Der Satz, dass das Internet nichts vergisst und alles immer irgendwo gespeichert bleibt, wird erst richtig wahr, wenn man weiß, auf welchen Webseiten man stöbern kann. Eine Anleitung.
Auch wenn Internet-Seiten längst nicht mehr online sind, sind deren Inhalte ziemlich sicher noch irgendwo im globalen Netz zu finden. Google etwa hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Internet auf seinen eigenen Speicherplätzen abzubilden. Wer zum Beispiel eine ganz gewöhnliche Google-Suche durchführt, wird bei der Ergebnisliste neben den ersten Zeilen Kurzbeschreibung häufig den in blau geschriebenen Eintrag „Im Cache“ finden. Das bedeutet nichts anderes, als dass diese Seite nur mehr im Google-Speicher liegt, nicht mehr auf der angegebenen Webseite, die vielleicht aktualisiert und umgestaltet oder ganz vom Netz genommen wurde.
Daten über sich und andere
Auch die Plattform archive.org hat sich unter der Devise „Universeller Zugang zum gesamten Wissen“ zum Ziel gesetzt, ein geschichtliches Internet-Archiv zu sein. Mittels Zeitreise („wayback-machine“) können längst offline geschaltete Webseiten angesehen werden. Unheimlich, aber es funktioniert.
Auf www.anonym-surfen. com/anonym-surfen-test bekommt der geneigte Internet-User einen ersten Eindruck, welche Spuren er im Netz hinterlässt. Neben meinem aktuellen Standort (Linz) weiß der „Spion“ über mich, mit welchem Browser ich wie lange auf welchen Internetseiten gesurft habe. Durch die IP-Adresse des Computers bin ich identifiziert und nachverfolgbar geworden.
Etliche Internet-Dienste haben sich darauf spezialisiert, Interessierten bequem Daten über Andere zur Verfügung zu stellen. 123people.com etwa bietet einen wunderbaren Überblick über die Internet-Aktivitäten und Kontakte, Fotos und Lebensläufe von x-beliebigen Personen. Der Internet-Dienst usernamecheck.com ist zwar dazu gedacht, zu überprüfen, welche Benutzernamen auf welchen Plattformen noch frei sind. Doch umgekehrt kann durch die Eingabe eines Namens auch gecheckt werden, auf welchen Plattformen diese Person einen Account hat.
Wer sich nicht sicher ist, wo etwa sein eigenes Foto überall auftaucht oder verwendet wird, kann sich einer „umgekehrten“ Bildersuche auf www.tineye.org bedienen. Dort lässt sich ein Foto hochladen, worauf der Webdienst in Sekundenschnelle Milliarden von Bildern im Internet durchsucht und feststellt, wo das gesuchte Bild in welchem Zusammenhang im Internet auftaucht.
„Heiße“ Fotos machen im Internet oft schnell die Runde, auch wenn eigentlich nur „den Freunden“ auf Facebook Zugang darauf gewährt wird. „Man braucht kein technischer Wunderwuzzi zu sein, um eine Person auszuspionieren“, sagt Gerald Petz, Leiter des E-Business Fachhochschullehrgangs in Steyr. Es genüge unter Umständen, sich eine falsche Identität im Internet zuzulegen, um in den Facebook-Freundeskreis einer bestimmten Person zu kommen. Bei mehr als hundert Facebook-Freunden geht schnell der Überblick verloren, eine Freundschaftsanfrage ist schnell bestätigt – und die Fotos sind durch den eingeschleusten „Spion“ unkontrollierbar.
„Google, Facebook & Co sind nicht per se schlecht. Wir sollten uns aber angesichts dieser Möglichkeiten genau überlegen, wie wir mit unseren persönlichen Daten umgehen“, sagt Petz.
Big Brother Awards an Facebook und Apple
Kürzlich wurden in Deutschland wieder die Negativ-Preise für zweifelhaften Umgang mit Datenschutz, die Big Brother Awards, verliehen. Kritisiert wurde etwa, dass Facebook auch – etwa bei Nutzung über das iPhone – auf das Adressbuch im Telefon zugreift und selbst die Kontakte speichert und verwendet, solange sie der Nutzer dort nicht löscht (etwa für E-Mails im Stil: Dein Freund X ist auf Facebook – willst du nicht auch dabei sein?)
Apple wurde für seine iPhone-Geschäftsbedingungen kritisiert, aus denen nicht hervorgeht, wofür die automatisch abgefragten GPS-Aufenthaltsdaten der Nutzer gespeichert und verwendet werden.
Mittwoch, 20. April 2011
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