Sonntag, 16. Mai 2010

Euro

Skidelsky: Die Währungsunion ist in einer Existenzkrise. Sie basierte auf der Annahme einer strikten Finanzdisziplin und ebenso auf Angleichung der Wettbewerbskraft. Beides ist nicht eingetreten. Mit dem Euro ging auch die Möglichkeit für nationale Regierungen verloren, die Währung abzuwerten, als wichtiges konjunktursteuerndes Instrument. Jetzt steht der Euro da wie ein Kaiser ohne Kleider.

SZ: Und was hat das nun für praktische Folgen?

Skidelsky: Es kann zwei Möglichkeiten geben: Entweder raufen sich die Mitglieder zusammen und koordinieren ihre Finanzpolitik. Dazu ist auch ein Europäischer Währungsfonds notwendig. Das neue Rettungspaket für die Euro-Wackelkandidaten geht da in die richtige Richtung. Das hat dem Euro vielleicht eine Atempause verschafft. Doch die Ursachen der Krise sind nicht beseitigt. Die andere Möglichkeit - das wäre der Worst Case - ist ein Auseinanderbrechen der Währungsunion. Wahrscheinlich würde in diesem Fall nur ein kleiner Kern von Mitgliedern übrig bleiben, die sich um Deutschland und Frankreich sammeln.

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