Samstag, 15. Mai 2010

Sinn

Es sei nicht der Euro gefährdet gewesen, sondern die Fähigkeit vieler Länder, sich weiter so billig zu verschulden, wie es unter dem Schutz des Euro bisher möglich gewesen sei. Die Zinsen hätten in der Krise begonnen, sich wieder der Bonität der Länder anzupassen. Eine notwendige Korrektur der Zinsstrukturen, die der unterschiedlichen Bonität der Länder entsprochen hätte, sei von den europäischen Schuldnerländern zur Systemkrise hochstilisiert worden.

Jetzt würden Schulden mit neuen Schulden bekämpft. Sinn sieht deshalb eine Staatskrise auf Deutschland zukommen. Auch Deutschland liege mit einer Staatsverschuldung von 74 Prozent der Wirtschaftsleistung weit über dem erlaubten Wert.

Außerdem laufe das Land ohnehin auf eine demografische Krise zu. „In 20 Jahren sind die deutschen Baby-Boomer, die 1965 geboren wurden, 65 und wollen eine Rente von Kindern, die sie nicht haben“, sagte Sinn. Diese Krise werde durch die „Vergemeinschaftung der europäischen Schulden“, die nun in der EU beschlossen worden sei, wahrscheinlicher.

Dass die Spekulanten als Schuldige der Krise ausgemacht wurden, hält Sinn für eine weit hergeholte Verschwörungstheorie. „Die wahren Spekulanten waren die Regierungen der Krisenländer. Sie haben darauf gesetzt, dass wir sie freikaufen, wenn sie pleite sind. Mit den Beschlüssen vom Wochenende wird das belohnt.“

Keine Kommentare: