and elsewhere"
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