Mittwoch, 14. Oktober 2009

Ostrom

Dabei forscht Ostrom vor allem über die Problematik von Kollektivgütern, auch Allmende genannt. Diese unterscheiden sich von den reinen öffentlichen Gütern wie etwa „Wissen“. Dazu ein Beispiel: Dem Radioempfang von Herrn Meyer tut es keinen Abbruch, wenn auch Herr Müller dasselbe Programm einschaltet. Es besteht „keine Rivalität im Konsum“ solcher reiner öffentlicher Güter. Wenn hingegen Meyer einen Fisch aus dem Ozean angelt, kann Müller nicht den gleichen Fisch an Land ziehen. Der Konsum der Ressource durch Herrn Meyer „rivalisiert“ mit dem von Herrn Müller. Es handelt sich um ein Allmendegut.

Jenseits des Elfenbeinturms

Die werbefreie Bereitstellung von Radioprogrammen leidet ebenso wie der Schutz der Fischbestände vor Übernutzung darunter, dass es schwer ist, Konsumenten vom Zugang zu diesen Gütern auszuschließen. Insbesondere im Umweltbereich droht die sogenannte „Tragik der Allmende“ - eine Übernutzung der Ressource durch die vielen Einzelnen, die sich Zugang verschaffen können. Es kommt beispielsweise zu einer Überfischung von Seen und Meeren. Oder gemeinschaftlich genutzte Weideflächen werden zu stark abgegrast. Die übliche Kombination aus demokratischer Verwaltungsfreude und obrigkeitsstaatlichem Denken, die auch Ökonomen angesichts dieser Situation häufig vorschnell nach dem zentralen Staatseingriff rufen lässt, liegt Elinor Ostrom allerdings fern. Durch sorgfältiges Studium zunächst realer gesellschaftlicher Institutionen und später durch Experimente im Labor (oft gemeinsam mit dem bedeutenden Experimentalökonomen James Walker) konnte sie Bedingungen herausarbeiten, unter denen „spontane“ gesellschaftliche Lösungen für Allmendeprobleme gefunden werden können.

In ihrem Buch „Governing the Commons“ von 1990 (deutsch: „Die Verfassung der Allmende“) beschreibt Ostrom beispielsweise, wie Schweizer Almbauern durch nichtstaatliche Institutionen ihre Almwiesen vor Überweidung schützen. Sie vereinbaren Nutzungsregeln und wählen einen diese überwachenden „Gewalthaber“, der aber gerade keine staatliche Gewalt hat, sondern von den Betroffenen selbst eingesetzt wird. Analoge Beispiele aus Japan zeigen, dass Menschen auf ähnliche Probleme erfolgreich mit strukturell ähnlichen, wenn auch im Detail unterschiedlichen Regeln reagieren.

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