Ihre Politbasis liegt im 15. Wiener Bezirk, wo sie eine Gruppe der SJ gründete und deren Vorsitzende wurde, ihren Aufstieg verdankt sie der eigens geschaffenen Organisation der „Jungen Roten“. Wer dort beitrat, erhielt Ermäßigungen in der Disco, Rudas wich als Vorzeige-Partygirl der Parteispitze nicht von der Seite und übte sich darin, die Parteimeinung wiederzugeben. Als Alfred Gusenbauer Kanzler wurde und die Studiengebühren nicht abschaffte, demonstrierten SJ und Hochschülerschaft, deren Vorsitzende Barbara Blaha trat aus der SPÖ aus. Rudas wurde krank. Dafür sorgte sie bei Wahlveranstaltungen verlässlich für jubelwillige Junge.
Rudas ist es leid, sich gegen den Vorwurf der Angepasstheit zu wehren. Sie möchte „über Politik diskutieren“, nicht über ihre Person. Ihr Alter ist dennoch ständig Thema, bei Kritikern wie Unterstützern. Nikolaus Pelinka ist eindeutig im Fansektor zu finden. Der 23-Jährige verteidigt Rudas so: „Ambitionierte Junge haben es überall schwer, wenn sie Veränderungen wollen.“ Pelinka selbst ist Bestandteil der Erneuerung, er wurde mit Rudas’ Hilfe als ORF-Stiftungsrat installiert, der erfahrene Karl Krammer musste weichen. Krammer ist kein Einzelfall: Nach und nach holt Rudas alte Vertraute aus der Jugendorganisation im 15. Bezirk in die Löwelstraße. Sie findet daran nichts Anrüchiges, schließlich war ein niedriger Altersschnitt bisher wirklich nicht das Hauptproblem der SPÖ.
In der Kritik an Rudas schwingt die unausgesprochene Sehnsucht nach alten Verhältnissen mit, als in der Parteizentrale gestandene Mannsbilder wie Fritz Marsch oder Karl Blecha saßen und die ÖVP in Schrecken versetzten. Deren Aufgabe war leichter, seither hat sich die SPÖ verändert. Bis in die achtziger Jahre war sie eine zentralistische Partei, alle Macht war rund um Wien gebündelt, und die heutige Bundesgeschäftsführung hieß damals stimmigerweise Zentralsekretariat. Mit den roten Landeshauptleuten im Westen, die neuerdings mitreden, ist auch die Parteizentrale entmachtet. Josef Kalina, der von Gusenbauer geschasste Vorgänger von Rudas: „Die SPÖ hat mehr Machtzentren, das macht die Rolle des Bundesgeschäftsführers noch undankbarer.“ Kalina ist überzeugt, dass die Erwartungen an Rudas überhöht sind: „Man kann nicht verlangen, dass sie frischen Wind hineinbringt und gleichzeitig alles kann, was ein alter Hase beherrscht.“
Den Part des Erfahrenen sollte eigentlich Rudas Co-Geschäftsführer Günther Kräuter, 53, spielen. Selten hat ein Duo weniger harmoniert: Kräuter und Rudas sitzen auf verschiedenen Stockwerken, gestritten wird sogar über Petitessen wie die Frage, ob in der Löwelstraße nur Mineralwasser oder auch Fruchtsaft getrunken werden darf. Das bindet Energie, die Reibungsverluste werden aber vor allem Rudas angelastet.
„Mit zwei Bundesgeschäftsführern funktioniert es nicht“, bilanziert der Nationalratsabgeordnete Josef Muchitsch. Er hält Rudas zugute, dass sie die Kommunikation forciert: Die Abgeordneten erhalten nun wöchentlich E-Mails mit Positionen der SPÖ. Das letzte listet etwa auf sieben Seiten auf, warum die „Ökosteuern“ der ÖVP pfui und die Bankenabgabe der SPÖ hui ist.
Muchitsch ist als erdiger Gewerkschafter das personifizierte Gegenbild zur stylishen Rudas und weiß über sie zu sagen: „Sie ist lernfähig, das ist ihre große Stärke.“ Zusatz: „Natürlich ist die Bundesgeschäftsführung ein Schleudersitz.“
Samstag, 24. April 2010
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