Zum Beispiel die Pflanzen-Hormonforschung. Auch Grünzeug, so das erste Aha-Erlebnis, reguliert sein Wachstum durch Botenstoffe. Doch was passiert, wenn Pflanzen nach einer Dürrephase Wasser bekommen und rasch zu wachsen beginnen? Das Startsignal, so viel war bisher schon bekannt, übermittelt ein Wirkstoff namens ABA. Was der in den Pflanzen allerdings bewirkt, war unklar. „Das Forschungsfeld war ein Chaos“, analysieren die „Science“-Juroren. Nun aber kam das, was sie einen Durchbruch nennen: Als Empfänger für das ABA-Signal konnten deutsche und amerikanische Forscher Proteinstrukturen auf der Zelloberfläche mit der Bezeichnung PYR/PYL/RCAR identifizieren. Wieder hatte das Universum eines seiner Rätsel preisgeben müssen. Noch dazu kein unwesentliches. Denn wie sich mittlerweile herausstellte, existiert die ABA-PYR/PYL/RCAR-Kommunikationsschiene in unzähligen Pflanzenarten. Möglich, dass die Forscher mit ihrem neuen Wissen dereinst widerstandsfähigere Pflanzen züchten können.
Spektakulärer – wenn auch vergleichsweise zweckfrei – ist ein weiteres Ereignis, das die „Science“-Jury als „Durchbruch“ feiert: die Renovierung des Weltraumteleskops Hubble. Im Mai absolvierten Spaceshuttle-Astronauten insgesamt elf, teils riskante Außenbord-Einsätze, um die Bildqualität des 19 Jahre alten und arg ramponierten Observatoriums nachzuschärfen. Sie reparierten alte und montierten neue Sensoren, sodass Hubble jetzt noch spektakulärere Einblicke in die hintersten Winkel des Universums liefert. Stolz präsentierte die Hubble-Bodenmannschaft im September Aufnahmen etwa des Schmetterlings-Nebels sowie der Spiralgalaxie M83. Aus den Bildern wollen die Wissenschafter neue Aufschlüsse über die Entstehung von Sternen im Zentrum von Galaxien herauslesen.
Wichtiger als die von „Science“ so gelobten neuen Bilder ist jedoch der Symbolwert der Aktion: Die NASA hatte bereits geplant, das schlingernde Teleskop aus seinem Orbit zu holen und im Ozean zu versenken. Lobbyisten der Flug- und Raumfahrtindustrie drängen zu stets neuen, teureren Missionen, die billige Service-Mission war auf dem Weg dorthin ein Stolperstein. Dass sich im Gezerre um das schrumpfende NASA-Budget dann doch die vergleichsweise schwache Fraktion der Wissenschafter durchgesetzt hat, gilt unter Beobachtern als Sensation für sich.
Lebensverlängerung. Mehr Einfluss auf das menschliche Leben könnten zwei „Durchbrüche“ aus den Labors der Bio-Mediziner haben.
Erstmals haben US-Forscher im vergangenen Jahr nachgewiesen, dass der Wirkstoff Rampamycin tatsächlich das Leben von Säugetieren verlängern kann. Zum Beweis hatten sie Mäuse mit der Substanz gefüttert, die bereits 600 Tage alt waren. Diese Tiere gelten als vergleichbar mit rund 60 Jahre alten Menschen. Wie sich zeigte, stieg die Lebenserwartung der Nager um neun bis 14 Prozent. Dabei schienen die Tiere einen völlig artgemäßen Lebensabend zu verbringen: Sie erkrankten an den üblichen Mauskrankheiten und starben schließlich auch daran – nur eben erst ein wenig später. Deshalb ist bisher auch völlig unklar, wie die Substanz wirkt. Die ersten Einsichten bringen mehr neue Fragen als Antworten. Denn es stellte sich heraus, dass Rampamycin ganz grundlegende Prozesse wie die Protein-Synthese oder die Zellteilung beeinflusst.
Sonntag, 27. Dezember 2009
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