Mittwoch, 16. Dezember 2009

Reproduktion von Ungleichheit

Da gibt es nichts zu beschönigen: Obwohl es in den vergangenen drei Jahrzehnten gelang, bei der Forschungsquote an die Welt­spitze anzuschließen, hat sich die Akademikerquote im gleichen Zeitraum nur marginal ver­bessert. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 28 Prozent; der ­EU-Schnitt beträgt 24 Prozent. Besonders negativ fällt Österreich im Generationenvergleich auf: 2007 hatten 18 Prozent der 25- bis 44-Jährigen einen tertiären Bildungsabschluss; bei den Jüngeren – 25 bis 34 Jahre – sah es mit 19 Prozent nicht viel besser aus. In den meisten Ländern gibt es unter den Jüngeren deutlich mehr ­Akademiker als unter den Älteren. Der Befund sei „erschreckend“, sagt Campbell. Vor allem klein- und mittelständische Unternehmen könnten nicht an internationale Forschungen andocken, wenn es an Akademikern fehlt. Die Gründe für den Missstand sind nicht ausreichend erforscht. Eine Erklärung liefert der dänische Soziologe Gosta Esping-Andersen, dem zufolge konservative Wohlfahrtsregime zwar Härtefälle des Lebens abfedern, aber – im Unterschied zu den universalistischen skandinavischen Modellen – gesellschaftliche Ungleichheiten reproduzieren. Tatsächlich erreichen Kinder aus benachteiligten Familien in Österreich seltener einen akademischen Titel als Kinder aus sozial bessergestellten.

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