In zwei weiteren im Vorjahr durchgeführten Studien stieß Kratzik auf ein zusätzliches Phänomen: Durch Testosterongaben beim massiv metastasierenden, austherapierten Prostatakarzinom sinkt der PSA-Wert – ein Marker, der die Menge des prostataspezifischen Antigens anzeigt und damit die Existenz beziehungsweise das Wachstum eines Tumors. Warum das so ist, wissen die Forscher nicht. Aufgrund der Literatur und seiner eigenen Studienergebnisse kommt Kratzik zu dem Schluss: „Wenn Sie kein Prostatakarzinom haben, werden Testosterongaben sicher keinen Krebs auslösen. Aber künstliche Hormone könnten ein schlafendes Karzinom aufwecken. Daher plädiere ich für Vorsicht.“
Aber die Vorstellung, dass Testosterongaben den alternden Mann ähnlich auf Trab bringen wie hochbetagte Frauen, ist nach wie vor verlockend: Hormonforscher Huber berichtet von 80- und 90-jährigen Damen, bei denen sich durch eine Testosteronbehandlung viele Beschwerden besserten, wie Muskelschwäche, Abgeschlagenheit und Vergesslichkeit. Es gebe bereits Überlegungen, Testosteron zur Alzheimer-Vorbeugung einzusetzen. Sein Kollege Markus Metka empfiehlt aufgrund ihrer besseren Bioverfügbarkeit Pflanzenhormone. Für den schwächelnden Mann Extrakte aus der Sabalfrucht sowie aus der Ginseng-, Yams- und Tribuluswurzel.
Die nachlassenden Kräfte des alternden Mannes waren schon Thema im Alten Testament. König David fühlte sich schwächlich, er fröstelte, war unkonzentriert, es mangelte ihm an Entscheidungskraft, so die Legende. Die Weisen Israels berieten, was zu tun sei. Anstatt ihrem König medizinische Pflanzen zu verabreichen, entschieden sie sich dafür, das hübscheste Mädchen Israels zu suchen, und fanden es in der 16-jährigen Abisag von Sunem, die sie kaum bekleidet über des Königs Lenden legten. Nach einer Weile fühlte der König Wärme in seinem Körper aufsteigen, er gewann wieder Antriebs- und Entschlusskraft: Er befahl, zwei seiner drei potenziellen Nachfolger umzubringen.
Samstag, 15. Mai 2010
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