Erlebnisse eines Kindersoldaten
"Ich wurde im Jahr 2003 entführt, an einem Samstag um 15:00 Uhr nachmittags", erzählt ein ehemaliger Kindersoldat. "Ich kam mit meinen Geschwistern gerade von der Feldarbeit zurück, als sie plötzlich vor mir standen und mich mitnahmen. Sie schlugen mich dauernd mit dem Gewehr. Ich musste dann als Träger von Beutematerial dienen, Menschen töten, Dörfer überfallen. Ich selbst wurde mehrmals angeschossen und zuletzt an der Pobacke verwundet."
Der damals 13-jährige Onenchang Stephen Derry aus Pajule befand sich ein Jahr und sechs Monate in der Gewalt der Lord's Resistance Army. "Es war die Hölle für mich. Wir marschierten stundenlang, hatten kaum etwas zu essen. Die Regierungssoldaten verfolgten uns, die Helikopter warfen Bomben und Granaten auf uns. Außerdem gab es die Propaganda. Die Rebellen erzählten uns, dass sie alle geflüchteten Kindersoldaten aufgespürt und grausam ungebracht hätten. Aber es gab auch den Radiosender der Regierung, der uns Straffreiheit garantierte. So entschloss ich mich zur Flucht."
Flucht nach Gulu - jede Nacht
So wie Onenchang Stephen Derry stellt sich auch Samuel, der Protagonist in Wojciech Jagielskis Buch, nach seiner Flucht den Regierungssoldaten. Nach einer Bombenexplosion bleibt der 14-Jährige stundenlang schwer verletzt im hohen Gras liegen, bis die Soldaten ihn schließlich finden und er sich ergibt. Er wird verhört und verbringt dann Monate in einem Rehabilitionscenter für ehemalige Kindersoldaten in Gulu.
Freitag, 20. April 2012
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1 Kommentar:
Aus ORF Kontext, 20-4-2012
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