Für A führt Automation zur Antiquiertheit der Arbeit, eine Existenz ohne Arbeit sieht er nicht wie Marcuse als Aussicht auf ein Reich der Freiheit, sondern als Perspektive eines „höllischen Daseins“ (AM 2: 27), da dadurch die Arbeit teloslos, anspruchslos und zu einem wartenden Kontrollieren der Maschine würde; und vor allem da dem Menschen die Nichtarbeit und ständige Freizeitunterhaltung unerträglich sein würden (AM 2: 98). „Schon heute sehe ich unsere Urenkel vor mir: Automationshirten und Arbeitslose, die sich nach der Fließband-Arbeit [...] zurücksehnen werden, weil diese Arbeit doch noch ein Minimum an Tun, also etwas vergleichsweise Humanes, dargestellt und sie der Mühe, die Zeit selbst totschlagen zu müssen, enthoben hatte“ (AM 2: 102).
Der Unterschied besteht nun darin, dass Marcuse zwar wie Anders die negativen Wirkungen der heutigen Technik in der Produktion eines „Millionenhaufen[s] von Arbeitslosen“ (AM: 2 94)[1] und in „Antreiberei, technologischer Arbeitslosigkeit, Stärkung der Position der Betriebsführung, zunehmende Ohnmacht und Resignation auf Seiten der Arbeiter“ (EM: 50) sieht, aber davon ausgeht, dass die Dialektik der Technik heute darin besteht, dass materielle Bedingungen einer freien Gesellschaft geschaffen werden, die unter kapitalistischen Bedingungen jedoch nicht realisiert werden könnten. Resultat davon sei die Zunahme gesellschaftlicher Probleme. Eine freie Gesellschaft müsste eine „neue Technik entwickeln“ (EM: 238), um ihr Wesen eines „Daseins in freier Zeit auf der Basis befriedigter Lebensbedürfnisse“ (EM: 242) zu ermöglichen. Für Marcuse gehen Begriffe wie Muße, Sieg über den Mangel, freie Zeit, geistige Arbeit, Feiertag, Reich der Freiheit, Geist und nichtoperationelles Denken über die bestehende Gesellschaftsformation hinaus. Er geht davon aus, dass sich in einer freien Gesellschaft auch die Triebstruktur des Menschen verändert, wodurch an Stelle des repressiven ein freies Realitätsprinzip trete und die heute auf Basis entfremdender Strukturen freigesetzten aggressiven und zerstörerischen Triebenergien in Energie der Lebenstriebe verwandelt werden könnte. Erst ein derart veränderter Mensch könne den Zuwachs an Freiheit sinnstiftend und zum Fortschritt aller nutzen.
Freitag, 2. Oktober 2009
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