Samstag, 11. Dezember 2010

Euro ?

Handelte es sich um private Schuldner, die überschuldet und nicht mehr konkurrenzfähig wären, so würden Politiker, Mitglieder von Zentralbanken und die Banker, die jetzt Transfers in dreistelliger Milliardenhöhe im Sinne europäischer Solidarität für gerechtfertigt halten, einhellig ausrufen: "Man soll niemals gutes Geld schlechtem hinterherwerfen." Aber im Fall des Euro sei es etwas anderes. Nein! Das gilt auch, wenn Mitgliedsstaaten der Euro-Zone betroffen sind.

Die Politik hat bisher kein überzeugendes Sanierungskonzept vorgelegt. Kein Politiker kann erklären, wie Länder, die wegen fehlgeleiteter Produktionsstruktur in eine tiefe Rezession hineingerutscht sind, durch Kürzungen im Staatshaushalt aus dieser Situation herauskommen sollen. Kein Politiker hat eine Antwort auf die Frage, wie diese Länder, die international nicht mehr konkurrenzfähig sind, allein durch Sparen im Inland die Überschüsse in den Leistungsbilanzen und in nationalen Haushalten erwirtschaften sollen, um die aufgelaufenen Schulden zurückzuzahlen.

Nein, sie werden auf ewige Zeit in der Schuldenfalle festsitzen und ihre nationale Souveränität endgültig an die EU-Kommission in Brüssel und den Internationalen Währungsfonds in Washington verlieren.
Mehr zum Thema


Eine nachhaltige Lösung gibt es: Die Betroffenen können durch zeitweiliges Ausscheiden aus der Euro-Zone und durch Umschuldungsprogramme, in denen die geschuldeten Summen nach Maßgabe der jeweiligen Abwertungsrate gekürzt werden, wieder festen wirtschaftlichen Grund unter die Füße bekommen. Der Ausstieg aus der Währungsunion wäre wegen der Folgewirkungen ein Ende mit Schrecken. Aber die politisch gewollte Alternative ist ein Schrecken ohne Ende. Es ist unverantwortlich, wenn die Experten in den betroffenen Ministerien, der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank nicht an einem Plan B arbeiten

Sonntag, 31. Oktober 2010

Was ich essen soll

http://www.klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=2693

Sonntag, 10. Oktober 2010

Duke Universuty

http://jezebel.com/5652114/college-girls-powerpoint-fuck-list-goes-viral

Häupl

Seine Umfragewerte müssen so katastrophal sein, dass es Häupl nicht einmal stört, dass politische Freunde, der zuständige Minister wie der Bundespräsident knapp zuvor das absolute Gegenteil gesagt haben. Häupl stört es auch nicht, dass selbst SPÖ-Experten sagen, eine Berufsarmee koste Milliarden mehr.
Aber zugegeben: Es stört Häupl ja auch nicht, dass Wiens Beamte (neben den Zuwanderern die letzte sichere Wählergruppe der SPÖ) um Hunderte Millionen mehr kassieren, als wenn sie nur das Bundes-Schema bekämen. Es stört ihn nicht, dass aus dem Budget Wiens und seiner Betriebe täglich (!) Hunderttausende Euro an Inseraten in befreundeten Zeitungen fließen, die bei roter Laune zu halten sind. Dass diese Betriebe laut Rechnungshof fast 400 Mill. zu viel an Gebühren kassieren. Dass Wien pro Kopf viel höher verschuldet ist als der Schnitt der anderen Länder.
Es stört ihn nicht, dass einer seiner Gemeinderäte Hass- und Todes-Videos gegen politische Gegner auf der Homepage hatte, die mehr den Tatbestand der Verhetzung erfüllen als alles, was man zu Recht der FPÖ vorwirft. Dass Wien Tausende Häuser aus der für das Stadtbild prägenden Gründerzeit durch unpassende zwei- bis dreistöckige Aufbauten zur Karikatur verkommen ließ. Dass eine neue U-Bahn den neuen Hauptbahnhof weit umfährt. Dass der Flughafen Millionen verschleudert. Dass einst die Bank Austria verschleudert wurde.
Häupl stört gar nichts: Denn außerhalb des Wahlkampfs war von ihm kaum noch etwas zu hören. Da genoss er das Leben. Und eine radikale Stadtrats-Truppe erfüllte Punkt für Punkt einen rot-grünen Pakt.

Samstag, 2. Oktober 2010

Gerechtigkeit

Privatstiftungen wurden ja nicht gegründet, um reichen Leuten die Steuern zu reduzieren, sondern sinnvolle Generationenübergänge bei Unternehmen zu ermöglichen. Solange das gewährleistet ist, kann die Steuer ruhig erhöht werden. In diesem Staat kann man angenehm leben und Geld verdienen, das muss etwas wert sein. Aber: eine sinnvolle Maßnahme, wie die höhere Besteuerung der Stiftungen sollte auch ohne Neidparolen ablaufen können.

Und es sollte möglich sein, mehr Empfänger von Sozialleistungen in den aktiven Lebensprozess einzubinden. Auch da kommen wir mit schlichten Ansagen von Politikern nicht weiter. Anreize werden besser funktionieren als ein allgemeiner Arbeitsdienst.

Zukunft heißt Bildung Aber am Ende geht es um die Absicherung der Finanzierung unseres Staates. Und da bis heute zwischen Nickelsdorf und Bregenz weder Scandium, noch Yttrium oder Lanthan, also die seltenen Metalle für die Zukunftstechnologien, gefunden wurden, liegt unsere Zukunft in den Schulen und Unis dieses Landes.

Wenn am Freitag die Vornehmsten des Landes, die Uni-Rektoren den Aufstand verkündet haben, dann weiß man, die Herren sind verzweifelt. Unsere Schulen und Universitäten sind nicht in der Lage, eine Generation an Ingenieuren, Ökonomen und Biologen auszubilden, die mit der Weltspitze mithalten können. Das heißt schrumpfende Wirtschaft, das heißt weniger Geld für soziale Ausgaben, und irgendwann geringere Pensionen.

Der Herr Bundeskanzler kann jetzt mehr Geld für seine Klientel versprechen, aber schon die nächste Generation wird darunter leiden, dass diese Regierung irgendwann aufgehört hat, das zu tun, wofür sie gewählt ist: zu gestalten.

Freitag, 1. Oktober 2010

Alzheimer

http://www.alz.ch/

Montag, 27. September 2010

Belafonte

http://www.cowboylyrics.com/tabs/williams-don/jamaica-farewell-657.html

Stuxnet

Stuxnet wurde von Fachleuten in Deutschland entdeckt. So fand der in Hamburg ansässige Sicherheitsexperte Ralph Langner mit seinem Team heraus, dass Stuxnet vier Schwachstellen der Windows- Betriebssysteme von Microsoft ausnutzt und insbesondere Leittechnik- Produkte der Firma Siemens angreift. Langner spricht vom "Hack des Jahrzehnts", und zählt in seinem Blog die Gründe auf, warum sich die Cyber- Attacke gegen die iranische Atomanlage Bushehr richtet. Der Schädling sei von Insidern ganz gezielt als Sabotage- Software für solche Anlagen entworfen worden. Und es sei auch wohl kein Zufall, dass dort sich in jüngster Zeit die technischen Probleme häuften.

Zum bedrohlichen Szenario der Cyberattacke auf den Iran gehört auch, dass in der Atomanlage Bushehr offenbar eine nicht lizenzierte Version der Steuerungssoftware von Siemens verwendet wird, die außerdem auch nicht richtig konfiguriert wurde. "Ich habe so etwas noch nie gesehen, nicht einmal in der kleinsten Plätzchen- Backfabrik", zeigt sich Langner entsetzt, nachdem er ein Pressefoto mit einer entsprechenden Fehlermeldung auf einem Monitor in der Steuerungszentrale in Bushehr entdeckt hatte.
"Fünftes militärisches Schlachtfeld"

Für Frank Rieger vom Chaos Computer Club steht fest: "Der digitale Erstschlag ist erfolgt." Offenbar habe die digitale Waffe das iranische Atomprogramm sabotiert, schrieb Rieger in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Experte und Buchautor Arne Schönbohm erklärte in der Zeitschrift "WirtschaftsWoche", ein Angriff auf iranische Atomanlagen mit Computerviren sei ein durchaus denkbares Szenario. "Der Cyberspace wird mittlerweile als fünftes militärisches Schlachtfeld neben dem Boden, der Luft, dem Wasser und dem Weltraum gesehen."
USA oder Israel hinter der Attacke?

Da die Cyber- Attacke mit Stuxnet im Iran die tiefsten Spuren hinterlassen hat, überraschte niemanden, dass im Netz Gerüchte auftauchten, in denen Programmierer aus Israel oder den USA mit dem Angriff in Verbindung gebracht wurden. Nachdem die ersten Berichte erschienen waren, dass von Siemens- Systemen gesteuerte Industrieanlagen in Iran auffällig häufig Opfer von Stuxnet- Attacken wurden, vermutete die amerikanische Website "War in Context", die erst vor wenigen Monaten gegründete Cyberkrieg- Dienststelle United States Cyber Command stecke hinter der Cyber- Attacke. Andere machten den israelischen Geheimdienst Mossad für den Angriff verantwortlich. Doch konkrete Beweise für diese Schuldzuweisungen gibt es nicht.

Die Makuladegeneration

Bei dieser Augenerkrankung ist die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhautmitte betroffen. Die Makula besitzt eine höhere Anzahl an Sinneszellen und braucht daher auch mehr Nährstoffe und Sauerstoff. Sie ist jedoch auf eine Versorgung über die Aderhaut, die direkt unterhalb der Sinneszellen verläuft, angewiesen.

Die Abfallprodukte werden von der darunter liegenden Gewebsschicht entsorgt. Im Laufe des Lebens kann es dabei zu Ablagerungen (Drusen) unter der Netzhaut und daraus resultierende Funktionseinbußen kommen.

Man unterscheidet die trockene und die feuchte Makuladegeneration. Bei der weitaus häufigeren "trockenen" Form sterben zentrale Netzhautzellen langsam ab. Bei der "feuchten" Makuladegeneration sprossen als Reaktion auf die Drusen neue Gefäße unter der Netzhaut. Aus diesen Blutgefäßen tritt aber Flüssigkeit oder auch Blut aus. Es kommt zu Flüssigkeitsansammlungen unter der Makula, bzw. zur Narbenbildung.
Neue Therapie zur Behandlung der feuchten AMD

Derzeit wird die feuchte Makuladegeneration mit Anti VEGF-Substanzen behandelt, die in das Auge injiziert werden. Die VEGF-Substanzen blockieren das Wachstum der neuen Gefäße. Die Wirkung einer Spritze hält aber immer nur einen Monat.

Daher gibt es jetzt laut Frau Prof. Binder, Leiterin der Abteilung für Augenheilkunde am Krankenhaus Rudolfstiftung, die intraokuläre kurze Strahlentherapie.

Dabei handelt es sich um eine Betatron Strahlung, die eine sehr geringe Eindringtiefe hat, sodass anderes Gewebe und die Netzhaut nicht geschädigt werden. Diese Behandlung muss nur zwischen ein bis dreimal jährlich angewandt werden.
Trachoma

Trachoma ist eine bakterielle Augenerkrankung, die vor allem in Entwicklungsländern auftritt und unbehandelt zu Blindheit führt. Heute sind über acht Millionen Menschen weltweit aufgrund der Trachoma-Bakterien vollständig erblindet, und weitere 85 Millionen benötigen eine Behandlung, um nicht zu erblinden.

Die Krankheit führt dazu, dass sich das Augenlid nach innen dreht und die Wimpern über das Auge scheuern. Dies führt zu einer Vernarbung der Augenbindehaut und so zur Erblindung.

Frau Prof. Talin Barisani-Asenbauer, die auch bei uns in der Sendung zu Gast ist, forscht an einem Impfstoff gegen Trachoma. Der Impfstoff soll über die Augenoberfläche also über die Augenbindehaut verabreicht werden, da so das Immunsystem besser aktiviert wird.

Ihr Ziel ist es einen therapeutischen Impfstoff zu entwickeln, der zur Prophylaxe wie auch zur Therapie geeignet ist.

Dienstag, 7. September 2010

M-Theorie

Nun ja. Die Theorie, die Hawking meint, ist die sogenannte M-Theorie, in der es elf Dimensionen der Raumzeit gibt – und elementare Objekte („p-Branen“) mit null bis elf Raumdimensionen. Das Problem ist, von dieser M-Theorie auf die Beschreibung des Universums zu kommen, dessen Raumzeit bekanntlich nur vierdimensional ist. Dafür gibt es, wie die M-Theoretiker allen Ernstes sagen, 10500 Möglichkeiten, das macht 10500 mögliche Universen. Das ist mehr als viel. Hawking illustriert mit dem für ihn typischen trockenen Humor: „Wenn irgendein Wesen die für jedes dieser Universen vorhergesagten Gesetze in nur einer Millisekunde analysieren könnte, hätte es bis heute gerade mal 1020 geschafft. Und das ohne Kaffeepausen.“ Anderswo schreibt er: „Die Forscher versuchen noch immer, das Wesen der M-Theorie zu ergründen, doch das könnte sich letztlich als unmöglich erweisen.“ Dann aber wieder verkündet er: „Die M-Theorie ist die vereinheitlichte Theorie, die Einstein zu finden hoffte.“


10500 Universen zur Auswahl

Unergründlich, aber vereinheitlicht: Hawking entscheidet sich – wie manche theoretische Physiker – für eine verwegene Lösung: Es gibt nicht nur 10500 mögliche Universen, sondern es gibt sie wirklich. Wenn Hawking nicht schon auf der ersten Seite der Philosophie beschieden hätte, dass sie nichts zu reden habe, würden wir in aller Bescheidenheit Ockhams Rasiermesser zücken und sagen: Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden.

Seine Sicht der Quantentheorie beschert Hawking eine weitere gigantische Vermehrung der Welten. Er geht vom Formalismus aus, den Richard Feynman entwickelt hat (und zitiert dazu auch eine Arbeit der Wiener Gruppe um Anton Zeilinger ausführlich): Quantenobjekte folgen nicht einem Pfad, sondern allen möglichen Pfaden. Wenn man das gesamte Universum als Quantenobjekt sieht, meint Hawking, dann müsse man ihm auch zugestehen, dass es „nicht nur eine einzige, sondern jede mögliche Geschichte hat“. Was bedeutet, dass jedes der 10500 Universen, die die M-Theorie hervorgebracht hat, sich wiederum in unzählige Universen aufspaltet, die jeweils ihre eigene Geschichte haben. In einem davon leben Stephen Hawking und wir.

„Nur eine ganz geringe Anzahl“ dieser Universen, schreibt Hawking, „würde die Existenz von Geschöpfen wie uns zulassen. Daher selektiert unsere Anwesenheit aus dieser ungeheuren Zahl nur diejenigen Universen, die mit unserer Existenz vereinbar sind. Obwohl wir nach kosmischen Maßstäben nur winzig und unbedeutend sind, werden wir dadurch in gewissem Sinne zu den Herren der Schöpfung.“

Hawking ist nicht der einzige Physiker, der das anthropische Prinzip („Die Welt muss so beschaffen sein, dass unsere Existenz möglich ist“) so radikal interpretiert. Aber bei ihm wirkt es besonders himmelstürmerisch. Er macht nicht nur sich selbst „im gewissen Sinn“ zum Herren der Schöpfung, sondern schafft auch einen bekannten Konkurrenten, Gott, per Dekret aus der Welt. Respektive aus den Welten: Die reale „Vielfalt von Universen“ sei „eine natürliche Folge der physikalischen Gesetze“.


Nicht auf Gott „angewiesen“

Die „Schöpfung“ – Hawking bleibt beim theologischen beladenen Ausdruck! – sei damit „nicht auf die Intervention eines übernatürlichen Wesens oder Gottes angewiesen“. Nur auf die Physik als gesetzgebendes Organ.

Als (menschlicher) Gegner dient Hawking der Wiener Kardinal Schönborn, der sich erlaubt hat, in der Welt einen göttlichen „Zweck und Plan“ zu sehen – als Theologe, wohlgemerkt. Wenn Hawking scheinbar physikalisch dagegen argumentiert, betätigt er sich in Wahrheit längst als Theologe. Er sucht den „Großen Entwurf“, den ihm die Naturwissenschaft nicht bescheren kann, außerhalb von deren Grenzen.

Mittwoch, 1. September 2010

Seres

Für eine neue integrale Weisheit

Serres plädiert für eine "neue Weisheit" eines enzyklopädischen Wissens, die den komplexen Zusammenhängen verschiedener Wissenschaften nachgeht. Als Ort dieser Synthese fungiert die Philosophie; allerdings eine Philosophie, die sich auf die konkreten Probleme der Zeit einlässt und auch die Sinnlichkeit und Körperlichkeit des Menschen thematisiert.

Den meisten Philosophen wirft Serres vor, dass sie in ihren theoretischen Entwürfen das "In-der-Welt-sein" des Menschen weitgehend ignorieren. Deswegen konzipiert Serres die Gestalt des "Gebildeten Dritten", der in seinem Denken eine Synthese von naturwissenschaftlichen Forschungen und kulturhistorischer Bildung entfaltet.
Hermes - der Bote der Kommunikation

Serres wählt in seinen Schriften mythische Gestalten als Metaphern, um die Komplexität der neuen Weisheit zugänglich zu machen. Zur wichtigsten Figur wurde ihm Hermes, der Götterbote, Beschützer der Kaufleute, der Diebe und Übersetzer, der als symbolischer Vermittler aller Kommunikation steht.

Die Kommunikation, wie sie speziell in der neuen Technologie des Internet erfolgt, hat das Zeitalter der Produktion, das in den Industriegesellschaften vorherrschend war, abgelöst. Bevorzugter Ort der Innovation ist nun die Gesamtheit der Kommunikationstechniken, die "eine Philosophie der Gemenge und Gemische" bedingt.

Wir leben nicht länger in einem Raum des zentralisierten, sondern in einem Raum des verteilten Wissens. Diese Einsicht bedeutet für ein philosophisches Denken, das auf der Höhe der Zeit ist, Flexibilität und Mobilität. "Es gibt keine universelle Methode", schreibt Serres, "keinen Generalschlüssel, der alle Schlösser öffnet".
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Gestaltung: Nikolaus Halmer · zur Sendereihe
Service

* Michel Serres: Hermes I - V, Merve Verlag
I - Kommunikation, 1991
II - Interferenz, 1992
III - Übersetzung, 1992
IV - Verteilung, 1993
V - Die Nord-West-Passage, 1994

Michel Serres: Aufklärungen. Fünf Gespräche mit Bruno Latour, Merve Verlag, 2008

Michel Serres: Das eigentliche Übel, Merve Verlag, 2009

Michel Serres: Der Parasit, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 677, 1987

Michel Serres: Die fünf Sinne. Eine Philosophie der Gemenge und Gemische, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1389, 1998

Michel Serres (Herausgeber): Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1355,1998

Richard Jochum: Komplexitätsbewältigungsstrategien in der neueren Philosophie: Michel Serres, Peter Lang Verlag, 1998

Service

Buch, Michel Serres, Hermes I – V: "I. - Kommunikation/ II. - Interferenz/ III. -Übersetzung/ IV.-Verteilung/ V.- Die Nord-West-Passage", aus dem Französischen von Michael Bischoff/Peter Gente, Merve Verlag

Buch, Michel Serres, "Atlas", aus dem Französischen von Michael Bischoff, Merve Verlag

Coaching

Fit für die Zukunft, gecoached für die Karriere, stark für den Start. Wer wünscht sich das nicht. Das Vehikel dazu heißt seit einiger Zeit Coaching. Die Angebote sind zahlreich, der Markt boomt. Stimmtherapeuten, Entspannungsprofis und asiatische Heilslehren stützen Karrieristen, Manager/innen und Veränderungswillige gegen die Hire-and-Fire-Paranoia. Was bringt dabei der Personaltrainer, der Coach fürs Selbstbewusstsein und das Stimmungshoch.

Nun hat sich die Hirnforschung auch damit beschäftigt und Systemtherapeuten haben daraus die "brainsource-Methode" entwickelt. Diese Methode verknüpft Intellekt und Emotion. Gelingt dies, so zeigt sich in zahlreichen gehirnphysiologischen Untersuchungen, dass unwillkürliche Prozesse im Gehirn schneller, effektiver und ökonomischer wirken als bewusste - d. h., gute Ergebnisse werden mit weniger Energie erzielt. Systemische, bewusste Lösungsansätze und das Wissen der Erfahrung, die im Unbewussten gespeichert ist, helfen also zum Erfolg.

Dienstag, 31. August 2010

Geldüberweisungen f. Migranten

Schickt man etwa aus Österreich via Western Union 85 Euro, bleiben nach Bezahlung der Gebühr 67,5 Euro, davon werden aber auch noch die Konvertierungskosten von Währungen abgezogen. Die Spesen bleiben beim Geldüberbringer.

Das Geschäft kann sich sehen lassen. Bei jährlichen Transaktionen von privaten Verbrauchern mit einem weltweiten Volumen von 71 Milliarden Dollar wie bei dem Marktführer Western Union wird ein Gewinn von über fünf Milliarden Dollar erzielt.
Mehr Filialen als McDonalds

Allerdings funktioniert dieses System vor allem dort, wo es keine anderen Alternativen gibt. Je besser sich Mitspieler auf dem Markt wie etwa Banken vernetzen, desto eher werden sie überflüssig. Noch gibt es aber ausreichend Länder und Regionen, wo weite Teile der Bevölkerung keine Bankverbindungen haben. Western Union ist mit über 400.000 Zahlstellen dafür breit vertreten. Der Konkurrent MoneyGram verfügt über die Hälfte. Das ist immer noch mehr als dreimal so viel wie McDonalds weltweit mit Filialen vertreten ist – rund 31.000.

In Österreich gibt es für den Geldtransfermarkt eine Zielgruppe von rund 1,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund laut Western Union. Das Unternehmen ist hier mit 2.900 Vertriebsstandorten vertreten und kooperiert dabei auch mit Banken. Im Schnitt transferieren Kunden in Österreich 300 Euro. In Deutschland soll das Netzwerk laut „Handelsblatt“ durch Vertriebskanäle in polnischen und russischen Supermärkten, Callshops und Internetcafes erweitert werden.
Konkurrenz wächst

In Österreich bieten etwa die türkischen Banken Deniz und Vakif vergünstigte Konditionen an. In Deutschland will die Targobank mit der türkischen Akbank spezielle Angebote für türkische Einwanderer machen. Überweisungen können durch die Kooperation kostenlos durchgeführt werden, berichtete das „Handelsblatt“. Besondere Konditionen für türkische Migranten bietet bereits die Deutsche Bank mit der Hypovereinsbank unter den Namen Bankamiz und Yapi Corners, allerdings nicht länderübergreifend, wie im Fall der Targobank.

Sonntag, 22. August 2010

HBM

Exposé

1. Was ist der zentrale Aspekt des Artikels, den Sie uns anbieten?
2. Was ist daran neu und überraschend?
3. Haben Sie systematisch untersucht - am besten in Form einer repräsentativen Studie -, ob Ihr Ansatz den Unternehmenserfolg erhöht? (Falls nein, weiter mit Frage 6)
4. Falls ja:
a) Wie viele Menschen haben Sie befragt?
b) Wie viele haben geantwortet?
c) Wer wurde befragt?
d) Wann fand die Befragung statt?
e) Wie haben Sie gefragt - per Fragebogen, Gespräch, online etc.?
f) Ist Ihre Befragung repräsentativ?
5. Fassen Sie bitte die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Studie zusammen.
6. Welche Handlungsempfehlungen für das Management geben Sie?
7. Mit welchen Unternehmensbeispielen/ Best-Practice-Beispielen wollen Sie Ihren Beitrag illustrieren? (Bitte Firmennamen nennen.)
8. Skizzieren Sie bitte die einzelnen Fallbeispiele. Zum Beispiel: "Die Lufthansa gilt als vorbildlich, was die Nachfolgeplanung für den CEO angeht. Kandidaten werden typischerweise innerhalb des Unternehmens entwickelt; der Vorstandsvorsitzende sucht sich diskret zwei Manager aus, die ihr Potenzial bewiesen haben" (siehe Harvard Business Manager, März 2009, "Den Chefwechsel richtig planen" von Michael Leitl).
9. Fassen Sie Ihren Beitrag bitte so zusammen, dass sowohl These als auch Argumentation und Gliederung klar erkennbar sind. An dieser Stelle können Sie auch die wichtigsten Grafiken oder Tabellen einfügen.
10. Beschreiben Sie bitte kurz Ihre wissenschaftliche oder praktische Karriere sowie Ihre aktuelle berufliche Position, und schildern Sie, inwieweit Ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit Ihrem Beitrag stehen.

Ausschlusskriterien

Wir freuen uns über jedes angebotene Thema. Doch nicht jeder Artikel passt zum Harvard Business Manager.

Freitag, 20. August 2010

Dubiose Helfer

Helfer und Täter

Was Linda Polman zu erzählen hat, ist teils tragisch, teils skandalös. Die Tragik des professionellen Helfens liegt darin, dass das Helfen - vornehm ausgedrückt - etwas kostet. Gewalt, Korruption und Skrupellosigkeit, auf die man in den Einsatzgebieten trifft, bedingen das Zahlen von Schutzgeldern, von Schmiergeld oder das Abtreten von bis zu achtzig Prozent der Hilfsgüter an lokale Warlords, die damit die Kriegsökonomie ohne eigenes Investment ins Laufen bringen.

Die Helfer helfen also den Tätern, weil sie sonst nicht an die Flüchtlinge und Kriegsopfer herankommen. Manche Hilfsorganisationen gehen, um sich ihr Territorium zu sichern, sogar so weit, mit ihren Hilfstransporten Waffen zu schmuggeln oder einzelnen Warlords ihre gesamte Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Inszenierte Betroffenheit

Das Helfer Tätern helfen, ist schon skandalös genug. Wirklich ekelhaft wird es dann, wenn die Not von Menschen dafür benutzt wird, um den Bestand der Hilfsorganisationen zu rechtfertigen und den Geldfluss nicht versiegen zu lassen.

Zu diesem Zweck werden etwa verstümmelte Kinder als sogenannte "Donor Darlings" wie früher in Freak-Shows vorgeführt. Etwa in der Show der amerikanischen Talkmasterin Oprah Winfrey. "Damba war neu Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter Fina amputiert wurde, jede einen ganzen Arm", schildert Polman einen besonderen Fall. Eine Hilfsorganisation brachte das Mädchen aus Sierra Leone in die USA, die Mutter erhielt 100 Dollar, dann hörte sie nichts mehr von ihrer Tochter.

Damba, inzwischen 16 Jahre alt, war von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert worden und besucht die High School. Oprah möchte wissen, ob sie wohl noch an ihre Mutter denkt. "Ja", sagt Damba. Nun, dann hätte Oprah eine Überraschung. "Hier ist deine sierra-leonische Mutter!"

Oprahs Publikum springt jubelnd, weinend und applaudierend von den Sitzen auf. Erschrocken kommt Fina, die Mutter, aus den Kulissen zum Vorschein. Sie trägt ein neues Kleid, auch ihre Prothese ist neu, aber sie wirkt dünn und krumm neben all diesen riesigen Amerikanerinnen. "Wir haben für deine Mutter ein Visum für ein paar Wochen arrangiert", sagt Oprah. Danach muss Fina wieder zurück in ihre afrikanische Hütte im Murray Town Camp.
Die Grenzen des Helfens

Vielleicht macht das Geschäft mit der Not viele Helfer zynisch. Vielleicht macht das viele Geld, das jährlich für Hilfsaktionen zur Verfügung steht, blind für den Zweck, vielleicht ist schon die Verwaltung der Hilfe eine hilflose Angelegenheit, weil sie einen Großteil der Energie und Mittel verzehrt, die den Betroffenen nicht mehr zugutekommen.

Mittwoch, 18. August 2010

Bevölkerungswachstum und Ernährung

http://rstb.royalsocietypublishing.org/content/current/

Donnerstag, 12. August 2010

Koruption in Ö.

Die Tricks der Korruptionisten
Korruption bezeichnet nicht nur strafbare Handlungen, sondern auch einen moralischen Verfall. Unsere Korruptionisten sind daher nicht unbedingt Kriminelle, sondern schlicht geschickter als je zuvor. Meischberger, Hochegger, Mensdorff und Birnbacher verdienten ihre Millionen nicht dadurch, dass man ihnen wie früher einen schwarzen Koffer mit Bestechungsgeld rüberschiebt (das sie später womöglich mit Politikern teilen). Diese Lobbyisten und Berater verdienen ihr Geld völlig legal. Mittels Beraterverträgen und Erfolgsprovisionen im Schatten von Milliardendeals. Nur die Gier Meischbergers und Hocheggers, die ihr Salär nicht einmal versteuern wollten, machte das System dahinter öffentlich.

Vor allem die Erfolgsprämien, so kritisieren Korruptionsermittler, sind das Grundübel. Denn die Berater kassieren nur dann, wenn der von ihnen betreute Deal gelingt. Die Konsequenz: Die Lobbyisten unterliegen der enormen Versuchung, alle Fädchen ziehen zu wollen, um die Politiker in ihrem Sinne zu bewegen. Das erhöht ihre Bereitschaft, Kickbacks und Parteispenden anzubieten. Und es führt dazu, dass vor allem jene zum Zug kommen, die die besten Beziehungen zu Behörden und Politikern haben – etwa weil sie selbst Politiker waren und in ihrem „Biotop“, wie Walter Meischberger es nennt, zu schwimmen wissen. Einen Ausweg zeigt Ungarn: Dort ist der Kontakt zwischen Lobbyisten und Behörden während öffentlicher Ausschreibungsverfahren verboten. Alle Beraterverträge sind offenzulegen.

Ein beliebter Trick ist auch das Darlehen. Immer wieder taucht es auf, wenn eine hohe Zuwendung nicht erklärt werden kann. Österreichs Air Chief Wolf bekam Geld von einem Eurofighter-Lobbyisten „geliehen“. Der ehemalige Grasser-Sekretär Michael Ramprecht erhielt ein Darlehen vom Immobilientycoon Ernst Plech. Walter Meischbergers 2,5-Millionen-Schilling-Sparbuch, das ihm den Abschied aus der Politik versüßen sollte, war „Meischi“ zufolge ein Darlehen. Die Konsequenz: Die Staatsanwaltschaft muss den Nachweis erbringen, dass das Darlehen in Wahrheit keines war, sondern Schmiergeld. Das gelingt fast nie.

Noch etwas ist auffällig: die Flut an Briefkastenfirmen und Nummernkonten in Steuerparadiesen. Mandarin, Astropolis, Ferint, Omega, das sind nur ein paar Namen von Firmen, die in Wahrheit wohl dazu dienen, die Eigentumsverhältnisse von Geldern zu verschleiern. Die Ermittler beißen sich daran die Zähne aus. Denn sie agieren trotz aller internationaler Kooperation letztlich immer noch national. Wollen sie eine Briefkastenfirma knacken, müssen sie komplizierte Rechtshilfeersuchen stellen und Monate auf die Antwort warten. Das führt zum nächsten Problem.


Die Nöte unserer Staatsanwälte
Die Strukturen unserer Justiz stammen im Grunde noch aus der Monarchie. Die Staatsanwaltschaft ist hierarchisch organisiert, dem Justizminister unterworfen. Er entscheidet, wer Karriere machen darf. Kritik von unten wird selten geschätzt. Wer aufmuckt oder gar öffentlich Reform einmahnt, ist bald als „Grüner“ oder „Linker“ punziert.

Samstag, 7. August 2010

Rothschild

Von Beginn an finanzierte sich das Regime mit drastischer Ausweitung der Staatsverschuldung. Schon in den beiden ersten Jahren nahm der adelige Reichsfinanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk zehn Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert rund 43 Milliarden Euro) Kredit auf. Bis Kriegsbeginn summierte sich die Neuverschuldung von Hitler-Deutschland auf etwa 40 Milliarden Reichsmark (RM). Weil seine Politik ständig im Vorgriff auf die Zukunft lebte, verbot Adolf Hitler bereits im ersten Jahr seiner Reichskanzlerschaft 1933, die Zahlen des nächsten Budgets bekannt zu geben. Dabei blieb es die zwölf Jahre bis zum Ende des Regimes.

Vater der „produktiven Kreditschöpfung“ wurde der renommierte Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Er ließ über die Scheinfirma „Metallurgische Forschungsgemeinschaft“ (Mefo), hinter der unter anderem Krupp und Siemens standen, die berüchtigten „Mefo-Wechsel“ ausstellen. Die Reichsbank übernahm die Bürgschaft, als Schuldner schien das Reich aber nicht auf. So wurde zwischen 1934 und 1936 die Hälfte aller Wehrmachtsaufträge „verdeckt“ finanziert.

Das NS-„Wirtschaftswunder“ auf Pump war von Anfang an auf großindus­trielle Rüstung getrimmt, Mittelstandspolitik wurde vernachlässigt. Von den geborgten Milliarden flossen lediglich sechs in zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Hitler hatte in einer seiner ersten Kabinettssitzungen angeordnet, Beschäftigungsmaßnahmen aus öffentlichen Geldern nur zu stützen, wenn sie zugleich der „Wehrhaftmachung des deutschen Volkes“ dienten. Allzu offensiv betriebene Aufrüstung war jedoch durch den Vertrag von Versailles vorerst untersagt. Daher wurde auch in die propagandistisch bestens verwertbare Reichsautobahn, in öffentliche Bauten – wie das gigantomanische Reichsparteitagsgelände in Nürnberg – und in den Wohnbau investiert.

Wie sehr die NS-Wirtschaft auf Krieg eingestellt wurde, demonstriert der Anteil der Ausgaben für Militär und Aufrüstung: Er wurde von vier Prozent im Jahr 1933 auf exorbitante 39 Prozent im Jahr 1936 gepusht. In der Rüstungsindustrie herrschte nun bereits Arbeitskräftemangel: Von den ursprünglich sechs Millionen Arbeitslosen hatten 4,5 Millionen Beschäftigung gefunden. Die Einführung von Reichsarbeitsdienst und Wehrpflicht 1935 kam dem „Beschäftigungswunder“ zugute: Bis 1939 wurden eine Million Deutsche zu Soldaten.

Die zentrale Zuspitzung der NS-Wirtschaftspolitik auf ihr eigentliches Ziel erfolgte 1936: Hermann Göring, mächtigster Mann nach Hitler, wurde de facto Wirtschaftsdiktator. Als Beauftragter des „Vierjahresplans“ sollte er Deutschland in vier Jahren militärisch und ökonomisch kriegsfähig machen.
Spätestens diese Entscheidung macht offensichtlich, dass die NS-Wirtschaftspolitik nicht dem Dogma der aktiven Konjunkturpolitik des wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, folgte. Ab 1936 herrschte im Reich Vollbeschäftigung – die expansiven Staatsausgaben auf Pump waren daher der Wirtschaftsentwicklung eher schädlich.

Der Improvisationscharakter der NS-Wirtschaftspolitik kam nun immer deutlicher zum Vorschein. Reichsbankpräsident Schacht warnte bereits früh vor dem massiven Einsatz der Notenpresse: „Aus Papier kann man weder Brot backen noch Kanonen gießen.“ Um die Symptome der Inflation zu bekämpfen, wurden Preis- und Lohnstopps erlassen. Die Warnungen Schachts, dass das Wirtschaftssystem unweigerlich an die Wand fahren musste, verhallten bei Hitler ungehört. 1937 legte Schacht sein Amt als Wirtschaftsminister nieder, im Jänner 1939 entließ ihn Hitler letztendlich auch als Reichsbankpräsidenten. Der „Führer“ wollte seinen Aufrüstungswahnsinn nicht von einem „Bedenkenträger“ bremsen lassen. Sein Ziel hieß Eroberung von ­Lebensraum für die „arische“ Rasse, die völkische Bewegungen bereits im Deutschen Kaiserreich gefordert hatten. Ausplünderung war vorgegeben. Hitler: „Wir können uns auf der eigenen ­Grundlage nicht ernähren. … Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.“

Österreich war als Expansionsziel schon lange im Visier des NS-Regimes. Kanzler Engelbert Dollfuß aber hatte sich im Einklang mit Italiens Faschistenführer Benito Mussolini gegen Deutschland gestellt. Um Druck auszuüben, wurde daher im Mai 1933 die 1000-Mark-Sperre verhängt: Diese Summe (heute knapp 4000 Euro) mussten Deutsche vor einer Österreich-Reise zahlen. 1936 schloss Kanzler Schuschnigg mit Hitler das „Juli-Abkommen“, das den Anschluss vorbereitete.

Anfang 1938 stand das Deutsche Reich kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb in sein Tagebuch: „Danach sieht’s doch schlimmer aus, als ich gedacht. Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber am Mangel an Waffen.“ Zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März war er mächtig erleichtert: „Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. Dafür aber Österreich“ (Goebbels’ Tagebuch, 27. März 1938).

„Letztlich war der Anschluss 1938 im Wesentlichen ökonomisch begründet“, so Wirtschaftshistoriker Peter Eigner. Die „Heim ins Reich“-Phrasen seien dem nur umgehängt worden.

Die augenblicklich wichtigste Beute waren die Gold- und Devisenvorräte, die das autoritäre Dollfuß-System zur Währungsstabilität angesammelt hatte. An Feingold hatte die österreichische Nationalbank 78.267 Kilogramm. Ein Teil davon lagerte in den Tresoren der Bank of England und wurde anstandslos an die Reichsbank ausgeliefert. Mit den Beständen, die eingeschüchterte Österreicher an die Deutschen verkauften, dürften 1938 aus Österreich Gold und Devisen im Wert von 1,3 Milliarden Reichsmark nach Berlin transferiert worden sein. Das war etwa 18-mal mehr, als die Reichsbank selbst hatte. Das im österreichischen Bewusstsein eingegrabene „Hitler hat uns Arbeit gegeben“ ist demnach schlichtweg falsch. Denn nicht Hitler, sondern Österreich selbst finanzierte den Aufschwung.

Die „Ostmark“ hatte zudem reiche Bodenschätze an Magnesit, Eisenerz und Erdöl, welche die NS-Rüstung dringend brauchte: 1939 kamen je ein Fünftel der Erdölproduktion und des Eisenerzes des Reichs bereits aus Österreich. In den Alpen (Kaprun) und an der Donau (Ybbs-Persenbeug) wurde mit dem Bau von Kraftwerken begonnen. Der Kriegsverlauf zwang die NS-Strategen jedoch laufend zu Änderungen ihrer Projekte: Die beiden Baustellen wurden bald eingestellt.

Der Steyr-Konzern sollte Paradebeispiel für die Umwandlung eines großen österreichischen Industriebetriebs in ein regelrechtes Rüstungsimperium der NS-Ära werden – und zwar in allen Aspekten. 1938 war er in Mehrheitsbesitz der Creditanstalt. Die Bank wurde gezwungen, Steyr an den Rüstungskonzern Hermann-Göring-Werke zu verkaufen. Der jüdische Direktor Paul Goetzl musste gehen, Generaldirektor wurde der in Mondsee geborene Georg Meindl, der als SS-Mitglied exzellente Kontakte sowohl zu Göring als auch zu SS-Chef Heinrich Himmler hatte.

Unter ungeheurem Druck wurde modernisiert und gebaut. 1938 machte das Unternehmen 57 Millionen Reichsmark Umsatz, 1943 das Achtfache. Ähnlich explodierte die Zahl der Mitarbeiter: von 7000 im Jahr 1938 auf 50.000 im Jahr 1944. Jeder zweite von ihnen war KZ-Häftling oder Zwangsarbeiter. Das neue „Nibelungenwerk“ in St. Valentin, Oberösterreich, wurde neben Krupp größtes Panzerwerk im Dritten Reich.
Steyr-Generaldirektor Meindl gelangte zur zweifelhaften Ehre, im gesamten Deutschen Reich als „Pionier“ beim Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstung zu gelten. Anfang 1942 errichtete die SS für Steyr ein eigenes KZ-Nebenlager, beim gigantischen Stollenbau zur unterirdischen Verlagerung bei Melk wurden 15.000 KZ-Häftlinge eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Meindls verkohlte Leiche gefunden. Der Historikerbericht „Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus“ urteilt über einen der wichtigsten Konzernmanager im nationalsozialistischen Österreich: Wenn man überhaupt von einem industriellen Erbe Meindls sprechen könne, dürfe man nicht verschweigen, dass es „auch von ­extremer Kriminalität getränkt war“.

Otlet von Stocker

Vielleicht aber sollten wir noch weniger weit zurückgehen, denn ich behaupte, die digitale Revolution hat erst 2004 begonnen, mit dem Durchbruch von Wikipedia, als man dort erstmals 1.000.000 Artikel verzeichnete und etwas, das man für naive Träumerei gehalten hatte, Wirklichkeit wurde: Hunderttausende stellen ihr Wissen, ihre Arbeit und ihre Zeit zur Verfügung und lassen die größte Sammlung an Wissen entstehen, die es jemals gab, in mittlerweile über 200 Sprachen! Das ist der neue Turm von Babel, der nicht mehr zum Einsturz gebracht werden kann. Denn das wirklich Revolutionäre an Wikipedia ist nicht die Tatsache, dass Menschen Information sammeln, sondern dass wir alle dies frei nutzen können.

Zur Zeit sind ca. 15 Mio. Artikel in der Wikipedia, und das ist tatsächlich sehr viel; aber können Sie sich vorstellen, dass es bereits vor etwa 100 Jahren ein Archiv, oder besser: ein Datencenter gegeben hat, in dem 15 Mio. Karteikarten angelegt waren, um das Wissen der Menschheit zugänglich zu machen? Damals schon konnte man per Brief oder per Telegraf Suchanfragen stellen. Bis zu 1.500 solcher Suchanfragen wurden pro Jahr bearbeitet - im Mundaneum in Brüssel, das von den beiden Friedensaktivisten Paul Otlet und Henri La Fontaine aufgebaut worden war.

Schlüssel zum Frieden

Paul Otlet war eigentlich Jurist und Unternehmer, sein Leben aber widmete er einer großen Idee: Er wollte eine universelle Bibliothek aufbauen und mit allen teilen. Nicht nur weil er begeisterter Bibliothekar war, sondern weil er sich sicher war, dass dies der Schlüssel zu einer friedlichen Welt sein würde. Mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Henri La Fontaine begann er 1895, diese Idee umzusetzen.

Mit 400.000 Karteikarten, auf denen die beiden Bücher, Zeitschriften, Fotos etc. katalogisiert hatten, gründeten sie das Office International de Bibliographie, das bis in die 30er-Jahre auf ganze 15 Mio. Karteikarten anwachsen sollte. Gegen eine geringe Gebühr konnte man Suchanfragen stellen. Diese wurden dann auch in die Katalogisierung aufgenommen, wodurch, unter Mithilfe der User, die Treffsicherheit des Systems ständig verbessert wurde. Otlet nannte dies damals schon den "sozialen Raum" der Dokumente, er entwickelte sein eigenes Universelles Dezimales Klassifikationssystem (UDC). Heute nennen wir das Tagging, Folksonomie oder Pageranking und glauben, dass Google, Amazon und Co dies erfunden hätten.

Noch in den 30er-Jahren arbeiteten Otlet und La Fontaine daran, verteilte Datenzentren in Paris, Chicago und Rio de Janeiro aufzubauen. Doch die Wirtschaftskrise machte ihr Projekt zunehmend unfinanzierbar. Als die Nazis 1940 Belgien besetzten, räumten diese das Mundaneum und verbrannten ca. 70 Tonnen an Dokumenten. 1944 starb Otlet einsam und enttäuscht, nicht ohne eine verblüffende Zukunftsvision zu hinterlassen: Er beschrieb ein multimediales Kontinuum von verknüpften Informationen, die on Demand in der jeweils optimalen Kombination aus vernetzten Datenzentren direkt auf den Arbeitsplatz übertragen werden würden, auf Bildschirme, auf denen die Information in mehreren Fenstern strukturiert angezeigt werden würde, ergänzt mit Ton und Film - er nannte es das universelle Buch, das Buch der Bücher. (Gerfried Stocker/DER STANDARD, Printausgabe, 7.(8.8.2010)

Freitag, 6. August 2010

Wien

http://martinmargulies.wordpress.com/2010/08/03/reiches-wien-%E2%80%93-armes-wien/

Arabic - difficult ?

http://www.al-bab.com/arab/language/lang.htm

English - Present progressive

http://www.keepschool.de/unterrichtsmaterial-Simple_Present_und_Present_Progressive-889.html

Learning English

http://www.englishpage.com/verbpage/simplepast.html

Russian

http://russian-video-blog.com/must-see-resources-for-learning-russian-intermediate/

Sonntag, 25. Juli 2010

www.steuerboykott.org

1) Das Schuldgeld-System an sich und den damit verbundenen Zwang zum unendlichen Wirtschaftswachstum

2) Das staatliche Bonzen- u. Freunderl-System

3) Den sog. Generationenvertrag

Statt sozialem Fortschritt ernten wir daher Burnout und Kinderlosigkeit - weil weite Teile des privaten Rückzugsbereichs auch schon der Gier der Pyramidenspiele geopfert wurden. Natürlich beschleunigt das den Abstieg noch, weil so den Pyramiden noch mehr Nahrung entzogen wird.

Früher oder später wird es gewaltig krachen. Ich hoffe eher früher, weil alles, was bis dahin passieren kann nur eine Leidensverlängerung ist. Besser eine Ende mit Schrecken mit nachfolgendem Neuaufbau, als Schrecken ohne Ende.

Kusin - aus FALTER

Franz Kusin ist ein mächtiger Betriebsrat. Als Chef der Christgewerkschafter (FCG) bei der Telekom und als stellvertretender Zentralbetriebsratsobmann des Konzerns handelt er nach der Devise „Der Mensch hat Vorrang“. So steht es auf Kusins Homepage, in der die „Überparteilichkeit“ der FCG hervorgehoben wird.

Kusin hat in den vergangenen Jahren viel geleistet. Im Jahr 2008 verhandelte er mit dem Telekom-Vorstand das Projekt „Target 09“, bei dem 1250 Telekom-Mitarbeiter „dienstfreigestellt“ wurden. Kusin begrüßte auch die Pläne der ÖVP-Innenministerin, dass unnütze Telekom-Mitarbeiter fortan bei der Polizei arbeiten.

Der Betriebsrat selbst braucht nicht zu fürchten, auf dem Abstellgleis zu landen. Er verdingt sich als Berater von Karl-Heinz Grassers Ex-Geschäftspartner, dem ehemaligen Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger. Zur Erinnerung: Gemeinsam mit den Grasser-Geschäftsfreunden Walter Meischberger und Ernst Plech wird gegen Hochegger wegen Untreue rund um die Privatisierung der Buwog-Wohnungen ermittelt.

Bei Hausdurchsuchungen in diesem Fall stießen die Ermittler auf jede Menge brisante Dokumente – etwa Honorarnoten von Franz Kusin. So verrechnete er für eine dreimonatige „Beratungstätigkeit in sozialrechtlichen Fragen“ der Hochegger’schen Valora Unternehmensberatung AG 30.000 Euro – das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Telekom-Mitarbeiters.

Als unkündbarer Betriebsrat hat Kusin also ein nettes Nebengeschäft aufgerissen – und zwar bei einem Grasser-Freund und PR-Berater, der für die Chefetage der Telekom arbeitete. Ist das vereinbar? „Ich werde meine privaten Geschäfte nicht kommentieren“, sagt Kusin im Gespräch mit dem Falter. Er sei eben nicht nur Betriebsrat, sondern auch „Managementberater“ und habe Nebengeschäfte gemeldet.

Markus Hinker, roter Zentralbetriebsratschef der A1 Telekom Austria AG, ist fassungslos: „Das ist ein Wahnsinn. Ich bin mehr als überrascht, dass Herr Kusin solche lukrativen Beraterverträge abschließt und uns nicht darüber informiert.“ Solche Nebenjobs seien „absolut unüblich“. Wenn ein Lobbyist Know-how benötige, könne er sich ja an die Arbeiterkammer wenden. Die rote FSG, so beteuert Hinker, habe „keinen Cent“ von Grassers Lobbyisten erhalten.

Der hübsche Beratervertrag muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen, bekam nicht nur Betriebsrat Kusin privat einen Batzen Geld, sondern auch die Fraktion Christlicher Gewerkschafter über Umwege einen Zuschuss von der Telekom. So wurden der FCG über Hocheggers Valora AG 30.000 Euro unter der Chiffre „Marketingzuschuss Telekomzuschuss“ überwiesen. Das Geld, so gab Peter Hochegger vor dem Staatsanwalt zu Protokoll, sei „auf Wunsch der Telekom/Herrn Fischer geleistet worden. (...) Die Abrechnung erfolgte über mich, wahrscheinlich weil die Telekom das nicht direkt bezahlen wollte.“ Rudolf Fischer war damals Festnetz-Chef der Telekom und stellvertretender Telekom-Boss, ehe er sich verabschiedete.

Nicht nur die konservative Gewerkschaft wurde mit „Zuschüssen“ bezahlt, auch die FPÖ hat ansehnliche Summen von der Telekom erhalten. Im Dezember 2004 hat Peter Hocheggers Compagnon Walter Meischberger an die Neue Freie Zeitung, das Parteiblatt der FPÖ, insgesamt 192.000 Euro überwiesen.

Wurden hier Betriebsräte und Parteien rund um die Telekom-Privatisierung mit Spenden wohlwollend gestimmt? Die Justiz untersucht nun den 6,5-Millionen-Euro-Etat, den Hochegger von der Telekom für seine PR-Aktivitäten kassierte.

Vor allem die Überweisungen an die FPÖ-Zeitung riechen nach Parteienfinanzierung. Offiziell wurden die 192.000 Euro für die „Platzierung verschiedener Persönlichkeiten und Produkte“ in der Parteizeitung der „Ehrlichen und Anständigen“ geleistet. Meischberger erklärte dem Staatsanwalt wortreich, wofür das Geld der Telekom floss: „Ich habe mit der Neuen Freien Zeitung vereinbart, dass Geschichten z.B. über das Aufstellen von Handymasten (...) erscheinen.“ Ein Journalist der FPÖ-Zeitung, so Meischberger, „hat dann (...) entsprechende Artikel verfasst.“ Das Merkwürdige an dieser Kooperation zwischen Telekom und FPÖ: Entsprechende Artikel sind nie erschienen.

Für die Staatsanwaltschaft stellt sich nun die Frage, ob die Zahlungen rund um die Privatisierungen der Telekom erfolgten, um blaue Politiker und schwarze Gewerkschafter für die Interessen der Telekom gefügig zu machen. In diesem Zusammenhang ist eine Aussage Walter Meischbergers interessant. Er arbeitete als Subunternehmer von Hochegger. Einmal habe er seinem Freund Hochegger insgesamt 72.000 Euro für „Kommunikationsberatung“ im Rahmen des Projekts „Fixed Line“ (Festnetz) in Rechnung gestellt. „Meine Aufgabe“, so Meischberger, „war das Lobbying in den Parlamentsklubs von BZÖ und FPÖ. Es gibt immer wieder Gesetzesänderungen oder Wünsche für Gesetzesänderungen, und ich habe mich umgehört, wie die Meinungen der einzelnen Entscheidungsträger zu diesen Interessen waren, und habe dann die notwendige Information von der Telekom an die jeweiligen Leute im Parlamentsklub weitergegeben.“

Eines der Projekte, das Hochegger für die Telekom in Angriff nahm, war eine Kooperation der Telekom mit dem berüchtigten Glücksspielgiganten Novomatic. Der Milliardenkonzern wollte sein Glücksspiel nicht nur über Spielautomaten, sondern auch über den Internetdienst aon anbieten. „Dazu“, so Hochegger, „hätten die Gesetze geändert werden müssen.“ Meischberger habe „die Überzeugungsarbeit in Richtung BZÖ/BMF (Bundesministerium für Finanzen, Anm.) gemacht. Er hat mit Politikern gesprochen und ihnen Gutachten vorgelegt.“

Die Justiz prüft nun, ob Politikern wirklich nur „Gutachten“ hingeblättert wurden. Hochegger weist Bestechungsvorwürfe zurück, er habe ganz legal als Lobbyist gearbeitet. Bei der Telekom verweist ein Sprecher darauf, dass die damals verantwortlichen Vorstandsmitglieder Rudolf Fischer und Gernot Schieszler den Konzern verlassen hätten. Die interne Revision überprüfe die Vorgänge, an neuen Compliance-Richtlinien in Sachen Sponsoring und Lobbyismus werde gearbeitet. Man kooperiere voll mit den Behörden. Für alle Beteiligten gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Freitag, 23. Juli 2010

http://ethanzuckerman.com/

Mythen entzifffern

ötter, Philosophen und die Ideologie

Leider führt Luc Ferry im Buch noch einen ganz persönlichen Kreuzzug, nämlich den gegen das Christentum - und somit auch gegen das "Buch der Bücher", die Bibel.

Das Ziel der menschlichen Existenz ist es nicht, wie die Christen bald glauben werden, durch alle Mittel, auch die moralischsten und langweiligsten, das ewige Heil, die Unsterblichkeit, zu erlangen, denn das gelungene Leben eines Sterblichen steht weit über dem misslungenen Leben eines Unsterblichen!

Mit solchen Aussagen ist Ferrys Mythen-Buch reich garniert. Natürlich hat der Autor ein Recht auf seine persönliche Welt- und Glaubensanschauung und natürlich kann er diese in Buchform gießen.- Aber müssen "Kinder", Jugendliche, an die das Buch sich in erster Linie richtet, ideologisch aufgeladen werden?

Und auf noch etwas vergisst Ferry geflissentlich hinzuweisen. Seit der Renaissance haben Dichter und Denker immer wieder versucht, die griechische Götter- und Mythenwelt mit dem christlichen Weltbild harmonisch zu verbinden - auch die Versuche Hölderlins und Heideggers gehören hier her.

Nach Luc Ferry ist das Ziel des griechischen Mythos und damit auch das Ziel der Philosophie eines: "das gelungene Leben". Das Ziel eines Autors ist das gelungene Buch. Wie man sieht, ist beides nicht leicht zu haben.
back zurück



Luc Ferry, "Leben lernen: Die Weisheit der Mythen", aus dem Französischen übersetzt von Lis Künzli, Verlag Antje Kumstmann

Gehirnforschung - kritisch

http://www.youtube.com/watch?v=09VjLAwLeiM

Alles neuro ?

http://www.ifvll.ethz.ch/people/ralphs/Schumacher_Alles_Neuro_Gesamt.pdf

Erde zumüllen ?

Haben Sie sich schon einmal überlegt, welchen Weg das T-Shirt, das Sie gerade anhaben, schon zurückgelegt hat? Die amerikanische Aktivistin Annie Leonard veranschaulicht in ihrem Buch "The Story of Stuff" die Geschichte unserer Sachen - von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.
Aus Rohstoffen wird Abfall

Das "Time Magazin" ernannte sie 2008 zur "Umweltheldin", konservative Kritiker bezeichnen sie als "Marx mit Pferdeschwanz": Annie Leonard beschreibt in ihrem Buch "The Story of Stuff" bildhaft, wie sich Rohstoffe in Komsumgüter verwandeln, und am Ende daraus "Stuff", also Müll wird - viel zu viel Müll.

Auch in einem Kurzfilm auf ihrer Website, der mit schwarzweißen Strichmaxerln animiert ist, erklärt sie energisch, welche Probleme es gibt. Und warnt, dass unser derzeitiger Bedarf an Ressourcen die Kapazität der Erde um das Eineinhalbfache übersteigt.

"Uns gehen die Rohstoffe aus, wir verbrauchen zu viel", heißt es in Leonards Kurzfilm. "Allein in den letzten drei Jahrzehnten wurde ein Drittel der weltweit vorhandenen Rohstoffe verbraucht. Wir in den USA verbrauchen nicht nur zu viel, sondern mehr als uns im Vergleich zusteht. Die USA machen fünf Prozent der Weltbevölkerung aus, haben aber einen Anteil von 30 Prozent am Verbrauch der Ressourcen und an der Abfallproduktion. Wäre der Verbrauch überall so hoch wie in den USA, bräuchten wir drei bis fünf Planeten."
Wirtschaftlicher Schaden

Laut der EU-Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity" ist der Schaden, der der Wirtschaft durch das Abholzen der Wälder entsteht, viel größer als die Verluste durch die aktuelle Finanzkrise.

Kein Wunder, wenn man sich vorstellt, dass allein die Amerikaner pro Jahr so viel Papier verbrauchen, dass man damit eine drei Meter hohe Mauer von New York bis nach Tokio bauen könnte.
Umgang mit Wasser und Öl

Annie Leonard wirft viel mit Zahlen um sich, bringt sie aber immer in Relation. Für die Baumwolle eines T-Shirts braucht man beispielsweise 970 Liter Wasser. Bedenklich, wenn der "Economist" Wasser das "Öl des 21. Jahrhunderts" nennt. Als einen möglichen Lösungsansatz sieht Leonard hier den "Wasser-Fußabdruck", mit dem man seinen Wasserverbrauch beziehungsweise seine Verschwendung berechnen kann, um dann sorgfältiger damit umzugehen.

Trotz all unseres technischen Know-hows hat mindestens jeder sechste Mensch auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben Tausende von Menschen - die meisten davon Kinder - an Krankheiten, die durch eine bessere Wasserversorgung zu vermeiden wären.

Nicht nur das Wasser wird langsam rar, auch das Erdöl könnte laut internationaler Energieagentur (IEA) in zehn Jahren das Fördermaximum erreicht haben. Annie Leonard spricht den Ressourcenfluch an, also das Paradoxon, dass Einheimische und die örtliche Wirtschaft trotz Bodenschätzen leiden, und den Kürzeren ziehen: Zum Beispiel Sierra Leone und seine Diamanten, Öl aus Nigeria und Kongos Coltan, das zum Beispiel in jedem Handy oder MP3-Player enthalten ist.
Die täglichen Giftstoffe

Wir bringen nicht nur einen Gehaltsscheck, sondern auch Asbestose und Silikose - also Lungenkrankheiten nach Hause, heißt es in einem von Annie Leonards Lieblingsliedern im Kapitel Produktion. In diesem Abschnitt des Buches wimmelt es nur so von Giftstoffen wie PVC, Quecksilber und Blei, mit denen wir alle uns Tag täglich umgeben.

In der EU kontrolliert zum Beispiel die REACH-Verordnung, ob Unternehmen nur unbedenkliche Chemikalien verwenden. Sie berücksichtigt allerdings nicht, ob mehrere toxische Chemikalien in Kombination schädlich wirken.Leonard appelliert hier an ökologisches und durchdachtes Design. Folgende Aussage könnte für das ganze Buch stehen.

Winzige Veränderungen können sehr wohl Unterschiede bewirken, wenn sie Millionen von Konsumprodukten betreffen. Dem Stecker am Handyladegerät eine neue Form zu geben, ist eine scheinbar kleine Sache. Doch die Vertreter der Mobilfunkindustrie erwarten, dass sich die Produktion von Ladegeräten halbieren wird. Das wiederum könnte den Ausstoß von Treibhausgasen, die bei Herstellung und Transport der Geräte anfallen, um mindestens 10 bis 20 Tonnen pro Jahr verringern.
99 Prozent entsorgt

"Inventar hat die Lebensdauer von Kopfsalat", hat der Gründer der PC-Firma Dell einmal gesagt. In den USA ist tatsächlich sechs Monate nach dem Kauf nur noch ein Prozent der Sachen in Verwendung. Das heißt 99 Prozent der Dinge, die geerntet, abgebaut, verarbeitet, transportiert und verkauft werden, sind nach einem halben Jahr Müll.

Wenn Leonard von ihren Erlebnissen erzählt, führt sie anhand fast banaler Beispiele vor Augen, woher ihr Engagement kommt.

Manchmal denke ich, der Wohlstand stumpft die Vorstellungskraft der Besitzenden ab. Bei einem ganztägigen Meeting wandte ich mich der Frau zu, die neben mir saß, und die viele Jahre in Haiti verbracht hatte. Ich sagte, ohne nachzudenken: "Ich hoffe wir sind hier bald fertig, ich bin am Verhungern." Sie drehte sich zu mir und erinnerte mich sanft: "Meine Liebe, Sie sind nicht am Verhungern."
Durchdachte Kritik

Im Kapitel Entsorgung schreibt Leonard über das zu positive Image von Recycling, und macht sich für "erweiterte Herstellerverantwortung" stark: ein Konzept, bei dem die Hersteller von Produkten für den gesamten Zyklus - also auch für die Entsorgung - verantwortlich sind.

Annie Leonard zeigt sich in ihrem Buch nicht nur missionarisch, sondern auch ein bisschen ironisch.

Okay, ich werde es jetzt sagen: Die Kritik des Wirtschaftswachstums ist eine Kritik am kapitalistischen System, so wie es heute auf dieser Welt funktioniert. Jetzt ist es heraus, ich habe das Wort gesagt: Kapitalismus. Es ist das "Wirtschaftssystem-das-nicht-genannt-werden-darf".

In "Story of Stuff", das sich als ein Mix aus einem Ökonomie-Skriptum, Umweltengagement und Annie Leonards Assoziationen liest, übt Leonard natürlich Kritik am Kapitalismus und am System. Aber: nicht blind, sondern durch ihre Reiseberichte, auf kluge und authentische Weise. Viele Zahlen und Fakten - erschreckende Zahlen und Fakten - lassen einem den Kopf brummen. Durch ihre lebensnahen Beispiele und Tipps im Epilog schafft es Leonard, dass man seinen eigenen - mehr oder eher weniger - umweltfreundlichen Lebensstil hinterfragt.

Leonard selbst lebt in einer Art Gemeinschaftssiedlung: Neben der Fahrgemeinschaft mit ihren Nachbarn tauscht oder teilt sie zum Beispiel Verpflegung, Kleidung und Bücher mit ihnen. Hippie oder Vorbild? Man kann seinem Nachbar ja zuerst einmal "The Story of Stuff" borgen.

Dienstag, 13. Juli 2010

Subprime

Der Ausweg schien in der besseren Verteilung des Risikos zu liegen: Also schnürten die Hypothekenbanken die Immobilienkredite zu Paketen, lagerten sie in sogenannten Zweckgesellschaften aus und verkauften die aus den Krediten resultierenden Zahlungsansprüche als vergleichsweise gut verzinste Anleihen an andere Banken. Damit wurde Eigenkapital frei für zusätzliche Geschäfte. Vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder andere Banken kauften diese sogenannten forderungsbesicherten Wertpapiere (auf Englisch Asset Backed Securities oder kurz ABS), um ihre Rendite in Zeiten niedriger Zinsen zu verbessern. Daraus entwickelte sich schnell ein florierender Markt.

Einige Händler an der Wall Street erkannten die Möglichkeiten und entwickelten neue Formen, indem sie die Forderungen in unterschiedlich riskante Tranchen zerlegten, um ihren Kunden je nach Risikoneigung passende Wertpapiere anbieten zu können. Andere gingen noch einen Schritt weiter: Immobilien-Darlehen wurden mit anderen Forderungen wie Auto- und Konsumentenkrediten oder Kreditkartenforderungen vermischt und erneut nach Risikoklassen aufgeteilt. Diese Papiere werden als CDOs (Collateralized Debt Obligations) bezeichnet. Die Produkte wurden im Laufe der Jahre immer komplexer und damit ihr Risiko schwerer zu beurteilen. Gleichzeitig wuchs dieser Markt auf Ende 2007 weltweit über eine Billionen Dollar. Auch die Rating-Agenturen, die die Bonität der ausgegebenen Papiere bewerten sollten, stehen in der Kritik: Viele mit guten Rating-Noten beurteilte Wertpapiere erwiesen sich als weniger werthaltig, als von den Rating-Agenturen versprochen. Kritisiert wurde, dass die Agenturen von den Banken für ihre Dienstleistung bezahlt wurden und sie den Informationen der Banken über den Inhalt der CDOs zu sehr vertraut haben. Ende 2007 stellte sich heraus, dass viele Ratings wohl zu optimistisch ausgefallen sind.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Emotionstheorie

In einem zweiten Interessenschwerpunkt hat sich Gessner besonders auf die Theorie der Emotionen konzentriert. Seine Erkenntnisse zum Primat der Kognition in Emotionen hat er in der Monographie «Die kognitive Emergenz von Emotionen» (Mentis, 2004) dargelegt. Seit 2005 hat er ein von der Hasler Stiftung finanziertes Forschungs- und Entwicklungsprojekt zu «Emotionalen Agenten» geleitet, das sich mit der Übertragung der Auslösebedingungen von Emotionen und der abhängigen Dimensionen in Emotionen (Mimik, Gestik, Handlungen, Sprechhandlungen) auf menschenähnliche Roboter (Androiden) beschäftigt.

Momentan konzentriert sich sein Interesse auf die Logik mentaler Ereignisse und auf mentale Modelle als Heuristiken zur Analyse der wesentlichen Komponenten von Subjektivität, Perspektivität und Personalität in kommunikativen und kooperativen Interaktionen. Diese Forschungsansätze werden in die Rekonstruktion mentaler Zustände in Androiden eingebracht werden, um deren Möglichkeiten und Kompetenzen zur elaborierteren Interaktion und Kommunikation mit Menschen zukünftig zu verbessern.

Sonntag, 4. Juli 2010

Michaela Amering - RECOVERY

In Ihrem Buch „Recovery“ plädieren Sie dafür, nie die Hoffnung aufzugeben. Bedeutet das nicht auch, Illusionen zu schüren?

Michaela Amering: Im Gegenteil! Es herrscht in der Ärzteschaft so etwas wie eine Angst vor der falschen Hoffnung: davor, dass die Patienten sich zu viel erwarten und im Verlauf der Krankheit enttäuscht werden könnten. Wobei Hoffnung für mich eben nicht heißt, dass man sich auf ein konkretes Szenario festlegt. Es bedeutet nicht, sich vorzunehmen: In einem Monat bin ich geheilt. Oder: In einem halben Jahr werde ich wieder meinen Beruf ausüben können. Andererseits bedeutet es aber auch nicht zu sagen: In zwei Monaten werde ich nicht mehr leben. Hoffnung bedeutet, offen zu sein für das, was kommt.



Diese Offenheit vermissen Sie vor allem, wenn es um die Psychiatrie geht.

Sogar viele Mediziner nehmen noch immer an, dass Schizophrenie unheilbar ist! Aber das entspricht einfach nicht den Tatsachen. Als Ergebnis dieses verbreiteten Irrtums glauben manche Patienten, sie müssten mit dem Erhalt der Diagnose alle Sehnsüchte und Träume fahren lassen. Die Leute stellen sich die psychische Gesundheit fälschlicherweise vor wie ein Gummiringerl: Wenn man daran zerrt und zerrt, dann reißt es irgendwann, dann hat man den Verstand verloren und das wird nie wieder heil. Das kann ungeheuer belastend sein und gibt einem das Gefühl, dass man sich enorm zusammenreißen muss, man darf es ja nicht so weit kommen lassen! Da tut es gut, Menschen zu treffen, die „Verrücktheit“ erlebt haben und bei vollem Verstand davon erzählen. John Nash, der Mathematiker und Nobelpreisträger, von dessen Leben und Schizophrenie der Film „A Beautiful Mind“ handelt, hat gesagt: Es gibt einen Weg rein in die Psychose und es gibt einen Weg raus aus der Psychose.

In Ihrem Buch geht es auch um Menschen, die besser als andere mit traumatischen Situationen umgehen können.

Wir nennen diese Fähigkeit Resilienz. Man fragt sich ja immer, warum manche Menschen zum Beispiel eine Kindheit mit Gewalterfahrung unbeschadet überstehen – oder als Erwachsene tiefe Krisen meistern können. Manche Punkte sind sehr einfach: Ein ruhiges Temperament ist günstig, Intelligenz, auch Attraktivität, wobei man nicht genau weiß, auf welchem Wege sie dazu beiträgt. Extraversion hilft. Aber vor allem andere Menschen, die solidarisch und unterstützend sind und die an einen glauben. Wichtig ist die Bindung in den ersten Lebensjahren. Außerdem die Fähigkeit, sich nicht falsch zu vergleichen.

Das spielt auch in der Glücksforschung eine wichtige Rolle – dieses Schielen auf das, was die anderen haben, der soziale Neid.

Das Problem beginnt dort, wo man nicht die eigene Gruppe als Maßstab nimmt: Das macht vielen das Leben schwer. Nur wenn man sich richtig vergleicht, also mit Menschen, die unter ähnlichen Bedingungen leben und ähnliche Voraussetzungen haben, wird die eigene Leistung auch sichtbar! Der Vergleich an sich ist nichts Schlechtes. Wer aufhört zu vergleichen, hat oft resigniert: Wir sehen immer wieder Patienten, die unter miserablen Bedingungen leben, das aber als normal betrachten, weil sie aufgehört haben, die Normalität als Möglichkeit und Maßstab zu sehen. Auch das kann eine Gefahr sein.



Sie setzen sich sehr für Selbsthilfegruppen ein. Was können Ärzte von ihnen lernen?

Ich habe immer wieder Institutionen besucht, die von Betroffenen selbst geleitet wurden. Sie sind meist sehr konsequent, wenn es darum geht, jene Situationen und Momente aufzuspüren, in denen ein Patient für sich selbst einstehen kann, in denen er wieder die Verantwortung übernehmen kann. Das würden wir klassischen Therapeuten uns zum Teil gar nicht trauen! Die Selbsthilfegruppen nennen das die Würde des Risikos und das Recht, Fehler zu machen. Im Übrigen zeigt sich, dass resiliente Menschen oft sehr früh in ihrem Leben Verantwortung tragen mussten. Verantwortung zu tragen hilft.



Fordern wir unsere Kinder zu wenig?

Das kann ich nicht beobachten. Für Kinder ist wichtig, dass sie in möglichst vielen Feldern Erfahrungen sammeln können, gerade für Kinder, die es im Elternhaus schwer haben: Sie sollen sich an andere Erwachsene wenden können, die sie stärken, das können Lehrer sein, Verwandte, Nachbarn. Natürlich muss man Kinder ihre eigenen Fehler machen lassen – aber man muss auch für sie da sein, wenn es nicht geklappt hat.

Freitag, 2. Juli 2010

■Josef Winkler

Ein Wort des Bedauerns bringt der begünstigte Villacher Steuerberater sicher nicht über die Lippen, das kann man allein schon am Klang seiner Worte ablesen, denn er hat die Höhe dieses Honorars damals mit den hochnäsigen und die Steuer zahlende Bevölkerung verhöhnenden Worten begründet: „Es waren zwei arbeitsintensive Monate!“

Ist wahrscheinlich eh besser, dass der die Papp'n hält, das Geld hat er ja, was braucht er denn mehr, und den Enkelkindern wird's auch nicht schaden, er selber kann's eh nicht verbrauchen! Zuerst hätten es, wie man weiß, das steht jeden Tag in den Zeitungen, und man muss es gebetsmühlenartig wiederholen, zuerst hätten es also zwölf Millionen Euro sein sollen, dann hat man sich das schlechte röm.-kath. Gewissen, das „Patriotenrabatt“ genannt wurde, großzügigerweise über Nacht, nachdem der Herr wohl zehnmal durch einen Beichtstuhl aus Luft gegangen ist, sechs Millionen Euro kosten lassen. Der großzügige Kärntner-Anzug-Träger hat also nur mehr sechs Millionen Euro aus Landesvermögen in seine Brieftasche eingesackelt für dieses Sechs-Seiten-Papier, er hat also anstandshalber sechs Millionen Euro im Beichtstuhl verloren, wir sind gerührt, zu Tränen.


Dämonische Allianz

Unsere Kinder, die vielleicht in zehn oder fünfzehn Jahren eine Arbeit bekommen, werden die Steuern nicht mehr für ihre eigene zukünftige Vorsorge einzahlen, sondern sie werden mit ihrer Arbeit – falls sie überhaupt eine bekommen – abzahlen müssen, was in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten von ein paar Kapitalverbrechern, Wirtschaftsdämonen und von korrupten Politikern angerichtet worden ist. Oder gilt vielleicht für die dämonische und das Land und also auch die Zukunft unserer Kinder ruinierenden Allianz von Kapitalschwerverbrechern, Wirtschaftsteufeln und korrumpierbaren, einen goldenen Mastdarm als Himmels-Schlüpfer benutzenden Politikern, die Unschuldsvermutung?

Leben und Werk

Freitag, 25. Juni 2010

Klimaforschung

http://www.pnas.org/content/early/2010/06/04/1003187107.full.pdf+html

Finanzmarktreformen

Beim Thema Finanzmarkt-Reform kann man leicht den Überblick verlieren. Gleich auf mehreren Ebenen basteln Politiker an neuen, strengeren Regeln. Wie weit diese Regeln bis jetzt gediehen sind, und wie Experten die neuen Regeln bewerten, das schauen wir uns anhand von fünf zentralen Punkten an.
1. Neue Eigenkapital-Regeln für Banken

Damit Banken in Zukunft nicht mehr so schnell Pleite gehen, und bei einer neuerlichen Krise wieder die Steuerzahler einspringen müssen, sollen die Banken mehr Eigenkapital anhäufen. Im Prinzip sollen Banken für riskantere Geschäfte mehr Eigenkapital hinterlegen, für weniger riskante Geschäfte weniger.

Wie diese neuen Eigenkapitalvorschriften genau aussehen sollen, wird in der Schweizer Stadt Basel, im sogenannten Basler Ausschuss von Experten aus zahlreichen Ländern verhandelt.

So weit so gut. Allerdings wird heftig über die Details gestritten. Der internationale Bankenverband steigt auf die Bremse, und warnt vor massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft, wenn die Eigenkapital-Regeln zu streng sind - Banken würden dann weniger Kredite vergeben - und das würde das Wirtschaftswachstum bremsen. Trotzdem sollen die neuen Eigenkapitalregeln 2012 in Kraft treten.
2. Eine bessere Aufsicht über die Finanzmärkte

In der Finanzkrise wurde ein Problem offensichtlich: Große Banken sind international aktiv, die Finanzmärkte sind weltweit vernetzt. Doch die Aufsichtsbehörden sind es nicht, oder zu wenig. Jedes Land hat seine eigene Finanzmarkt-Aufsicht. Ob eine neue Finanzkrise droht, ist unter diesen Umständen schwer zu erkennen, weil der Überblick fehlt.

Die EU arbeitet daher an einem neuen Überwachungssystem. Es sollen drei neue Behörden für Banken, Versicherungen, und Wertpapiere geschaffen werden - und die wiederum sollen eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden vernetzt werden. Das Ganze soll Anfang 2011 Wirklichkeit werden. Derzeit hängen die Pläne allerdings in den EU-Institutionen fest, weil das EU-Parlament andere Vorstellungen hat, als die Mitgliedstaaten.

Helmut Ettl von der österreichischen Finanzmarktaufsicht gehen die Pläne für eine bessere europaweite Aufsicht nicht weit genug - er sieht aber wesentliche Fortschritte. Idealerweise bräuchte man als Mittel gegen eine zukünftige Finanzkrise aber eine deutlich stärkere, globale Finanzaufsicht, sagt Stefan Pichler von der Wirtschaftsuniversität Wien. Doch die scheint noch in weiter Ferne.
3. Die Bankenabgabe

Seit der Finanzkrise wird sie ebenfalls heftig diskutiert: Österreich, Frankreich, und Deutschland setzen sich stark für sie ein, auch die EU-Kommission will sie, und bei den G-20 wird sie ebenfalls diskutiert - die Bankensteuer.

Konkret sollen die Banken einen kleinen Teil ihrer Bilanzsumme als Abgabe zahlen. In Österreich solle die Bankensteuer im Herbst kommen, sagt Finanzminister Pröll. Doch was mit dem Geld geschehen soll, da gehen die Meinungen auseinander. Österreich will die geschätzten 500 Millionen Euro aus der Bankensteuer verwenden, um die leeren Staatskassen zu sanieren.

Die EU-Kommission schlägt stattdessen vor, das Geld in einen Bankenrettungsfonds zu legen. Damit bei einer zukünftigen Finanzkrise nicht wieder der Steuerzahler die Banken retten muss - sondern der Rettungsfonds zum Einsatz kommt. Beim EU-Gipfel letzte Woche hat es in Sachen Bankensteuer allerdings nur einen Minimalkonsens gegeben - nämlich, dass alle EU-Staaten eine Bankenabgabe einführen "sollten".
4. Die Finanztransaktionssteuer

Auch die Finanztransaktionssteuer wird, oft parallel zur Bankenabgabe, als eine Konsequenz aus der Finanzkrise gefordert. Damit würde für jede Transaktion auf den Finanzmärkten eine geringe Gebühr fällig.

Befürworter wie Christian Felber von Attac Austria sagen, diese Steuer würde zwei Dinge erreichen: die Spekulation an den Finanzmärkten eindämmen, und gleichzeitig Geld in die Staatskassen bringen. Wirtschaftsprofessor Stefan Pichler hingegen sieht das völlig anders - aus seiner Sicht würde sie große Gefahren für das Finanzsystem bringen.

Die Chancen, dass eine globale Finanztransaktionssteuer kommt, stehen derzeit aber ohnehin schlecht - auch wenn das in der EU zum Beispiel Deutschland und Österreich fordern. International sind aber nicht nur die USA, sondern auch Kanada und Australien dagegen. Und selbst in der EU herrscht bei diesem Thema keine Einigkeit, so hält etwa Großbritannien nichts davon.
5. Verbot spekulativer Geschäfte

Um die Finanzmärkte zu zähmen, wird auch darüber diskutiert, bestimmte spekulative Geschäfte zu verbieten. Da geht es zum Beispiel um Kreditausfallsversicherungen, mit denen auf die Pleite von Staaten gewettet werden kann. Im Fall von Griechenland soll das die Schuldenkrise dort noch verschärft haben, sagen Kritiker.

Anders Wirtschaftsprofessor Stefan Pichler von der WU Wien: Er hält es für unmöglich, gute Geschäfte von schlechten spekulativen Geschäften zu trennen, und hält nichts davon, gewisse spekulative Geschäfte zu verbieten.

Zumindest in der EU sollte sich hier bald etwas bewegen: Im September will die EU-Kommission einen Entwurf vorlegen und erklären, wie Derivate besser kontrolliert werden sollen.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Post-Fordismus

Das neue System, das sich inzwischen etabliert hat, wird mit dem Begriff Postfordismus bezeichnet. An die Arbeitnehmer/innen werden neue Anforderungen gestellt, sie sollen flexibel sein, sich kommunikativ und kreativ einbringen und sich für den Erfolg des Unternehmens persönlich mitverantwortlich fühlen. Die "atypischen Beschäftigungsverhältnisse" wie z. B. Teilzeit, Gleitzeit, geringfügige Beschäftigung, Arbeit auf Werksvertragsbasis und neues Kleinunternehmertum haben zugenommen, und zwar in so einem Ausmaß, dass diese Beschäftigungsformen gar nicht mehr so "atypisch" sind, sondern mehr und mehr zum Regelfall werden.

Damit nehmen aber auch Stress und die Gefahr von Burn-Out zu. Viele Teilzeitjobs werden unfreiwillig von Frauen ausgeführt, Leiharbeit und die Arbeit von Migrant/innen wird ausgenutzt, um das Lohnniveau zu drücken und schlechtere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die Gewerkschaften haben diese Veränderungen unter dem Motto "mitgestalten" häufig mitgetragen, mit dem Ergebnis, dass sich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer/innen deutlich verschlechtert hat.

Während viele Gewerkschaften noch keine Antwort auf diese Veränderungen gefunden haben, begannen einige gegenzusteuern. "Organising" heißt das aus den USA importierte Schlagwort, das einen neuen, kämpferischen und basisdemokratischen Stil der Gewerkschafter/innen bezeichnet.

Das Radiokolleg "Arbeit im Postfordismus" thematisiert die Veränderungen, aber auch die Kontinuitäten der Arbeitsorganisation. Wie sieht die Realität der Arbeit im Postfordismus aus? Müssen wir nun alle "Arbeitskraftunternehmer/innen" werden? Ersetzt der Laptop am Küchentisch die Arbeit in der Fabrik? Ist die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit wirklich wünschenswert? Weicht das Kommando tatsächlich der Kommunikation? Was haben neue Gewerkschafter/innen, Künstler/innen und Migrant/innen miteinander zu tun? Armin Medosch untersucht die Konfliktlinien der Arbeit im Postfordismus anhand von Fallbeispielen und Theorien.
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* Ulrich Bröckling. Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007.

Mario Becksteiner / Elisabeth Steinklammer / Florian Reiter. Betriebsratsrealitäten. Betriebliche Durchsetzungsfähigkeit von Gewerkschaften und BetriebsrätInnen im Kontext der Globalisierung, OEGB Verlag Wien, 2010.

Gerald Geppert, Detlef Hartmann. Cluster: Die neue Etappe des Kapitalismus. Assoziation A, Berlin/Hanburg, 2008.

Claudia von.Werlhof. Vom Diesseits der Utopie zum Jenseits der Gewalt. Feministisch-patriarchatskritische Analysen - Blicke in die Zukunft? Centaurus, Freiburg 2010.

Safranski

Die Moderne ist durch das Gefühl der knappen, davoneilenden Zeit definiert. Schon Shakespeare lässt seinen Hamlet feststellen, die Zeit sei aus den Fugen geraten. Goethe spricht sogar von einem "veloziferischen" Charakter unserer Zeit, die nichts wachsen und reifen lasse; und Nietzsche argwöhnte, unser Zeitalter werde aus Mangel an Ruhe in eine neue Barbarei münden. Unsere Zeit ist also temporeich und teuflisch zugleich.

Aber die Temposteigerung hat etwas vom "rasenden Stillstand". Längst dominiert der Eindruck nicht Akteur, sondern Opfer der Beschleunigung zu sein. Die Zahl derjenigen, die heute das Gefühl haben, das wahre Leben zu versäumen, wächst ständig. Die Ursache: die Erlebnisdichte wird immer größer, immer mehr Arbeitsprozesse pressen sich in eine Zeiteinheit. Flexibilität ist oberstes Gebot. Doch wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft flexibel sind, kann die Gesellschaft als Ganze nicht stabil sein. Wenn diese Stabilität fehlt, fehlt auch der Demokratie ein festes Fundament.

Die Demokratie befindet sich im Zeitalter der permanenten gesellschaftlichen Beschleunigung ohnedies im Nachteil gegenüber der global agierenden Wirtschaft. Denn während die Ökonomie unter dem Druck der Parole "Zeit ist Geld" Entscheidungen mit höchster Geschwindigkeit trifft, benötigen demokratische Entscheidungsabläufe viel Zeit. Das demokratische Prinzip befindet sich im 21. Jahrhundert strukturell im Nachteil.

Es kommt heute im Wesentlichen darauf an, einen Zeitvorsprung zu haben. Und kapitalistisches Wirtschaften beruht entscheidend auf der Ausnutzung von Zeitvorsprüngen, die eine so große Bedeutung haben, dass Karl Marx die bis heute geltende Feststellung treffen konnte: alle Ökonomie sei letztlich zur Zeitökonomie geworden.

Wir sind, meinen Soziologen wie Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, am Rande der Erschöpfung und am Rande des Sinnvollen angelangt. Rüdiger Safranski forderte deshalb in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Paul-Watzlawick-Ehrenringes eine revolutionäre Änderung des Zeitregimes. Die politische Klasse, so der deutsche Philosoph und Publizist, habe die Dringlichkeit der Forderung noch nicht ganz begriffen: "Es ist eine politische Machtfrage, die verschiedenen Geschwindigkeiten, die der Ökonomie und die der demokratischen Entscheidungsprozeduren, aufeinander abzustimmen, was darauf hinauslaufen würde, die Ökonomie unter das Zeitmaß demokratischer Entscheidungen zu bringen."

Im Gespräch mit Rüdiger Safranski rücken Michael Kerbler und "STANDARD"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid die Frage in den Mittelpunkt, worin die Nachteile zeitaufwendiger demokratischer Prozesse gegenüber der schnell und global agierenden Wirtschaft bestehen. Und es wird ausgelotet, wie jene Strategien aussehen können, mit denen die Ökonomie wieder unter das Zeitmaß demokratischer Entscheidungen gebracht werden kann.

E-Democracy

Der virtuelle Stammtisch

Schaut man sich allerdings Leserkommentare auf Online-Tageszeitungen an, so wird einem mitunter angst und bang bei der Vorstellung, so mancher User dürfe tatsächlich mitbestimmen. Denn am virtuellen Stammtisch bewegt man sich oft tief unter der Gürtellinie.

Zwar brauche es auch bei E-Partizipationsprojekten eine Moderation und Benimmregeln, erklärt Kirsten Neubauer, insgesamt laufe die Diskussion hier aber wesentlich zivilisierter ab: "Natürlich wird es immer Leute geben, deren Kommentare man löschen muss, weil sie den Regeln nicht entsprechen. Aber es ist schon erstaunlich, wie sachlich diskutiert wird, wenn die Leute das Gefühl haben, sie werden ernst genommen."
Emotionale Themen e-diskutieren

Tatsächlich sei bei den untersuchten Projekten nur etwa ein Prozent der Vorschläge destruktiv gewesen, sagt Peter Kühnberger. Und er plädiert dafür, dass Regierende auch vor sehr emotionalen und kontroversiellen Themen, wie etwa Migration, nicht zurückschrecken.

Durch E-Partizipationsprojekte könnten die regierenden Parteien bestimmte Themen vielmehr kanalisieren und auf eine sachliche Ebene bringen: "Im Internet habe ich die Möglichkeit, das Thema tiefgründiger darzustellen. Wie viele Bürger mit Migrationshintergrund haben wir wirklich? Wie viel tragen die zur Wiener Gebietskrankenkasse bei? Und ich habe auch die Chance, zu sagen: Reden wir darüber."

Mittwoch, 23. Juni 2010

Sozisalphysik

Vor allen Dingen beschäftigt Sozialphysiker die Frage, wie es aus dem Zusammenspiel etlicher Akteure zu solchen Mustern kommt. Wie ist es möglich, dass Aufstände oder Terrorakte einem mathematischen Gesetz folgen? Warum ist das Risiko für Bürgerkrieg in einem Land abhängig von Einkommen und Machtverteilung, aber nicht von Bodenschätzen, Einwohnerzahl oder demokratischen Strukturen?

Um das zu beantworten, nutzen Forscher wie Johnson oder Cederman Computermodelle: Aus den Wechselwirkungen vieler virtueller Agenten sollen sich die Gesetzmäßigkeiten ganzer Gesellschaften erklären.

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Schelling konnte in den 1970er-Jahren auf diese Weise darlegen, wie es in den USA in Städten zur Trennung nach der Hautfarbe kommt.

Die Menschen müssen dazu keine Rassisten sein. Wie er mit Hilfe eines Schachbrettmodells begründete, reicht schon die Neigung, in einem Viertel nicht als deutliche Minderheit leben zu wollen, um binnen kurzer Zeit soziale Gruppen nach ihrem ethnischen Hintergrund aufzuteilen. "Wonach wir suchen, sind solche Kausalmechanismen, die erklären, wie eine Gesellschaft tickt", sagt Johnson.

Um das Verhaltensmuster bei Aufständen aufzuschlüsseln, behalf sich Johnson mit einer räumlichen Simulation. Sie ging von zersplitterten Zellen von Aufständischen aus, die gelegentlich kommunizieren, sich mitunter vereinen und wieder trennen. Die Folge sind meist kleinere Gefechte, die von größeren Anschlägen unterbrochen werden.

Dabei fiel allerdings auf, dass - wie in der Wirklichkeit - sich Angriffe oft an bestimmten Tagen häuften. Die steuernde Kraft sind die Informationen, die Aufständische erhalten - über feindliche Truppen, ihre Medienpräsenz oder das Wetter. Eine günstige Gelegenheit erkennen mehrere Gruppen deshalb oft gleichzeitig.

Außerdem orientieren sie sich aneinander - nicht viel anders als zum Herdentrieb neigende Aktienhändler. Nachdem Johnson sein Modell mehrfach durchspielte, reproduzierte es das Potenzgesetz der Aufstände in sieben Ländern fast perfekt.

"Fast alle sozialen Phänomene werden sich in Zukunft simulieren lassen"

Cederman hat 2008 ein Computermodell für Bürgerkriege in Ländern mit mehreren Volksgruppen publiziert. In ihm bildet er die Dynamik der Staatenbildung, der Spannungen zwischen Peripherie und Machtzentrum, kultureller und nationaler Identität nach. Er konnte zeigen, dass aufbegehrende Randgruppen oft aus Bergregionen stammen - die lokale Identität in Bergregionen ist viel stärker ausgeprägt.

"Das war nur ein extrem vereinfachtes Modell, um die Methode zu veranschaulichen. Heute können wir differenziertere Simulationen erarbeiten. Fast alle sozialen Phänomene werden sich in Zukunft simulieren lassen."

Auf die Frage, wie belastbar die Erkenntnisse der Sozialphysik für Krieg und Terror bislang sind, zögert Cederman indes: "Ich würde als Militär aufgrund solcher Modelle noch keine Entscheidungen treffen." Der Physiker Ed MacKerrow, der am Los Alamos National Laboratory in New Mexico den Opiumhandel in einem Tal in Afghanistan simuliert, pflichtet Cederman bei: "Der Apfel, der Newton einst seinen Geistesblitz verschaffte, ist in der Sozialphysik noch nicht gefallen."

Doch ist das notwendig? Eine Mechanik der Gesellschaft, die uns wie Kugeln auf einer schiefen Ebene durchs Leben kullern sieht? Der Komplexitätswissenschaftler und Konfliktforscher Jürgen Scheffran von der Universität Hamburg untersucht mit Computermodellen, in welchem Maße die Erderwärmung Konflikte in den Krisenregionen Nordafrikas verschärft.

"Eine physikalische Exaktheit wird man kaum erreichen. Aber es wäre viel gewonnen, wenn solche Modelle soziale Prozesse erhellen. Das könnte in Handlungsanleitungen einfließen, um gewaltsame Konflikte in Zukunft zu vermeiden."

Dienstag, 22. Juni 2010

Porn Industry

Kein Genre des Schauspiels flirtet mehr damit, kein Schauspiel zu sein, sondern realer, gebrauchsfertiger und immer mehrfach orgiastischer Exzess. Der Kritiker Richard Corliss hat die Dramaturgie pornographischer Filme so beschrieben: "Erst gibt es die boy/girl-Szene, dann die girl/girl-Szene, dann die Orgien-Szene und schließlich das Knutsch-Finale." Ein Finale, das die meisten Konsumenten gar nicht mitbekommen. Das jedenfalls konstatiert Corliss, der dazu referiert, dass zwei Drittel aller in Hotels kostenpflichtig konsumierten Filme Pornos seien, diese aber im Schnitt nur zwölf Minuten geschaut werden. "Zwölf Minuten?", fragt Corliss erstaunt: "Warum so lange, und was treiben die Zuschauer in den überflüssigen sieben Minuten?" Darum verplempert der Internetporno erst gar keine Zeit mehr mit episodischem Erzählen.
Pop(p)-Kultur

Die Fiktion des Authentischen, das mutmaßlich private Ambiente, das verwischte Make-up machen den Porno-Konsumenten zum Voyeur, zum Bettenbeobachter jenseits der privaten Hemisphäre. Vermutlich ist neben der reinen Fleischbeschau der Thrill der angebotenen Schlüssellochperspektive ein Grund dafür, dass der Porno-Boom im Internet - vor allem durch Amateurfilme - entstehen konnte. Waren zu analogen Zeiten pornographische Werke nur unter dem Ladentresen oder in Arealen des Video-Verleihs beziehbar - erforderten also eine offene Artikulation des eindeutigen Interesses -, so pornographisiert sich der Alltag mit der Selbstverständlichkeit, mit der Daten-Breitbandverbindungen in den Haushalten ankommen.

An Pornos zu gelangen, ist inzwischen leichter als an illegal kopierte Musik. Der Konsum ist längst Teil der Pop-Kultur. Wer das nicht glaubt, stelle bitte die Standardeinstellungen seiner Google-Bildersuche mal von "moderate Filterung" auf "keine Filterung" und wundere sich, was zu den familientauglichen Treffern noch so aufgerufen wird. Mit den Musikvideos und der Werbung, etwa in den Fotografien von Terry Richardson für Sisley oder in der "Rape"-Kampagne von Dolce & Gabbana oder dem wirklich lustigen Diesel-Video zum 30-jährigen Firmenbestehen, sind Anspielungen mit ihrem Reiz des Anrüchigen Teil des Medien-Mainstreams geworden. Michael Höfner, Sprecher des 1. Berliner Porn-Filmfestivals 2006, hat es auf die Formel gebracht: "Porn is chic." Und so eng verwoben mit den Produkten der Massenkultur, dass Irvine Welsh, der schottische "Trainspotting"-Autor, behauptet: "Die Pornographie niest, und die Popkultur bekommt einen Schnupfen."
Die Multi-Milliarden-Maschine

Der Web-Dienst TopTenReviews.com führt Statistik: An die einhundert Milliarden Dollar werden jährlich mit Pornographie weltweit umgesetzt. Etwa 68 Millionen mal täglich werden die Suchmaschinen nach pornographischen Inhalten befragt. Das sind 25 Prozent aller Suchanfragen. Obwohl das Netz freie Filme zuhauf anbietet, werden pro Sekunde 3075 Dollar für Pornographie und die entsprechenden Spielzeuge ausgegeben. An die 100 Milliarden sind das pro Jahr, die übrigens zu 28 Prozent in China landen.

Naomi Wolf bringt die Verkehr-Routine Anfang April 2009 im Times Magazine auf die Formel: "Porno tötet das Verlangen." Sie erinnert an Kulturen, "in denen es kein Zeichen von Prüderie ist, sich der Pornographie nicht zu unterwerfen. Vielmehr verstehen diese Kulturen das Wesen der Sexualität und wessen es bedarf, um das physische Interesse von Männern und Frauen aneinander wach zu halten." Vermutlich ist es also an der Zeit, mit einem gängigen Vorurteil aufzuräumen: Wir sind nicht "oversexed and underfucked", sondern vielmehr: (virtually) overfucked and (physically) undersexed. Obwohl auch das schon wieder egal ist. Denn unsere eigenen Körper sind ohnehin nicht mehr im Spiel.

Prostata

Bei der gutartigen Prostatavergrößerung verändern sich Größe und Gewebeaufbau der Vorsteherdrüse. Das Gewicht der im Normalfall kastaniengroßen Geschlechtsdrüse unterhalb der männlichen Harnblase kann mit zunehmendem Alter erheblich zunehmen. Typische Beschwerden der Vergrößerung - der benignen Prostatahyperblasie - sind verzögertes und verlängertes Wasserlassen und ein immer schwächer werdender Harnstrahl. "Das liegt daran, dass die Harnröhre durch die Prostatavergrößerung verengt ist", schilderte Primar Wolfgang Loidl vom Prostatazentrum des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz. Gleichzeitig komme es zu immer häufigerem Harndrang.

Eingeschränkte Lebensqualität

Die Nachtruhe wird durch wiederholtes Wasserlassen teils mehrfach unterbrochen, Betroffene meiden letztlich sogar den Aufenthalt auf Plätzen oder in Theatern und Kinos, weil sie Angst haben, die nächste Toilette nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, so Loidl. Der Glaube, dass die Symptome "einfach zum Alter dazugehören", dass sie nicht behandelt werden können oder schlichtweg die Angst vor einer urologischen Untersuchung führen dazu, dass Männer oft schon unter einem schweren Leidensdruck stehen, bevor sie doch den Arzt aufsuchen. Harnwegsentzündungen sind eine häufige Begleiterkrankung, die den Betroffenen oft erstmals zum Arzt führen. Es kann aber auch zu Komplikationen wie Entzündungen des Nierenbeckens kommen oder es kann ein akuter Harnverhalt auftreten, warnte der Linzer Mediziner.

Für die Behandlungswahl - kontrolliertes Zuwarten, Medikamente oder eine breite Palette an operativen Eingriffen - ist zum einen die Schwere der Beschwerden ausschlaggebend, die der Facharzt mit einem speziellen Fragebogen ermessen kann. Außerdem ist die Messung der maximalen Harnflussrate, der Restharnmenge in der Blase nach dem Wasserlassen, eine Tastuntersuchung der Prostata und die Bestimmung eines bestimmten Eiweißes (PSA) im Blut zum Ausschluss eines Prostata-Karzinoms angebracht. Am Gesundheitsmarkt werden zur Behandlung eine Vielzahl von Phytopharmaka rezeptfrei angeboten: "Das Problem ist, dass ihre Wirksamkeit sehr schlecht untersucht ist", hielt der Linzer Primar fest. (APA)

http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1042062

Geld

http://www.webinformation.at/material/Pyramidenspiel-Geldsystem.pdf

Zukunft der Menschheit

Zukunft der Menschheit: "Es ist zu spät"

"Wir werden aussterben. Was auch immer wir machen, es ist zu spät." Diese düstere Prognose zur Zukunft der Menschheit liefert der prominente australische Mikrobiologe Frank Fenner.

Kategorie: Prognose Erstellt am 21.06.2010.

Grund für die trüben Aussichten seien Bevölkerungsexplosion, unkontrollierter Konsum und der Klimawandel, wie der 95-Jährige in einem Gespräch mit der Zeitung "The Australian" ausführte.
Australischer Nationalheld

Frank Fenner ist in Australien eine Art Nationalheld. Durch Einsatz des Myxoma-Virus konnte er in den 1950er Jahren die Kaninchenplage auf dem fünften Kontinent verringern. In den 1960er Jahren war er führend an der globalen Ausrottung der Pocken beteiligt.

Seiner Ansicht nach droht nicht nur der Menschheit, sondern auch zahlreichen Tierarten die Auslöschung. Die Entwicklung sei bereits unumkehrbar, es könnte bereits zu spät sein, um Abhilfe zu schaffen.

Zwar würden die Menschen bereits etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen versuchen, räumte Fenner ein. Vieles würde aber weiterhin auf die lange Bank geschoben. Der Eintritt der Menschheit ins "Anthropozän" - in der die menschliche Aktivität das Klima beeinflusst - sei vergleichbar mit globalen Katastrophen wie Eiszeiten oder Kometeneinschlägen.
Globale Klimaveränderung

Der Menschheit drohe dasselbe Schicksal wie seinerzeit den Bewohnern der Osterinseln, so Fenner. Die Eingeborenen hatten durch die rücksichtlose Abholzung des Waldes ihre einst blühende Insel in eine Ödnis verwandelt. Die globalen Klimaveränderungen stünden noch am Anfang, es gebe aber jetzt schon beträchtliche Veränderungen in der Atmosphäre. Nun drohe der menschlichen Rasse das Schicksal vieler anderer Spezies, die im Laufe der Erdgeschichte ausgestorben sind.

Zahlreiche andere Wissenschaftler teilen aber nicht den Pessimismus Fenners. Sein Freund und Kollege, der Immunologe Stephen Boyden, etwa meint: "Frank könnte durchaus Recht haben. Aber viele von uns haben immer noch die Hoffnung, dass die Menschheit sich der Situation bewusst wird und die notwendigen revolutionären Veränderungen einleitet, um die ökologische Nachhaltigkeit herzustellen."

science.ORF.at/APA

Dienstag, 15. Juni 2010

Kirche & 3. Reich

http://www.unmoralische.de/christlich.htm#dritte

Sonntag, 13. Juni 2010

nternet Abzocke

http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/UNIQ127641889007771/link432741A.html

Mittwoch, 9. Juni 2010

Reichtum der Kirchen

http://www.freie-christen.com/reichtum_der_kirche_ist_blutgeld.html

Donnerstag, 3. Juni 2010

NLP _ Haider light

http://www.nlp.at/hl/index.htm

Sonntag, 30. Mai 2010

Wie die Wirtschaft funktioniert

http://www.steuerboykott.org/

Donnerstag, 27. Mai 2010

Rifkin

Rifkin versteht es meisterhaft, Begriffe fortzuschreiben, auch wenn es keinen Sinnzusammenhang mehr gibt. Die "dritte industrielle Revolution" etwa soll vor allem die erneuerbare Energieerzeugung durchsetzen und dezentralisierte Versorgungskonzepte entwickeln. Aber wo bleibt da die Industrie? Rifkin redet doch allein über veränderte Distribution und Speicherung von Energie. Wir können uns also über ein neues Handels- oder Lagerungsmodell unterhalten, aber doch nicht etwas, das gar keine neuen Produkte oder Herstellungsverfahren beinhaltet, als industrielle Revolution bezeichnen.
Apokalyptik und Trost

Es ist gewiss nicht einfach, zehn Jahre nach "Access" und sechs nach "Der europäische Traum" noch einmal alles von vorne aufzurollen. Rifkin macht es dennoch, um dann am Schluss zielsicher die alten Thesen noch einmal hervorzuholen und in die Begrifflichkeit des neuen empathischen Modells zu übersetzen. Immerhin ist konsequent, dass er seine eigenen Modelle nicht ganz über Bord wirft. Aber ohne jede Berücksichtigung der ständig zunehmenden Debatten über Internet und Urheberschutz noch einmal das Prinzip des freien Zugangs als segensreichen Weg in die Gesellschaft der Zukunft zu preisen oder Europa als Heimat von Kindern, die unbeschwert von Armut aufwachsen können, das wirkt geradezu altbacken.

Und das beruhigt. Deshalb wird das Buch seine Leser finden: Weil bei aller Apokalyptik, die in den Passagen zum Klimawandel zu finden sind, doch die tröstliche Botschaft bleibt, dass wir alles noch selbst in der Hand haben, wenn wir nur unser anthropologisch bedingtes Mitgefühl triumphieren lassen. Warum es so oft in der Menschheitsgeschichte unterdrückt werden konnte, erzählt Rifkin nicht. Bezeichnend, dass er denn auch keine Gegner ausmacht, sondern nur Vorläufer, von China bis Neandertal. Seid nett zueinander - das darf doch nicht das letzte Wort sein.

Jeremy Rifkin: „Die empathische Zivilisation“. Wege zu einem globalen Bewusstsein. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff, Waltraud Göring und Xenia Osthelder. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010. 468 S., geb., 26,90 €.

No-bail Out

Die No-Bail-out-Klausel ist jedenfalls so wage formuliert, dass sie zwar theoretisch Rettungsaktionen ausschließt, sich diese Vorgabe in der Praxis aber nicht halten lässt. Nur so konnten Griechenland und andere einstige Weichwährungsländer sich über Jahre hinweg zu Zinsen finanzieren, die auf einem Niveau mit der Rendite auf deutsche Staatsanleihen lag. Und nur weil es eine implizite Garantie für die Staatsschulden aller Euroländer gab, sind die Abnehmer von Staatsanleihen erst viel zu spät (und nicht zu früh) in den Käuferstreik getreten.

Eine solche Ursachenanalyse gefällt Politikern und Zentralbankern nicht, weil damit die Hauptverantwortung für die Krankheiten der europäischen und amerikanischen Wirtschaft bei ihnen liegt. Es ist leichter, kübelweise Dreck auf Banker und Spekulanten auszuschütten, die sicher Fehler gemacht haben und zum Teil erratisch handeln. Es bringt aber wenig, an diesen Symptomen herumzudoktern, wenn nicht die Politik begreift, dass die Ursache des Krebsgeschwürs das eigene verantwortungslose Handeln ist.

Korea

Er erkennt die tiefe Diskretion, mit der die koreanische Macht, repräsentiert durch die überdimensionale Führerfigur, sich selbst und ihr Land den Besuchern vor Augen führt. Sie leugnet das alte Geheimnis und vertieft es dadurch. In einem lückenlosen Leitungssystem, vom Autor als "Delegationismus" bezeichnet, steuert sie die Wahrnehmungen der Gäste; Delegationismus als höchste und zugleich nicht als solche verstandene Form der Kommunikationsverweigerung gegenüber dem Ausländer. Das Land schrumpft zum Text, dem Text der koreanischen Macht; die Reise wird zur Lektüre, Zweifel zur Dummheit. Indem die Macht die Universalgeltung von Dschutsche postuliert, leugnet und schafft sie zugleich Distanz und entwirft ein widerspruchsfreies, weil abstraktes Gebilde einer "besseren Welt", deren Kriterien nirgends und durch niemanden - außer durch die Macht selber - überprüfbar sind. In schlaflosen Nächten fällt den Reisenden seine linksmissionarische Vergangenheit an. Auch Korea erscheint als das Modell einer Gesellschaft, die sich durch sich selbst rechtfertigt, ein geschlossenes System, legitimiert durch zahllose Zirkelschlüsse und Leerformeln; Korea ist überall dort, wo Glück versprochen wird, und die Abwesendheit von Schmerz, und die Befreiung von jeglichem Zweifel. In Pjöngjang oder anderswo liegt das Ende der Illusion vom schöneren Leben, das die Enttäuschten das Kapitalismus in der "Dritten Welt" zu finden hofften.

Dienstag, 25. Mai 2010

Aus "Die Welt"

1. Politiker sind nicht dumm, im Gegenteil.Sie dienen Interessen.
Unsere sinds nicht.
2. Etwa 95% allen in der Welt zirkulierenden Geldes ist zuviel.
Gab es zuletzt Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts ähnlich.
Die Folgen sind bekannt.
3. Das wertlose Papier ist nur Mittel zum Zweck. Es geht um die Kontrolle der Ressourcen der Erde und deren Verteilung. (Rohstoffe, wichtiger noch Lebensmittel,
Wasser, Energie etc.
4. Die letzte Systemkrise (Weltwirtschaftskrise) war hausgemacht.
Methoden ähnlich wie jetzt auch sind Schürung von Angst,Hysterie,Panik.
5. Das Ziel ist das System crashen zu lassen, was normal nicht crashen kann und es als einzig "wahre" Lösung zu verkaufen.
6. Das überflüssige Papier könnte genausogut verbrannt werden,ohne inflationäre
Wirkungen herbeizubeschwören. Aber den Kontrolleuren der Gelddruckmaschinen und der Macht geht es um das Implementieren einer neuen Ordnung und durch
Kontrolle der Lebensmittel und Ressourcen auf der Erde haben Sie die Menschheit in der Hand.

Ich denke ,das braucht keiner. Unsere Politiker sind in diesem Spiel das Puppentheater, welches die Show liefert.
Spätestens wenn kein Strom mehr aus der Steckdose kommt, sieht man sich dann vielleicht endlich mal auf der Straße wieder.
Aber das brauchen wir nicht wirklich

Montag, 24. Mai 2010

Reiche in Ö.

t’s business, stupid! Wie legen die Superreichen ihr Geld an? Die Antwort lautet: Der Großteil des Vermögens ist schon angelegt. Das Geld liegt nicht in einem Geldspeicher wie bei Onkel Dagobert, es steckt gewöhnlich in der Quelle des Reichtums, nämlich in einem oder mehreren Unternehmen.

Das 2-Milliarden-Euro-Vermögen des Dietrich Mateschitz, nebenbei bemerkt ein Liebhaber von Ralph-Lauren-Möbeln und exquisiten Flugzeugen, findet sich natürlich großteils im 49-Prozent-Anteil am Red-Bull-Weltkonzern. Das ist bei den mehr als 50 Gesellschaftern des Swarovski-Konzerns nicht anders oder bei der zweitreichsten Österreicherin, Maria-Elisabeth Schaeffler, die mit ihrer Familie den weltgrößten Wälzlager-Hersteller der Welt besitzt.

Statistisch ist das Vermögen der 67.700 österreichischen Euro-Millionäre im Schnitt so angelegt:

• 70,9 Prozent in Unternehmensbeteiligungen,
• 20,4 Prozent in eigengenutzten Immobilien,
• 8,7 Prozent in Finanzanlagen.

Die Statistik lügt natürlich immer auch ein bisschen, und Ausnahmen bestätigen die Regel. Friedrich Karl Flick etwa, der reichste Österreicher, hat seine 6,8 Milliarden Euro hauptsächlich in Anleihen, Aktien und sonstigen Finanzinstrumenten investiert, die von seinen Vermögensverwaltern wie etwa Gerhard Bock umsichtig ausgewählt werden.

Der Weg zu den ganz großen Vermögen führt in der Regel über Erben und Heiraten. Alles andere sind extreme Ausnahmefälle. Von den 260.000 österreichischen Unternehmern und Freiberuflern werden nur wenige wirklich reich. Drei Viertel von ihnen beschäftigen weniger als fünf Mitarbeiter. Und nur drei Prozent aller österreichischen Unternehmen haben mehr als 50 Beschäftigte.

Auch als Gehaltsempfänger sind die Aussichten auf große Vermögen eher gering. Das Durchschnittseinkommen der Österreicher beträgt derzeit 17.699 Euro brutto pro Jahr. Das Top-1-Prozent der Gehaltsempfänger kann darüber natürlich nur lächeln, es verdient jährlich mehr als 85.900 Euro brutto. Dazu zählt auch die sehr kleine Berufsgruppe der Top-Manager, deren persönlicher Erwerbssinn durchaus ausgeprägt ist. Aber selbst von Helmut Elsners Abfertigung und Andreas Treichls 4-Millionen-Euro-Jahresgage zum Milliardär ist es auch noch ein weiter Weg.

Von Karl Riffert, Mitarbeit: Jasmin Schakfeh

Vermögensverteilung

http://www.bmsk.gv.at/cms/site/attachments/4/5/5/CH0107/CMS1232705650368/18_verteilungdergeldvermoegen.pdf

Sonntag, 23. Mai 2010

Entwicklungshilfe

Warum die Helfer in Afrika versagen

Von Kurt Gerhardt


Große Armut, gigantische Abhängigkeiten: Falsche Entwicklungshilfe behindert die Eigeninitiative in Afrika. Das System muss dringend reformiert werden. Denn Menschen werden zur Untüchtigkeit erzogen - und die Industrieländer haben aus Partnern Bettler gemacht.

Die Entwicklungshilfe für Afrika ist ein Segen für alle, die direkt an ihr beteiligt sind, auf Geber- wie auf Nehmerseite. Geberfunktionäre verdienen, zumal im Ausland, reichlich Geld, und viele derer, die die Hilfe in Empfang nehmen, wissen es in der Regel so anzustellen, dass ihre persönlichen Interessen dabei nicht zu kurz kommen.

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Diese beiden großen Gruppen können eigentlich kein Interesse an einer Änderung der Verhältnisse haben. Trotzdem werden auch in ihren Reihen die Stimmen lauter, die sagen, so könne es nicht weitergehen. Die personelle und finanzielle Entwicklungshilfe der vergangenen 50 Jahre stehe in keinem vertretbaren Verhältnis zu den enttäuschenden Resultaten. Auch immer mehr einfachen Spendern, die von Einzelheiten der Praxis wenig wissen, schwant, dass mit der Entwicklungshilfe etwas nicht stimmen könne.

So ist es. Die Hilfe ist in hohem Maße misslungen.

Wir haben uns zu viel Zuständigkeit für die Lösung afrikanischer Probleme angemaßt und die Menschen so "erzogen", dass es verständlich erscheint, wenn sie bei einem aufkommendem Problem zuerst ausländische Helfer anrufen, bevor sie fragen, was sie selbst für dessen Lösung tun können.

Dieses Bewusstsein sitzt tief in afrikanischen Köpfen. Diese Selbstentmündigung ist eines der schlimmsten Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit. Falsche Entwicklungshilfe hat die Menschen abhängig gemacht, hat sie an den Zustand der andauernden Hilfe gewöhnt und so die Bildung von Eigeninitiative behindert. Diese in den Mentalitäten der Menschen angerichteten Schäden sind weit schlimmer als die enormen materiellen Verluste, die durch fehlgeschlagene Hilfe entstanden sind. Afrika ist übersät mit herumliegenden Traktoren, zerstörten Maschinen, heruntergekommenen Gebäuden.

Auch auf unserer Seite hat sich das Bewusstsein festgesetzt, zuvörderst seien wir dafür zuständig, Afrika zu entwickeln. Bundespräsident Horst Köhler, der sich mit reicher Erfahrung und großem Engagement für Afrikas Entwicklung einsetzt, sprach im August 2009 auf der 2. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik unter anderem über eine Energiepartnerschaft, die Deutschland mit Nigeria zwei Jahre zuvor vereinbart habe. Sein Fazit:

"Ich kann nicht erkennen, dass es in Nigeria seitdem mehr Elektrizität gibt. Und ich finde das beschämend für die Industrieländer wie auch für die Verantwortlichen in Nigeria, dass dieses große rohstoffreiche Land im Grunde seine sozialökonomische Entwicklung nicht voranbringen kann, weil es bisher nicht geschafft hat, Elektrizität in die ländlichen Gebiete zu bringen. Ich finde das beschämend für die ganze Entwicklungszusammenarbeit, die es jetzt seit Jahrzehnten gibt."

Dass er als Verantwortliche für das Versagen zuerst die Industrieländer nennt und dann die Nigerianer, ist relativ unwichtig, gemessen daran, dass er erstere überhaupt nennt. Sollen wir uns allen Ernstes dafür schämen, dass eines der größten Ölexportländer der Welt nicht in der Lage ist, seine ländlichen Gebiete mit Strom zu versorgen? Die Frage zu stellen genügt, um zu zeigen, wie abwegig der Gedanke ist - und wie tief das Missverständnis sitzt.

Verletzung des Subsidiaritätsprinzips

Diese bemutternde Haltung, die in den Dritte-Welt-Kreisen des Nordens seit Jahrzehnten verbreitet ist, steht im Widerspruch zum Subsidiaritätsprinzip, das verlangt, dass helfende Agenturen, private oder staatliche, keine Aufgaben übernehmen dürfen, die vom Entwicklungsland selbst erfüllt werden können. Zweitens muss die Hilfe so gegeben werden, dass die Helfer sich so bald wie möglich zurückziehen können.

Das Subsidiaritätsprinzip hätte von Anfang an der Schlüssel für die Gestaltung der Zusammenarbeit sein müssen. In Wahrheit hat es eine viel zu geringe Rolle gespielt.

Es fehlt auf Seiten der Geber von Entwicklungshilfe nicht an Theorien, an ausgeklügelten Strategien, Konzeptionen - davon bersten die Büroschränke der internationalen Entwicklungsagenturen. Woran es mangelt, ist Grundverständnis und angewandte Prinzipienklarheit.

Dass der Norden den Süden nicht entwickeln und jeder Mensch und jede Gesellschaft das nur selbst tun könne, gehört zum wohlfeilen Glaubensbekenntnis der Geber. In die Praxis ist es allerdings kaum eingedrungen.

Eigeninitiative nimmt Schaden

Entsandte Entwicklungsexperten kommen aus Gesellschaften mit einer anderen Leistungseffizienz als der, die in Afrika herrscht, wo generell gemächlicher und weniger gründlich gearbeitet wird. Zweitens bleiben die ausländischen Helfer in der Regel nur einige Jahre. In dieser Zeit möchten sie "etwas erreichen". Sie werden immer dazu neigen, mehr zu tun, als sie nach dem Subsidiaritätsprinzip tun sollten. Damit aber verdrängen sie afrikanische Eigendynamik und behindern deren Stärkung.

Eine weitere zweifache Verletzung des Subsidiaritätsprinzips ist angelegt in der Existenz nicht nur der gewaltigen nationalen und internationalen Entwicklungsagenturen, von GTZ bis Weltbank, sondern auch der Myriaden kleiner und großer privater Organisationen, die den Kontinent mit ihren Wohltätigkeitsnetzen überziehen.

De facto sind das, nach der Kolonialzeit, die neuen Besatzungsmächte.

Nach dem zweiten Lehrsatz dieses Prinzips soll sich die Hilfe so schnell wie möglich überflüssig machen. Allein für Deutschland wird die Zahl derer, die von der Entwicklungshilfeindustrie abhängig sind, mit bis zu hunderttausend angegeben. Man stelle sich den Aufruhr vor, der entstünde, wenn jemand auf die Idee käme, diese Behörden abzubauen. Dabei ist dieses Ziel Teil ihrer Existenzberechtigung.