Samstag, 31. Dezember 2011
Julian Nida-Rümelin
Für Professor Julian Nida-Rümelin ist klar: "Die Moderne beginnt nicht mit der Entdeckung Amerikas, nicht mit der Erfindung des Buchdrucks, nicht mit dem Schisma zwischen Katholiken und Protestanten. Sie beginnt mit der Entdeckung eines moralischen Kontinents, nämlich mit der Erkenntnis, dass die Menschen frei und gleich sind." Doch die Erkenntnis, dass die Menschen frei und gleich sind, ist bedroht. Und zwar durch die Denkweise, die der Finanzkapitalismus präferiert: Alles und jedes zu optimieren, alles und jedes auf seine Effizienz hin zu untersuchen und zu bewerten. Womit wir einen Zeitsprung zurück an den Anfang des 19.Jahrhunderts machen. Damals beklagte einer der großen politischen Vordenker in den USA, Alexis de Tocqueville, eine Charakterart der Amerikaner: "Sie - die Amerikaner - suchen den Wert von allen Dingen nur in der Antwort auf eine einzige Frage: wie viel Geld kann man damit verdienen?"
Julian Nida-Rümelin stellt diesem auf schnellen Profit ausgerichteten System das Modell einer humanen Ökonomie entgegen, der der herrschenden Wirtschaftstheorie in vielen Punkten widerspricht. Etwa jener Ansicht, wonach der Markt moralfrei sei und nur einem Parameter zu folgen sei: den eigenen Interessen. Nida-Rümelin ist von der Verwirklichung einer menschengerecht ausgerichteten Wirtschaftsordnung überzeugt. Einer Wirtschaftsordnung, die auf Kooperation ausgelegt und gerecht ist.
Julian Nida-Rümelin studierte Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaft. Er hat seit 2009 den Lehrstuhl für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne.
Julian Nida-Rümelin stellt diesem auf schnellen Profit ausgerichteten System das Modell einer humanen Ökonomie entgegen, der der herrschenden Wirtschaftstheorie in vielen Punkten widerspricht. Etwa jener Ansicht, wonach der Markt moralfrei sei und nur einem Parameter zu folgen sei: den eigenen Interessen. Nida-Rümelin ist von der Verwirklichung einer menschengerecht ausgerichteten Wirtschaftsordnung überzeugt. Einer Wirtschaftsordnung, die auf Kooperation ausgelegt und gerecht ist.
Julian Nida-Rümelin studierte Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaft. Er hat seit 2009 den Lehrstuhl für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne.
Freitag, 30. Dezember 2011
Investopedia explains 'Beta'
Definition of 'Beta'
A measure of the volatility, or systematic risk, of a security or a portfolio in comparison to the market as a whole. Beta is used in the capital asset pricing model (CAPM), a model that calculates the expected return of an asset based on its beta and expected market returns..
Also known as "beta coefficient".
Beta is calculated using regression analysis, and you can think of beta as the tendency of a security's returns to respond to swings in the market. A beta of 1 indicates that the security's price will move with the market. A beta of less than 1 means that the security will be less volatile than the market. A beta of greater than 1 indicates that the security's price will be more volatile than the market. For example, if a stock's beta is 1.2, it's theoretically 20% more volatile than the market.
Many utilities stocks have a beta of less than 1. Conversely, most high-tech Nasdaq-based stocks have a beta of greater than 1, offering the possibility of a higher rate of return, but also posing more risk.
Read more: http://www.investopedia.com/terms/b/beta.asp#ixzz1i1zJ4qnW
A measure of the volatility, or systematic risk, of a security or a portfolio in comparison to the market as a whole. Beta is used in the capital asset pricing model (CAPM), a model that calculates the expected return of an asset based on its beta and expected market returns..
Also known as "beta coefficient".
Beta is calculated using regression analysis, and you can think of beta as the tendency of a security's returns to respond to swings in the market. A beta of 1 indicates that the security's price will move with the market. A beta of less than 1 means that the security will be less volatile than the market. A beta of greater than 1 indicates that the security's price will be more volatile than the market. For example, if a stock's beta is 1.2, it's theoretically 20% more volatile than the market.
Many utilities stocks have a beta of less than 1. Conversely, most high-tech Nasdaq-based stocks have a beta of greater than 1, offering the possibility of a higher rate of return, but also posing more risk.
Read more: http://www.investopedia.com/terms/b/beta.asp#ixzz1i1zJ4qnW
Matthias Horx
Matthias Horx ist Zukunfts- und Trendforscher im großen Maßstab. Nicht um gängige Modetrends des nächsten Herbstes oder die nächste Handy Revolution geht es ihm. Wer, was und wie gestaltet die Zukunft der Menschheit und inwiefern sind diese 'Trends' absehbar, zumindest zu erahnen? Das ist sein Thema.
Ein Thema, welches allein schon durch den Begriff 'Megatrend' verdeutlicht, dass es hier um die großen Linien der Zukunft geht. Es sind die langfristigen 'Treiber' des Weltgeschehens, welche mit langsamer Geschwindigkeit und dafür um so größerer Energie Entwicklungslinien festzurren und umzusetzen vermögen.
Fundiert und sorgfältig strukturiert baut Horx in diesem Sinne sein Buch auf, auf seinem Weg, 'beschreibbare Kräfte auszumachen, die die Welt vorantreiben und in eine bestimmte Richtung verändern'. Dies, nachdem er im ersten Teil des Buches zunächst in das Thema einführt und verdeutlicht, dass 'Kontinuität' und 'Innovation' in einem deutlichen Spannungsverhältnis stehen und ebenso in der Evolution selber als auch in der Entwicklung des Wirtschaftslebens beides in dieser Spannung aufeinandertrifft. Erst aus dieser Spannung heraus geschieht letztendlich 'Entwicklung'. Nicht nur, dass sich biologische eine 'Auslese' festmachen lässt, auch wirtschaftlich werden selbst Riesenkonzerne zu einem gewissen Prozentsatz 'pulverisiert' um Platz zu schaffen für Innovationen. Ein 'Determinismus', so beruhigend es auch wäre, Dinge logisch ableiten zu können, ist nicht die treibende Kraft der Evolution. 'Irrtümer' sind es viel eher, die jene evolutionäre Kraft darstellen, welche Entwicklungen erst freisetzt. Ganz hervorragend bildet Horx hier Grunderkenntnisse der Biologie ab und 'übersetzt' diese in eine Betrachtung der Wirtschaft und des soziokulturellen Miteinanders, die einsichtig und stichhaltig zu überzeugen vermag.
Und es sind im Weiteren die 'großen Linien', die 'Megatrends'. Globalisierung zu Beispiel, in der sich ein 'blinder Prozess der Selbstkoordination' abspielt. Ein solch komplex vernetzter Vorgang, dass nicht nur eine Steuerung, selbst ein echtes Verstehen desselben noch weit in den Sternen steht, ein Vorgang aber, der als ungeheuer kraftvoller Motor einen Rahmen eben für jenes 'Versuch und Irrtum' eines evolutionären Prozesses vorgibt, der die Zukunft stark beeinflussen wird. Ebenso wie der Megatrend 'Frauen' (vielfach in Deutschland bereits zu sehen im Feld der Bildung). Aktuelle, durchaus schon sichtbare Megatrends werden benannt, denen Horx einen Ausblick auf kommende Megatrends folgen lässt, die eher noch erst zu ahnen sind. Eine 'kreative Zerstörung' durch den Kapitalismus wird so zur Bedingung eines Sozialkontraktes werden können, der in die Zukunft weist. Eine allgemeine 'Knappheit' wird im Raum stehen an Ressourcen dessen, was zu einem 'besseren Leben' befähigt. Horx nennt unter anderem hier die kommende 'Sättigung der Märkte' oder Knappheit an Energie. Knappheiten, die wiederum kreativ Neues hervorbringen können wie ein neues soziales Verständnis, eine Entwicklung hin zur Kooperation.
Letztlich plädiert Horx völlig einsichtig und folgerichtig für eine 'Training der Wandlungsfähigkeit' und eine 'Stärkung der Selbstkompetenz', vor allem für ein Verlassen jedweder dogmatischer und/oder ängstlicher 'Tunnelblicke' (er nennt dies das 'eherne Gehäuse der Hörigkeit', vor allem dem Fundament des 'Lohnarbeitsverhältnisses' gegenüber).
So fasst Horx letztlich das 'System Megatrend' in, am Ende des Buches, gründlich und plakativ erläuterte Begriffe zusammen. Komplexität, Vielfalt, Wandel und Stagnation, Teilung und Verbindung und auch Krise. Elemente, die in Form einer 'Synthese' und nicht in Formen 'linearer Logik' oder als 'Kausalketten' die Entwicklung des Lebens im Großen und Kleinen im Rahmen des evolutionären Rahmens bestimmen.
Horx legt eine ruhige, sachliche, im Wesen aber intensive Betrachtung jener Kräfte vor, welche die Entwicklung des komplexen Systems Mensch und Gesellschaft bestimmen und die, in Teilen, durchaus prognostizierbar sind. Dabei enthält das Buch einen durchaus ganz anderen Blick auf die gängigen Erklärungs- und Arbeitsmodelle gerade der Wirtschaft und Sozialwissenschaften, die fast revolutionär zu einer anderen und flexiblen Art des Denkens herausfordern. Das Ganze dargeboten mit vielen praktischen Beispielen und einer durchaus verständlichen Sprache. Das Buch ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg nach Morgen, gerade angesichts der 'Weltuntergangsstimmung' im Rahmen der Krisen unserer Tage.
Ein Thema, welches allein schon durch den Begriff 'Megatrend' verdeutlicht, dass es hier um die großen Linien der Zukunft geht. Es sind die langfristigen 'Treiber' des Weltgeschehens, welche mit langsamer Geschwindigkeit und dafür um so größerer Energie Entwicklungslinien festzurren und umzusetzen vermögen.
Fundiert und sorgfältig strukturiert baut Horx in diesem Sinne sein Buch auf, auf seinem Weg, 'beschreibbare Kräfte auszumachen, die die Welt vorantreiben und in eine bestimmte Richtung verändern'. Dies, nachdem er im ersten Teil des Buches zunächst in das Thema einführt und verdeutlicht, dass 'Kontinuität' und 'Innovation' in einem deutlichen Spannungsverhältnis stehen und ebenso in der Evolution selber als auch in der Entwicklung des Wirtschaftslebens beides in dieser Spannung aufeinandertrifft. Erst aus dieser Spannung heraus geschieht letztendlich 'Entwicklung'. Nicht nur, dass sich biologische eine 'Auslese' festmachen lässt, auch wirtschaftlich werden selbst Riesenkonzerne zu einem gewissen Prozentsatz 'pulverisiert' um Platz zu schaffen für Innovationen. Ein 'Determinismus', so beruhigend es auch wäre, Dinge logisch ableiten zu können, ist nicht die treibende Kraft der Evolution. 'Irrtümer' sind es viel eher, die jene evolutionäre Kraft darstellen, welche Entwicklungen erst freisetzt. Ganz hervorragend bildet Horx hier Grunderkenntnisse der Biologie ab und 'übersetzt' diese in eine Betrachtung der Wirtschaft und des soziokulturellen Miteinanders, die einsichtig und stichhaltig zu überzeugen vermag.
Und es sind im Weiteren die 'großen Linien', die 'Megatrends'. Globalisierung zu Beispiel, in der sich ein 'blinder Prozess der Selbstkoordination' abspielt. Ein solch komplex vernetzter Vorgang, dass nicht nur eine Steuerung, selbst ein echtes Verstehen desselben noch weit in den Sternen steht, ein Vorgang aber, der als ungeheuer kraftvoller Motor einen Rahmen eben für jenes 'Versuch und Irrtum' eines evolutionären Prozesses vorgibt, der die Zukunft stark beeinflussen wird. Ebenso wie der Megatrend 'Frauen' (vielfach in Deutschland bereits zu sehen im Feld der Bildung). Aktuelle, durchaus schon sichtbare Megatrends werden benannt, denen Horx einen Ausblick auf kommende Megatrends folgen lässt, die eher noch erst zu ahnen sind. Eine 'kreative Zerstörung' durch den Kapitalismus wird so zur Bedingung eines Sozialkontraktes werden können, der in die Zukunft weist. Eine allgemeine 'Knappheit' wird im Raum stehen an Ressourcen dessen, was zu einem 'besseren Leben' befähigt. Horx nennt unter anderem hier die kommende 'Sättigung der Märkte' oder Knappheit an Energie. Knappheiten, die wiederum kreativ Neues hervorbringen können wie ein neues soziales Verständnis, eine Entwicklung hin zur Kooperation.
Letztlich plädiert Horx völlig einsichtig und folgerichtig für eine 'Training der Wandlungsfähigkeit' und eine 'Stärkung der Selbstkompetenz', vor allem für ein Verlassen jedweder dogmatischer und/oder ängstlicher 'Tunnelblicke' (er nennt dies das 'eherne Gehäuse der Hörigkeit', vor allem dem Fundament des 'Lohnarbeitsverhältnisses' gegenüber).
So fasst Horx letztlich das 'System Megatrend' in, am Ende des Buches, gründlich und plakativ erläuterte Begriffe zusammen. Komplexität, Vielfalt, Wandel und Stagnation, Teilung und Verbindung und auch Krise. Elemente, die in Form einer 'Synthese' und nicht in Formen 'linearer Logik' oder als 'Kausalketten' die Entwicklung des Lebens im Großen und Kleinen im Rahmen des evolutionären Rahmens bestimmen.
Horx legt eine ruhige, sachliche, im Wesen aber intensive Betrachtung jener Kräfte vor, welche die Entwicklung des komplexen Systems Mensch und Gesellschaft bestimmen und die, in Teilen, durchaus prognostizierbar sind. Dabei enthält das Buch einen durchaus ganz anderen Blick auf die gängigen Erklärungs- und Arbeitsmodelle gerade der Wirtschaft und Sozialwissenschaften, die fast revolutionär zu einer anderen und flexiblen Art des Denkens herausfordern. Das Ganze dargeboten mit vielen praktischen Beispielen und einer durchaus verständlichen Sprache. Das Buch ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg nach Morgen, gerade angesichts der 'Weltuntergangsstimmung' im Rahmen der Krisen unserer Tage.
Sebastian Schoepp, "Das Ende der Einsamkeit.
Träger des politischen Fortschritts seit 2000 sind in vielen Fällen die, die den Folterkellern und der Verfolgung der 1970er und 1980er Jahre entkamen: Michele Bachelet in Chile, Dilma Rousseff und Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilien, Néstor und Cristina Kirchner in Argentinien, José Mujica in Uruguay. Sie alle gehörten zum Kreis oder Umkreis der Verfolgten oder Verfemten. Ihre politische Renaissance, ihre auf Versöhnung ausgerichteten und in Rechtsstaatlichkeit wurzelnden Präsidentschaften wirken angesichts der blutigen Vergangenheit wie ein Akt von Weltgerechtigkeit.
In kenntnisreichen, aus der eigenen Erfahrung schöpfenden Exkursen in die 1990er Jahre macht Sebastian Schoepp, Auslandsredakteur der "Süddeutschen Zeitung", den Siegeszug des Neoliberalismus in dieser Dekade verständlich. Etwa im Argentinien des ultraliberalen Musterschülers Carlos Menem, wo schon die Diktatur mit den Privatisierungen begonnen hatte, die dann Menem fortsetzte. Nach und nach ergriff die sogenannte Liberalisierungswelle Schulen, Ölindustrie, Pensionsversicherung und die Aerolíneas Argentinas, die unter ihren neuen spanischen Eignern zu einer traurigen Regionalfluglinie verkamen.
Neues lateinamerikanisches Selbstverständnis
Auf diese Periode folgte dann "der Geist des Che Guevara", wie der Autor das Kapitel über die Linkswende im vergangenen Jahrzehnt betitelt. Die Exponenten dieses Linksrutsches sind nicht einer einheitlichen Tendenz zuzuordnen, sie vertreten insbesondere in Wirtschaftsfragen stark unterschiedliche Positionen. Dennoch prägen sie das Gesicht einer neuen lateinamerikanischen Außenpolitik, eines neuen lateinamerikanischen Selbstverständnisses, die zum Beispiel in der UNASUR, in der Union südamerikanischer Staaten, ihren Niederschlag findet.
In wohltuend objektiver Weise, ohne die üblichen Seitenhiebe, etwa gegen Hugo Chávez, analysiert Schoepp die Persönlichkeit der neuen linken Staatsmänner. Brasiliens Präsident Lula etwa, in dessen zwei Regierungszeiten 32 Millionen Menschen der Armutsfalle entkommen konnten, während gleichzeitig der Raubbau am Amazonas-Urwald voranschreitet.
200. Jahrestag der Unabhängigkeit
Für die Euphorie und Selbstbeweihräucherung, mit der zahlreiche lateinamerikanische Staaten im vergangenen Jahr den Bicentenario, den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feierten, hat der Autor wenig Verständnis. Das Jahr 1810 markierte nicht den Aufbruch zu neuen demokratischen Gesellschaftsordnungen, sondern den Beginn von 200 Jahren Einsamkeit. Eine Periode, die nach Meinung von Sebastian Schoepp erst in der Gegenwart zu Ende geht.
Zitat
Eigentlich waren die ersten 200 Jahre der lateinamerikanischen Unabhängigkeit alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Der mexikanische Literaturnobelpreisträger Octavio Paz schrieb 1950 in seinem Hauptwerk "Labyrinth der Einsamkeit":
Die Gruppen, die die Unabhängigkeitsbewegungen angeführt hatten, stellten keine neuen sozialen Kräfte dar, sondern nur eine Verlängerung des Feudalsystems. Die Modernität der jungen hispano-amerikanischen Nationen war eine Täuschung.
Wie aus einem Guss
Schoepp behandelt auch ausführlich jene Themenfelder, die eine nachhaltige soziale und ökologische Entwicklung in Lateinamerika behindern - auch in den politisch nach links gerückten Ländern: den Extraktivismus, also die export-orientierte Ausbeutung natürlicher Ressourcen, den Drogenhandel, dessen Milliardengewinne zum Großteil in den USA landen, sowie ein asoziales Herrschafts- und Gesellschaftssystem, das bereits von den goldgierigen europäischen Eroberern begründet wurde.
Obwohl die Handlung von einem Land ins andere springt und manchmal auch von einer Zeitepoche in die andere, liest sich das Buch wie aus einem Guss. Dem Autor gelingt das Kunstwerk, die Geschichte des lateinamerikanischen Kontinents mit dem Schwerpunkt auf die Gegenwart überzeugend und gut verständlich darzustellen.
Was die Welt von Lateinamerika lernen kann", Westend Verlag
Westend - Das Ende der Einsamkeit
In kenntnisreichen, aus der eigenen Erfahrung schöpfenden Exkursen in die 1990er Jahre macht Sebastian Schoepp, Auslandsredakteur der "Süddeutschen Zeitung", den Siegeszug des Neoliberalismus in dieser Dekade verständlich. Etwa im Argentinien des ultraliberalen Musterschülers Carlos Menem, wo schon die Diktatur mit den Privatisierungen begonnen hatte, die dann Menem fortsetzte. Nach und nach ergriff die sogenannte Liberalisierungswelle Schulen, Ölindustrie, Pensionsversicherung und die Aerolíneas Argentinas, die unter ihren neuen spanischen Eignern zu einer traurigen Regionalfluglinie verkamen.
Neues lateinamerikanisches Selbstverständnis
Auf diese Periode folgte dann "der Geist des Che Guevara", wie der Autor das Kapitel über die Linkswende im vergangenen Jahrzehnt betitelt. Die Exponenten dieses Linksrutsches sind nicht einer einheitlichen Tendenz zuzuordnen, sie vertreten insbesondere in Wirtschaftsfragen stark unterschiedliche Positionen. Dennoch prägen sie das Gesicht einer neuen lateinamerikanischen Außenpolitik, eines neuen lateinamerikanischen Selbstverständnisses, die zum Beispiel in der UNASUR, in der Union südamerikanischer Staaten, ihren Niederschlag findet.
In wohltuend objektiver Weise, ohne die üblichen Seitenhiebe, etwa gegen Hugo Chávez, analysiert Schoepp die Persönlichkeit der neuen linken Staatsmänner. Brasiliens Präsident Lula etwa, in dessen zwei Regierungszeiten 32 Millionen Menschen der Armutsfalle entkommen konnten, während gleichzeitig der Raubbau am Amazonas-Urwald voranschreitet.
200. Jahrestag der Unabhängigkeit
Für die Euphorie und Selbstbeweihräucherung, mit der zahlreiche lateinamerikanische Staaten im vergangenen Jahr den Bicentenario, den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feierten, hat der Autor wenig Verständnis. Das Jahr 1810 markierte nicht den Aufbruch zu neuen demokratischen Gesellschaftsordnungen, sondern den Beginn von 200 Jahren Einsamkeit. Eine Periode, die nach Meinung von Sebastian Schoepp erst in der Gegenwart zu Ende geht.
Zitat
Eigentlich waren die ersten 200 Jahre der lateinamerikanischen Unabhängigkeit alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Der mexikanische Literaturnobelpreisträger Octavio Paz schrieb 1950 in seinem Hauptwerk "Labyrinth der Einsamkeit":
Die Gruppen, die die Unabhängigkeitsbewegungen angeführt hatten, stellten keine neuen sozialen Kräfte dar, sondern nur eine Verlängerung des Feudalsystems. Die Modernität der jungen hispano-amerikanischen Nationen war eine Täuschung.
Wie aus einem Guss
Schoepp behandelt auch ausführlich jene Themenfelder, die eine nachhaltige soziale und ökologische Entwicklung in Lateinamerika behindern - auch in den politisch nach links gerückten Ländern: den Extraktivismus, also die export-orientierte Ausbeutung natürlicher Ressourcen, den Drogenhandel, dessen Milliardengewinne zum Großteil in den USA landen, sowie ein asoziales Herrschafts- und Gesellschaftssystem, das bereits von den goldgierigen europäischen Eroberern begründet wurde.
Obwohl die Handlung von einem Land ins andere springt und manchmal auch von einer Zeitepoche in die andere, liest sich das Buch wie aus einem Guss. Dem Autor gelingt das Kunstwerk, die Geschichte des lateinamerikanischen Kontinents mit dem Schwerpunkt auf die Gegenwart überzeugend und gut verständlich darzustellen.
Was die Welt von Lateinamerika lernen kann", Westend Verlag
Westend - Das Ende der Einsamkeit
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